Illegale Schuttdeponie muss abgetragen werden

Auf einem Firmengelände in Dortmund Dorstfeld Am Brümmer wurden illegal abgeladene Materialien entdeckt.
Auf einem Firmengelände in Dortmund Dorstfeld Am Brümmer wurden illegal abgeladene Materialien entdeckt.
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Die Stadt Dortmund hat nach dem Fall Envio ihren nächsten Umweltskandal: Auf der Halde der ehemaligen Zeche Dorstfeld I/IV am Rand der westlichen Innenstadt liegen mehrere Zehntausend Tonnen illegal abgekippter Bauschutt und Bodenaushub.

Dorstfeld.. Die Stadt Dortmund hat nach dem Fall Envio ihren nächsten Umweltskandal: Auf der Halde der ehemaligen Zeche Dorstfeld I/IV am Rand der westlichen Innenstadt liegen mehrere Zehntausend Tonnen illegal abgekippter Bauschutt und Bodenaushub. Das bestätigte gestern die Bezirksregierung Arnsberg auf Nachfrage unserer Zeitung. Anders als beim Recyclingunternehmen Envio, bei dem es um die Belastung von Menschen und Umwelt mit dem giftigen und krebsauslösenden Stoff PCB geht, gehe allerdings von den Schuttbergen in Dorstfeld keine unmittelbare Gefahr aus, so die Behörde.

„Es gibt bislang keine Hinweise auf gefährliche Inhaltsstoffe“, erklärte gestern Joachim Schmied, Hauptdezernent für Abfallwirtschaft bei der Arnsberger Bezirksregierung, zu dem ohne Genehmigung aufgeschütteten Bauabfall. Allerdings seien erneute „Probebohrungen bis auf 16 Meter Tiefe“ vorgesehen.

Mehr als 30.000 Tonnen

Bereits seit dem Jahr 2009 türmt sich der Schutt, auf mehrere Hügel verteilt, auf dem Gelände auf. Schmied schätzt die Menge des Stein-, Erd- und Metallabfalls auf „wahrscheinlich mehr als 30.000 Tonnen“. Eine Einmessung der Fläche soll dazu genauere Angaben liefern.

Inzwischen ist, im wahrsten Wortsinn, Gras über die Sache gewachsen. Kleine Büsche, junge Bäume und krautartige Gewächse überziehen die Schuttkegel, die sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dorstfeld IV auftürmen. Die Natur hat das erobert, was dort überhaupt nicht liegen dürfte: Tausende Tonnen illegal abgekippter Bodenaushub und Bauschutt. Davon geht zwar, soweit die Behörden bislang wissen, keine Gefahr für Menschen aus. Aber es ist und bleibt eine illegale Bauschuttdeponie. Die Bezirksregierung drängt daher auf die Beseitigung des Abfalls.

Betonbrocken, aus denen rostige Armierungseisen ragen

2009 ist der nicht genehmigte Schuttberg bereits festgestellt worden: Bis zu einem Meter lange Betonbrocken, aus denen die Armierungseisen rostig herausragen, verschiedenste Arten Bodenaushub, dazwischen vereinzelt Metallschrott. „Seit der Feststellung gilt ein Abladestopp und die Anordnung, das Material wieder abzufahren“, berichtete Joachim Schmied, Leiter des Hauptdezernats Abfallwirtschaft bei der Bezirksregierung Arnsberg.

Allein: Der Verursacher, die Firma BBV von Klaus G. ist erst zahlungsunfähig geworden und mittlerweile liquidiert. Dennoch hat sich Klaus G. bei einem Ortstermin Zeit erbeten: Er will die Schuttberge beseitigen und wohl mit einer anderen Firma Teile des Materials noch verwerten. „Die Frist läuft am 5. Oktober aus“, bestätigte Joachim Schmied gestern; ob Aussicht auf Erfolg besteht, mochte Schmied nicht kommentieren. Nur soviel: G. müsse die Schuttkegel und -hügel bis auf eine Höhe von 84 Meter über NN abtragen; das ist das alte Geländeniveau des ehemaligen Zechengrundstücks bevor die illegale Aufschüttung begann.

Stadt Dortmund verweist auf die Bezirksregierung

Eine Genehmigung habe für die (Zwischen-)Lagerung von 3000 Tonnen Schutt bestanden. BBV soll aber deutlich mehr Bauabfall aufgeschüttet haben; Joachim Schmied geht von mehreren Zehntausend Tonnen aus. Die genaue Menge: noch ungewiss. Eine Einmessung soll genauere Daten liefern. Danach bemisst sich auch ein mögliches Bußgeld gegen den Verursacher; Experten zufolge könne die Strafe einen hohen fünfstelligen Betrag ausmachen. Ein Bußgeldverfahren bestätigte gestern die Bezirksregierung.

Ein Ermittlungsverfahren seitens der Staatsanwaltschaft sei eingestellt worden, hieß es gestern aus der Aufsichtsbehörde in Arnsberg.

Hoffnungen auf die Eigentümer

Die Behörde selbst setzt ihre Hoffnungen offenbar auf die Eigentümer der Fläche, eine Grundstücksgesellschaft mit Sitz in Eschborn. Die sei „willens und auch finanziell in der Lage“, die Schuttberge abbaggern und abfahren zu lassen. Bereits im Jahr 2009 soll die Bezirksregierung die Kosten für eine Beseitigung auf rund eine halbe Millionen Euro taxiert haben. Auf eine solche Summe mochte sich Hauptdezernent Schmied gestern nicht allerdings festlegen.

Die Stadt Dortmund hielt sich gestern mit einer Stellungnahme, trotz Nachfrage der Stadtteilzeitung, zurück. Stadtsprecherin Anke Widow verwies auf die Bezirksregierung in Arnsberg. Die Behörde habe seinerzeit nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz die Bauschuttlagerung von 3000 Tonnen genehmigt und sei jetzt auch für das Beseitigungsverfahren zuständig.