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Papenhofskamp

Hausbesitzer soll weiße Klinker-Fassade wieder abreißen

20.06.2012 | 18:33 Uhr
Hausbesitzer soll weiße Klinker-Fassade wieder abreißen
Franc Djulabic hat Ärger mit der Stadt und soll seine Hausfassaden verändern. Foto: Klaus Pollkläsener.

Mengede.   Franc Djulabic aus Mengede ist sauer: Sein Einfamilienhaus am Papenhofskamp ist mit weißem Klinker verblendet — aber die Fassade soll wieder ab. Der Bebauungsplan sieht nur roten Klinker vor. Seit fast zehn Jahren liegt der Bauherr jetzt schon mit dem Bauordnungsamt im Clinch.

Die Eheleute Djulabic aus dem Papenhofskamp in Mengede sind auf die Stadt nicht gut zu sprechen. Für sie unterscheidet sich ihr schmuckes Eigenheim in der Mengeder Heide nicht von den Häusern in der unmittelbaren Nachbarschaft. Und dennoch sollen sie es zum Teil wieder abreißen.

Die Geschichte: Ende der 90er Jahre reift in Franc Djulabic die Idee, in der Mengeder Heide ein Einfamilienhaus zu bauen. Der Bauantrag wird gestellt, die Planung genehmigt. Wichtig für das Ehepaar: Die Fassade des Hauses muss den Anforderungen des Bebauungsplans entsprechen. Will heißen: Als Farben sind bei Klinkern rot-orange, rot-braun oder dunkelrot zu verwenden. Bei Putz: weiß oder Farben in Pastell. Die Eheleute Djulabic aber favorisieren einen Quarzverblender in Weiß.

Jahrelanger Streit

Im Sommer 2003 steht die Rohbau-Abnahme an. Zu diesem Zeitpunkt ist die Fassade bereits zu sehen. Die Abnahme verläuft im Sinne des Ehepaares. „Bauordnungsrechtliche Mängel“, sagte der 45-Jährige der WR, „wurden damals nicht festgestellt. Auch Forderungen blieben aus.“ Ein Jahr später meldet sich das Bauordnungsamt. Die Rohbau-Abnahme, sagt der mit dem Fall inzwischen betraute Architekt Manfred Andexer, wurde plötzlich zurückgezogen und Mängel am Haus Papenhofskamp 21 angezeigt. Andexer: „Die Fassade entspricht nach Auffassung des Bauordnungsamtes nicht dem Bebauungsplan. Die Fassade besteht aus Klinkern, ist aber weiß.“

Die Stadt fordert die Eheleute auf, die Fassade zu ändern. Im Klartext: die bestehende Fassade abzureißen, eine neue zu bauen oder diese unter Putz verschwinden zu lassen. Über diese Forderung der Stadt kann Sachverständiger Manfred Andexer nur den Kopf schütteln: „Eine qualitativ hochwertige Fassade soll einem minderwertigen Putz weichen. Das löst bei mir größtes Unverständnis aus.“

Die Eheleute Djulabic ignorieren die Anordnungen der Stadt. Es folgen Ordnungsverfügungen, gutachterliche Beurteilungen, Gerichtsverfahren und Zwangsgelder. Franc Djulabic spricht in diesem Zusammenhang von einer „inzwischen fünfstelligen Summe“. Was den Monteur in leitender Position darüber hinaus mächtig ärgert: „Viele Häuser in unserem Neubaugebiet weichen von dem eigentlichen Bebauungsplan ab.“ Manfred Andexer hofft derweil noch auf eine „einvernehmliche Lösung mit der Stadt“. Der 63-Jährige Diplom-Ingenieur: „Man kann einen B-Plan auch ändern.“

Danach sieht es gegenwärtig aber nicht aus. Die Stadt sieht in dem Vorgehen der Eheleute Djulabic einen Rechtsverstoß, der nicht zu billigen sei. Stadtpressesprecher Thomas Kampmann: „Der Bebauungsplan Mg 153 enthält gestalterische Festsetzungen. Im vorliegenden Fall sind unter anderem die Farbe der Dachziegel und die Fassadenausbildung festgesetzt. Zulässig sind nur Putzfassaden und rote Klinker, nicht aber weiße.“

Der „Fall Djulabic“ beschäftigte auch schon Justitia. Ergebnis: An der sachlichen und rechtlichen Korrektheit der städtischen Forderung, betont Kampmann, habe kein Gericht jemals Zweifel gehabt. Und: „Weitere, vergleichbare Berufungsfälle in der Mengeder Heide haben“, so der Sprecher der Stadt, „weder das Gericht noch die Bauaufsicht festgestellt.“

Norbert Jacobs

Kommentare
02.08.2012
16:16
Hausbesitzer soll weiße Klinker-Fassade wieder abreißen
von weisseklinker | #44

Was hier zur Zeit passiert geht auf keine "Kuhhaut".
Herr D. wußte genau auf was er sich einläßt. In den Medien wird dem
"Amtschimmel" jetzt der...
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2012-06-20 18:33
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