Neonazis stören friedliche Antifa-Demo in Dorstfeld

Mehr als 300 Teilnehmer einer antifaschistischen Demonstration erinnerten am Freitag (16. 1.) an das Schicksal der Juden in Dortmund und protestierten gegen Antisemitismus jedweder Art. Grund dafür war ein Ereignis in der Neujahrsnacht.

Dorstfeld.. Ein Mahnmal an der Arminiusstraße erinnert an die einst bedeutendste Synagoge Dortmunds. In der Neujahrs-Nacht legten Unbekannte dort ein Feuer. Rechtsextremisten nutzten ein kurz nach der Tat aufgenommenes Foto, um das in einem Feuerschein erleuchtete Mahnmal für antijüdische Propaganda zu nutzen. Das Bild erinnert an den November-Pogrom im Jahr 1938, als Nationalsozialisten in Deutschland Synagogen niederbrannten.

In Dorstfeld wohnt der harte der Kern der Dortmunder Neonaziszene. Deren Teilnehmer einer "Mahnwache" reagierten aggressiv auf die über 300 Demonstranten. Als diese die Dorstfelder Allee erreichten, versuchten Neonazis an sie heranzukommen. Polizisten drängten die Rechtsextremisten ab. Immer wieder zündeten die Neonazis mit Pyrotechnik.

"Das ist bedrohlich"

"Was hier passiert, ist schlimm. Das ist bedrohlich", sagt ein 19-Jähriger, der in Dorstfeld zur Schule gegangen ist. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Aus Angst vor Repressionen der Rechtsextremisten. Diese Angst hätten viele Dorstfelder, sagt er.

Der junge Mann hat Zweifel, dass Demonstrationen das Nazi-Problem in Dortmund lösen. Der Staat müsse härter durchgreifen: "Nach allem, was ich in der Schule über den Nationalsozialismus gelernt habe, muss ich sagen: Rechtsextreme Gruppen müssen verboten werden." Und die Schulen sollten viel stärker über die Verbindung zwischen dem Nationalsozialismus und dem Rechtsextremismus aufklären.

Kaum jemand auf den Straßen

An jenem Freitagabend riegelt eine übermächtige Polizei die Seitenstraßen ab, um Angriffe von Neonazis auf die über 300 friedlichen Antifa-Demonstranten zu verhindern. Aus dem Hinterhalt werfen Neonazis mit Böllern. Außer den Demonstranten, der Polizei und den Nazis ist sonst kaum jemand auf den Straßen.