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Alfred Schüer

Glücksbringer kehrt Dortmund den Rücken

30.12.2012 | 16:35 Uhr
Glücksbringer kehrt Dortmund den Rücken
Bezirksschornsteinfeger Alfred Schüer geht nach 47 Jahren in den Ruhestand.Foto: Jörg Schimmel

Bövinghausen. Schon im Kindesalter, so mit acht, neun Jahren, hat er es geliebt, sich schmutzig zu machen. Das kleine Herz schlug ihm fast bis zum Hals, wenn der „Mann in Schwarz“ auf dem Dach der elterlichen Wohnung seinem Job nachging. „Ich war begeistert, ja fasziniert von diesem Beruf“. Daher reifte in ihm schon als Teenager der Gedanke: „Ich werde Schornsteinfeger“. Heute, an Silvester, ist offiziell sein letzter Arbeitstag. Heute ist er 47 Jahre dabei. Ein Abschied, der geplant war. Ein Abschied, der aber auch wehtut.

Abschied mit Wehmut

Rückblick: Alfred Schüer wächst in Wanne-Eickel auf. Nach seiner Gesellenzeit legt er Anfang der 1970er Jahre seine Meisterprüfung zum Schornsteinfeger ab. 16 Jahre später – exakt am 1. Januar 1988 – ist der zweifache Familienvater am Ziel. Schüer erhält den Kehrbezirk „Dortmund 29“. Und ist somit zuständig für Lütgendortmund, die Germania-Siedlung in Marten, Kley und Somborn. „Meine vielen Kunden sind mir in all der Zeit meines beruflichen Schaffens sehr ans Herzen gewachsen. Ich möchte mich heute für ihre Treue bedanken und vermisse sie jetzt schon“, klingt Wehmut in seinen Worten.

Aber auch nur einen kleinen Augenblick lang. Dann hat er sich wieder gefasst und erzählt von den vielen heiteren Begebenheiten, die sich in fast 50 Jahren Schornsteinfeger-Leben zugetragen haben. „Wir Schornsteinfeger“, weiß der Senior, „gelten bei den Menschen seit jeher als Glücksbringer. Ich bin oft von netten Damen angesprochen worden, ob sie denn meine goldenen Knöpfe anfassen dürften. Ich habe nie nein gesagt.“ Eine Geschichte, die er bis heute nicht vergessen hat: „Eine Frau, ziemlich aufgeregt, kam auf mich zu und erzählte, sie müsse gleich eine wichtige Bewerbung für einen neuen Job schreiben. Daher sei es für sie wichtig, mich anfassen zu dürfen. Zudem musste ich versprechen, ihr ganz fest die Daumen zu drücken.“ Schüer erfüllte beide Wünsche. Einen Tag später traf er sie zufällig wieder und sah in ihre triumphierenden Augen. „Da wusste ich, sie hat den Job. Ich habe ihr Glück gebracht.“

Hing der Haussegen manchmal nicht ein wenig schief, wenn der Gatte bei den Damen den Glücksboten spielen musste? Ehefrau Edeltraut schüttelt unmissverständlich den Kopf. „Damit hatte ich nie Probleme. Im Gegenteil. Ich war sogar noch stolz darauf.“ Stolz ist sie im Übrigen auch auf ihr kleines Häuschen im nordfriesischen Friedrichskoog. Vor knapp 20 Jahren haben sie das Gebäude erworben. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagen beide übereinstimmend. Im kommenden März geht es dann mit Sack und Pack für immer dorthin. „Wir sind in unserem kleinen Ort bekannt. Die Menschen haben uns schon lange in ihrer Mitte aufgenommen. Wir freuen uns auf unseren Lebensabend an der Nordsee.“

Für den beliebten Bezirksschornsteinfegermeister Alfred Schüer schließt sich dann auch ein Kreis. „Ich bin zwar in Wanne-Eickel aufgewachsen. In Ostfriesland aber geboren. Und ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen, wenn die Bewohner sagen: Schau mal, unser Bürgermeister aus Dortmund ist wieder da.“

Im Frühjahr erfolgt der Umzug

Bis zum Umzug im Frühjahr steht den Schüers indes noch eine spannende Zeit bevor. Damit ist nicht so sehr der Umzugsstress mit all seinen Behördengängen gemeint. Vater Alfred hat nämlich einen großen Wunsch. Sohn Pascal (35) ist ebenfalls Schornsteinfegermeister geworden. Alfred Schüer: „Mein Junge ist bei mir seit 12 Jahren als Mitarbeiter tätig. Es wäre großartig, würde er meinen Kehrbezirk übernehmen. Aber über seine Bewerbung entscheiden andere.“

Hinzu hat sich Nachwuchs angekündigt. Sohn Pascal wird Anfang nächsten Jahres Vater. Edeltraut Schüer kann ihr Glück kaum fassen, endlich Oma zu werden. „Schade nur, dass ich meinen Enkel dann nicht so oft sehe, wie ich es gern möchte“, bedauert sie. Ehemann Alfred will aber keinen Schwermut aufkommen lassen. „Von Dortmund bis zu unserem Altersruhesitz Friedrichskoog sind es fünf Stunden mit dem Auto. Oder 452 Kilometer.“

Norbert Jacobs


Kommentare
31.12.2012
14:11
Glücksbringer kehrt Dortmund den Rücken
von Tommi70 | #1

Er bedankt sich für die Treue seiner Kunden. Ha ha. Ist ja nicht so, dass man sich seinen Schornsteinfeger aussuchen dürfte.

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