"Je suis Charlie"-Flashmob an der Realschule

Hunderte Schüler, 80 Plakate, über 30 Sprachen, eine Parole: Ich bin Charlie. Mit einem Flashmob auf ihrem Schulhof setzten die Droste-Hülshoff-Realschüler ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit den Terror-Opfern von Paris und für Toleranz und Meinungsfreiheit. Wir waren vor Ort.

Kirchlinde.. "Den Schülern war diese Demonstration ein echtes Bedürfnis", berichtet Lehrerin Elke Gagon (Foto) von der AG Gegen Rassismus über den Eifer vieler Klassen von der Stufe 5 bis zur Stufe 10 bei der Vorbereitung des Flashmobs.Um zehn Uhr morgens waren gestern die Rollläden der Droste-Hülshoff-Realschule noch unten. Alles deutete auf einen Feiertag hin.

Um 10.30 Uhr zogen alle Klassen die Rollläden hoch und legten die Plakate frei, die sie in der Woche gebastelt hatten. In jedem Fenster stand "Ich bin Charlie", in allen Sprachen der in der Schülerschaft vertretenen Nationalitäten. Keimzelle dieser Aktion waren die AG Gegen Rassismus und die Schülervertretung (SV).

Ausgrenzung stößt auf Widerstand

Vor zehn Jahren wurde die Arbeitsgemeinschaft gegründet, und die Aktivitäten und Aufklärungsaktionen gegen Neo-Nazismus tragen Früchte: "Die Schüler reagieren mittlerweile sehr sensibel auf Angriffe auf die Meinungsfreiheit", sagt Lehrer Heinz Höhne. Jede Form von Ausgrenzung stößt bei den Jugendlichen auf Widerstand.

Schülervertreterin Hannah Stüven nennt einen weiteren Grund für die schockierende Wirkung des Terroranschlages: "Es ist so nah, an einem ganz normalen Ort, zu einer ganz normalen Zeit. Wenn es in Paris passieren kann, dann auch in Dortmund."

"Gewalt ist Schwäche"

In ihrem Kampf gegen Rechts haben die Schüler eine wichtige Lektion gelernt, sagt SV-Schüler Ferhat Elmaci: "Es gibt kein Problem, das man mit Gewalt lösen kann. Wer mit Terror auf freie Meinung reagiert, zeigt Schwäche."Dabei zeigt sich die weltweite Diskussion im Großen auch in der Kirchlinder Realschule im Kleinen. Denn die Schülerschaft nahm nicht geschlossen an dem Flashmob teil.

Einige muslimische Schüler blieben der Aktion fern. Laut Elke Gagon äußerten diese Schüler ihre Unsicherheit, ob diese Demonstration nicht eine Beleidigung des Propheten Mohammed sei.Für Elke Gagon ist das ein Anreiz, sich noch mehr zu engagieren: "Es muss uns gelingen, alle davon zu überzeugen, dass Solidarität mit ermordeten Karikaturisten, die den Propheten gezeichnet haben, keine Beleidigung religiöser Gefühle ist, sondern eine Demonstration für Meinungsfreiheit."

Nur wo es echte Meinungsfreiheit gebe, hätte man zum Beispiel die Möglichkeit, die Teilnahme an einer Schulaktion zu verweigern.