Kirchenasyl für Flüchtlingsfamilie in Dortmund ist beendet

Für eine fünfköpfige Familie aus Pakistan keimt neue Hoffnung auf einen Verbleib in Deutschland auf. Nach Ende ihres Kirchenasyls in Dortmund beginnt für sie ein neues Asylverfahren. Details über das Kirchenasyl hielt der Evangelische Kirchenkreis aus Sorge vor rechtsextremen Übergriffen geheim - bis jetzt.

Lütgendortmund.. Grund für das Schweigen waren Drohungen der Rechtsextremisten, nachdem Anfang Mai bekannt geworden war, dass zum ersten mal seit langer Zeit in Dortmund Kirchenasyl gewährt worden war. Inzwischen ist das Kirchenasyl beendet. Die Familie hat bereits wieder eine neue Bleibe in einer Dortmunder Flüchtlingsunterkunft bezogen.

Das Asyl gewährt hatte der Familie, die zwei Kinder im Kindergartenalter und eines im Grundschulalter hat, die Christus-Kirchengemeinde. Zuvor hatte ein benachbartes EU-Land den Asylantrag der Familie abgelehnt, da aus Sicht der dortigen Behörde keine ausreichenden Gründe für ein politisches Asyl vorlagen.

Konkrete Verfolgungssituation

Allerdings hätte aus Sicht der Gemeinde und des Kirchenkreises trotzdem bei einer Rückkehr nach Pakistan eine konkrete Verfolgungssituation vorgelegen. Auch wollte die Gemeinde verhindern, dass die Familie in das EU-Land zurück musste, das sie als erstes aufgenommen hatte.

Denn dort hatte die Familie bereits nach dem ersten ablehnenden Bescheid mit einem Säugling mehrere Wochen auf der Straße leben müssen und wurde auch noch ausgeraubt. Deshalb hat nach Meinung der Gemeinde ein besonderer Härtefall vorgelegen. Mit der Konsequenz, Kirchenasyl zu gewähren.

"Wir sind sehr dankbar"

Gemeindepfarrer Michael Mertins, Vorsitzender des Presbyteriums und Koordinator der Gemeinde für die Begleitung des Kirchenasyls sagt: "Wir sind sehr dankbar, wie sich die Unterstützer des Asyls, Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde, engagiert haben. Die Familie selbst ist sehr froh, dass sich diese Menschen um sie gekümmert haben." Pfarrer Mertins kündigte an, dass die Gemeinde die Familie auch weiter begleiten will. Außerdem soll es eine Dankesfeier für die Unterstützer geben.

Ulf Schlüter, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, bedankte sich bei der Gemeinde für ihr besonderes Engagement: "Es war für die Unterstützer vor Ort nicht einfach, das erste Kirchenasyl in Dortmund nach so langer Zeit zu organisieren. Und angesichts der Bedrohungen bedeutete das für die Menschen in der Kirchengemeinde auch persönlich große Belastungen."

Gemeinde und Kirchenkreis hatten nach der Gewährung des Asyls ein Dossier erstellt, das über die Landeskirche an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weitergegeben wurde. Das hat daraufhin beschlossen, die Zuständigkeit für die Flüchtlinge freiwillig zu übernehmen (sog. Selbsteintritt nach Dublin III) und ein Asylverfahren nach deutschem Recht durchzuführen.