Lehrerin spendet zwei Leukämiekranken Stammzellen

So selten wie ein Lottogewinn: Dass ein Mensch für zwei Patienten als Stammzellenspender in Frage kommt, ist ein absoluter Ausnahmefall. Und der ist bei Nicole Brüssow eingetreten. Die Lehrerin der Heinrich-Böll-Gesamtschule war sofort bereit, auch dem zweiten Leukämiekranken zu helfen.

Lütgendortmund.. Der Anruf kam Mitte November während der Mathestunde. Das war Zufall. Denn eigentlich stellt Lehrerin Nicole Brüssow ihr Handy während des Unterrichts ab. Doch weil die Nummer ihr völlig unbekannt war, nahm sie das Gespräch an: Und erlebte eine dicke Überraschung.

Zweiter Treffer in vier Jahren

Denn am anderen Ende der Leitung war die Stefan-Morsch-Stiftung, bei der mehr als 400.000 Knochenmarkspender registriert sind. Die Mathematik- und Physik-Lehrerin der Heinrich Böll-Gesamtschule war verblüfft, denn bereits vor vier Jahren hatte sie Stammzellen gespendet. "Ein zweiter Treffer ist völlig ungewöhnlich", berichtet die gebürtige Kamenerin.

Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden, liegt in der Größenordnung von eins zu 10.000 bis eins zu mehreren Millionen. Dass jemand für zwei Patienten als Spender in Frage kommt, ist ein absoluter Ausnahmefall. Für Nicole Brüssow stand sofort fest: "Ich werde wieder helfen."

Fünf Tage nicht zur Schule

Für den Stammzellenaustausch musste die Lehrerin fünf Tage auf den Schuldienst verzichten. "Zunächst hat man mich noch einmal gründlich untersucht. Jedes Risiko für den Spender wird ausgeschlossen", sagt die 45-Jährige. Dann erhielt sie Spritzen mit körpereigenen Botenstoffen zu Anreicherung der Stammzellen, die dann aus ihrem Blut herausgefiltert wurden. Dies ist inzwischen die gängigste Methode des Stammzellen-Sammelns, noch vor der Knochenmarkentnahme.

Der Vorteil: Ein Eingriff ist nicht nötig. Und der Spender hat während der Behandlung maximal Kopf- und Gliederschmerzen. "Ich würde aber, um zu helfen, auch ein drittes Mal spenden", sagt die Diplom-Ingenieurin der Elektro-Technik, die 2006 in den Schuldienst wechselte.

Ur-Ur-Ahnen waren Seefahrer

Allerdings ist die Chance auf einen dritten Treffer mehr als unwahrscheinlich. Dass es bei ihr zwei Mal passierte, könnte an ihren Vorfahren liegen, sagt Nicole Brüssow mit einem breiten Grinsen. "Meine Ur-Ur-Ahnen sind alle zur See gefahren. Wahrscheinlich haben sie in vielen Häfen Nachfahren hinterlassen."

In Deutschland gibt es 5,8 Millionen registrierte Spender (Stand Januar 2015). Für weit über 80 Prozent der Patienten kann inzwischen ein Spender gefunden werden. Es gibt 30 Spenderdateien. in Deutschland, die in ein Zentralregister einfließen. Bei schweren Bluterkrankungen wie beispielsweise Leukämie rettet die Stammzellen-Transplantation Leben. Infos zum Spenden erhalten Sie hier und hier.