Nach Mietminderung erhält Dortmunder Mutter die Kündigung

Tanja Hoffmann und Steffen in ihrer Wohnung.
Tanja Hoffmann und Steffen in ihrer Wohnung.
Foto: Oliver Schaper
Was wir bereits wissen
Wegen Schimmelbefalls kürzte Tanja Hoffmann die Miete für ihre Wohnung - nichts passierte. Doch plötzlich kam die Kündigung. Wir erklären den Fall.

Dortmund.. Erst schimmelt es in der Wohnung - und dann kommt auf einmal die Kündigung: Das ist Tanja Hoffmann aus Marten passiert. Auf ihre Mietminderung reagierte die Hausverwaltung mit Mahnungen, gegen den Schimmelbefall tat sie nichts. Ende des Monats soll die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kinder ausziehen. Wir erklären den Fall.

Als Tanja Hoffmann 2012 in die Wohnung an der Germaniastraße 18 einzog, war Schimmel in den Fugen zwischen Wand und Boden zu sehen. Sie war zu dem Zeitpunkt hochschwanger und brauchte dringend eine größere Wohnung. Das Haus wurde damals zwangsverwaltet, seit 2013 sind Privatleute aus Ennigerloh die Vermieter. Die Mutter versuchte am Anfang, den Schimmel zu selbst zu entfernen. Doch seit eineinhalb Jahren breitet sich der Schimmel in drei Zimmern an der Decke und an Außenwänden aus.

Hausverwaltung reagierte nicht auf Hinweis

Als die Hausverwaltung, die Facility Management Service GmbH (FMS), auf den Hinweis von Tanja Hoffmann nicht reagierte, wandte sie sich im Februar 2015 an den Mieterverein. In Absprache mit einem Juristen minderte die alleinerziehende Mutter die Miete um 20 Prozent.

Mietrecht Es folgten Mahnungen. "Die habe ich erst mal ignoriert", erzählt die heute 42-Jährige: "Ich habe ja noch nie Mietschulden gehabt." Sie wandte sich im März 2015 wieder an den Mieterverein, auf das erneute Schreiben wegen der Mietminderung reagierte die Verwaltung ebenfalls nicht. Den Schimmelbefall hat die Firma nie behandelt. Am 13. Februar 2016 traf dann die Kündigung der Vermieter zum 29. Februar 2016 ein. Anscheinend wurde von Seiten der Vermieter einfach ein Jahr lang abgewartet - wenn die einbehaltene Miete zwei Monatsmieten überschreitet, kann der Vermieter kündigen. Die Verwaltungsfirma war trotz mehrfacher Versuche der Redaktion seit vergangenem Freitag nicht zu einer Auskunft bereit.

Mieterin hat sich korrekt verhalten

Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein sagt: "Frau Hoffmann hat sich korrekt verhalten und die Mängel als auch die Mietminderung schriftlich angezeigt." Auch der zuständige Sachbearbeiter beim Mieterverein sieht einem potenziellen Termin vor dem Amtsgericht wegen der Kündigung gelassen entgegen: "Frau Hoffmann hat alles richtig gemacht." Dem zuständigen Sachbearbeiter beim Mieterverein zufolge gibt es bei mehreren Mietern des Hauses Streit um die Nebenkostenabrechnungen.

Wann ist eine Mietminderung rechtens?

Voraussetzung für eine Mietminderung ist, dass der Mieter den Schaden in der Wohnung nicht selbst verursacht hat. Die Miete mindern kann man zum Beispiel wegen kaputter Rollläden, ausgefallener Heizung oder undichter Fenster. Vorab sollte sich der Mieter aber mit einem Anwalt oder einem Mieterschutzverein beraten.