Immer ein offenes Ohr für Teenager
28.12.2009 | 18:25 Uhr 2009-12-28T18:25:00+0100Mengede. Einen Arbeitsvermittler der ganz besonderen Art hatte Jürgen Balitzki. Als im „Haus der offenen Tür” (HoT) in Mengede ein haustechnischer Mitarbeiter gesucht wurde, machte ihn seine Großmutter auf den Job aufmerksam.
„Es gab neun Bewerber und ich bin es geworden”, sagt der 56-Jährige rückblickend. Das war vor fast genau 30 Jahren, am 1. Januar 2010 feiert Jürgen Balitzki sein Dienstjubiläum.
Zunächst arbeitete der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann vor allem als Hausmeister. Hier eine Reparatur, dort ein Regal aufbauen oder einen Raum herrichten – was eben so anfiel. „Heute macht die Verwaltung 70 Prozent aus.” Den Etat im Auge behalten, Veranstaltungen organisieren und dabei immer ein offenes Ohr für die Kinder und Jugendliche haben – ein Fulltime-Job mit viel Rennerei. „Ich hatte mal einen Schrittzähler. Da kamen neun Kilometer am Tag zusammen.”
Dass sich die traditionellen Familien verändern, bekommt Balitzki hautnah mit. „In letzter Zeit haben viele Zuhause keinen Ansprechpartner mehr.” Ehen werden geschieden, Vater und Mutter sind beide berufstätig, die gemeinsame Zeit wird knapper. „Es ist eine schöne Sache dann zu helfen.” Und zum Glück werde Balitzki nicht als alter Mann oder Opa angesehen, sondern eher „als eine Art Vaterfigur”.
Jürgen Balitzki hört zu bei allen kleinen und großen Problemen. Die ersten Schmetterlinge im Bauch, Liebeskummer, Probleme in der Schule oder am Ausbildungsplatz – das Spektrum ist breit gestreut. „Die vergangenen 30 Jahre waren spannend, abwechslungsreich, lehrsam und anstrengend. Ich weiß gar nicht, wo sie geblieben sind.” Und auch für den Umgang mit den eigenen drei Kindern habe die Arbeit viel gebracht. „Man ist mehr im Film drin, muss die Sprache der Jugendlichen sprechen.” Und der 56-Jährige, der sich selbst als „hibbelig” beschreibt, ist im Laufe der Jahre immer ruhiger geworden.
Dennoch gibt es etwas, was ihn noch immer aufgregt. „Kinder haben keine Lobby.” Das sei traurig und regelmäßig sichtbar, wenn wieder einmal Gelder gekürzt werden. Große Veranstaltungen wie das Seifenkistenrennen, das bis zu 70 ehrenamtliche Helfer 15 Jahre lang schulterten, seien nicht mehr möglich. Aber: „Man weiß, wofür man das macht. Gäbe es das HoT nicht mehr, hätten die Kinder nichts mehr.”
Trotz allem Ärger über leere Kassen und städtische Haushaltslöcher denkt Jürgen Balitzki noch lange nicht ans Aufhören. „Ich mache die restlichen neun Jahre weiter – wenn ich darf.”
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