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Heinz-Hubert Voss

Heinz-Hubert macht Dampf

01.06.2012 | 16:02 Uhr

Dortmund.   72-jähriger Sportler sorgt für einen gelungenen Saunabesuch in Wischlingen – mit Handtuch und freundlichen Worten. Für den Rentner ist Sport sehr wichtig – aber nur in der Natur, auf keinen Fall in einer verschwitzten „Muckibude“. Dabei ist sein Saunajob auch ein bisschen Training.

Heinz-Hubert Voss entschuldigt sich. „Wir hatten Sauna-Alarm“, meint der Mann in Badehose und Laufschuhen. Und sofort zückt er einen Schlüsselbund, schließt den Salzstollen im Revierpark Wischlingen auf. „Immer rein in die gute Stube“, sagt Voss und verschwindet kurz. Mit Eimer, Kelle und – natürlich – einem großen Handtuch kommt er zurück. Los geht’s, der Aufguss kann beginnen.

„Wir machen zwei Durchgänge. Aber nicht so heiß, wenn ihr nicht mehr könnt, brecht einfach ab.“ Noch ahnen die meisten der zehn Aufguss-Gäste nicht, was sie erwartet und wer da eigentlich vor ihnen steht.

Heinz-Hubert Voss geht zur Tür, wedelt frische Luft herein. „Zum Start“, sagt er. Dann beginnt der erste Durchgang, schnell zischt es auf dem Ofen des Salzstollens. Hubert geht wieder zur Tür, dort stützt er sich auf dem linken Knie ab.

Sport nur in der Natur

Ein dumpfer Hall, das Handtuch durchschneidet die Luft. Anschließend baut er sich vor jedem Saunierer auf, lässt das ausgebreitete Handtuch hinter seinem Rücken in Richtung Gesichter schnellen. Ein sehr warmer Hauch, wie aus einem Föhn, leichte Gänsehaut – wunderbar.

Schließlich fragt einer: „Sie joggen doch bestimmt, oder?“. Voss antwortet, ohne seine Bewegungen zu bremsen. „Ja, und ich fahre Mountainbike und schwimme.“ „Wie viele Kilometer?“ „3000 Meter, 5000 Meter und beim Wettkampf in der Ostsee 7,5 Seemeilen.“ Das entspricht 10 000 Metern, Voss liebt die langen Strecken im Wasser. „Ich kann nur auf Leistung“, sagt er fast entschuldigend. Die Gäste staunen, dann wagt jemand zu fragen: „Wie alt sind Sie denn?“ „72.“ Die hätte dem durchtrainierten Heinz-Hubert nun wirklich keiner gegeben. „Ich habe aber auch 46 Jahre geschraubt, 30 Jahre bei Mercedes-Benz, an Lkw“, erzählt Voss, seine Stimme klingt leicht nachdenklich. Und da habe es eine Betriebssportgruppe gegeben. So fing das alles an für den 72-Jährigen, der mit 14 Jahren seine Lehre als Elektromaschinenwickler begann.

Während der Sauna-Mann erneut einen Rundgang mit Handtuch startet, sinniert ein ebenfalls nicht unmuskulöser Mann: „Tja, Sport ist wichtig.“ „Aber immer mit der Natur, nicht in der Muckibude. Da ist die Luft voller Schweiß.“ Überflüssig zu erwähnen, dass Heinz-Huberts Mountainbike fast nie Straßenbelag sieht, Waldwege umso öfter.

Pause. Der Sauna-Mann bitte seine – sagen wir mal – leicht krebsroten Gäste nach draußen. Einreiben mit Salz, dann geht es weiter. Doch auch dem erfahrenen 72-Jährigen sieht man beim nächsten Durchgang an, dass ein Aufguss anstrengend ist. „Ein Gläschen Sekt für die Dame?“, fragt er verschmitzt lächelnd eine Frau, die auf der untersten Sitzbank Platz genommen hat.

Voss kniet jetzt und streckt die Hände Richtung Boden aus. Die kühlste Stelle im Raum, denn „langsam werden die Finger warm“. Doch er zieht sein Programm durch, nach rund 20 Minuten bei etwa 90 Grad Celsius ist Schluss. Zehn Saunagänger applaudieren – keiner hat abgebrochen –, freuen sich aber auch schon auf die Abkühlung.

Für Heinz-Hubert ist der Tag jetzt, um 20.20 Uhr, noch nicht zu Ende. Immer wieder sieht man ihn in Badehose und Laufschuhen etwa Wasserproben nehmen. Warum er sich das mit 72 noch antut? „Ich mache das alles für mich. Aufgüsse sind auch Training.“ Übrigens: Bei dem Sauna-Alarm hat jemand auf den roten Notknopf gedrückt, weil der Kreislauf streikte.

Unterhalter mit Handtuch

Und so etwas komme öfter vor, als man denkt. „Das liegt zu 90 Prozent daran, dass die Leute nichts getrunken haben. Viele sind nicht trainiert, legen sich trotzdem ganz nach oben.“

Voss schüttelt den Kopf. Sein Credo lautet: „Ich gucke mir die Leute vorher an, mache den Aufguss nicht so heiß. Jeder soll sich bis zum Schluss wohlfühlen.“ Und dazu gehört eben auch ein guter Unterhalter am Handtuch.

Wolfgang Maas



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