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Schmierereien

Neonazi wollte Selfie mit Dortmunds Oberbürgermeister machen

26.03.2016 | 12:01 Uhr
An Ampeln, Laternen, auf Stromkästen und an Mauern kleben immer wieder Aufkleber mit Nazi-Sprüchen. Mitarbeiter des Tiefbauamtes und einer Stadtteilwerkstatt sind nahezug täglich im Einsatz, um das Propagadamaterial zu entfernen.Foto: Peter Bandermann

Dorstfeld.  Teams der Stadt Dortmund befreiten den Stadtteil Dorstfeld stundenlang von Nazi-Propaganda – beobachtet von Neonazis. Einer war besonders dreist.

Nahezu täglich fahren Mitarbeiter des Tiefbauamtes, Teams einer vom Sozialamt betreuten Stadtteilwerkstatt und private Firmen nach Dortmund-Dorstfeld, um Nazi-Propaganda von Laternen und Fassaden zu entfernen. Unübersehbar hinterlassen Rechtsextremisten an Fassaden, Stromkästen und Masten ihre Spuren.

Amtsgericht
Haftstrafe für Neonazi Grebe nach

Daniel Grebe, Rechtsextremer und Mitglied der Bezirksvertretung Dortmund-Scharnhorst, ist zu 22 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Aufkleber und Farbschmierereien sollen den Stadtteil als "Nazi-Kiez" brandmarken. Emsig sorgen Rechtsextremisten dafür, dass von Propaganda befreite Flächen schnell wieder beklebt oder beschmiert werden. "Sie bedrohen uns und bedrängen uns", sagt ein Mitarbeiter der Stadt Dortmund über die Arbeitsatmosphäre auf dem Wilhelmplatz.

Wie selbstbewusst die Rechtsextremisten in Dortmund auftreten, zeigte sich am Donnerstag. Das Tiefbaumt und die Dorstfelder Stadtteilwerkstatt waren im Einsatz. Auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) war mit der Greifzange unterwegs. Rechtsextremisten nahmen ihn in den Fokus, sie bedrängten und fotografierten ihn. Neonazi Michael Brück wollte begleitet vom Gelächter auch seiner mehrfach vorbestraften Kameraden ein Selfie mit dem Oberbürgermeister aufnehmen.

Von der Polizei beschützt

Die Teams unterbrachen für einen kurzen Moment die Arbeit. Die Gruppe von Rechtsextremisten hatte sich für einige Minuten in den Mittelpunkt gestellt und eher peinlich inszenieren können. Polizisten beobachteten die Szenerie. Das Ordnungsamt und mehrere Streifenwagen der Polizei waren im Einsatz, um den Frühjahrsputz zu beschützen.

Frühjahrsputz gegen Nazi-Propaganda

Auch in der Emscherstraße. "Bullen jagen" stand dort bis Donnerstagmittag in drei Metern Höhe auf einer Fassade. Der Hauseigentümer wollte die Schmiererei entfernen. Allerdings hatte der Besitzer einer Garagenanlage dem Hauseigentümer untersagt, dafür das Garagendach zu betreten. Kein Wunder. Der Garagenbesitzer vermietet Wohnungen an Neonazis. Rechtsextreme Schmierereien an anderen Immobilien kümmern ihn nicht.

Tiefbauamt gegen Nazi-Propaganda

Die Idee für den Frühjahrsputz hatte das Tiefbauamt der Stadt Dortmund. "Wir sind regelmäßig hier unterwegs, denn immer wieder weisen Bürger und auf die Nazi-Propaganda hin. Deshalb fahren wir auch für nur einen Aufkleber raus", sagte ein Sprecher des Tiefbauamtes. Mit der Greifzange unterwegs war auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau. "Wenn ich hier unterwegs bin, ist das eine symbolische und solidarische Aktion und auch ein Dankeschön an die Teams, die hier ständig für die Bürger im Einsatz sind. Wer hier arbeitet, ist den Nazis ausgesetzt. Das sind keine guten Bedingungen."

Sierau rechnet damit, dass schon bald neue Aufkleber mit Nazi-Propaganda zu sehen sind - "und wir gehen wieder hinterher."

Protest gegen Neonazis in der Nordstadt

 

Peter Bandermann

Kommentare
29.03.2016
07:28
#4 *****n jagen
von bolol | #5

ist nicht das Motto ordnungsliebender freundlicher Bürger.

Wann schreitet denn da mal die AFD ein ?

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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/nord-west/fruehjahrsputz-gegen-nazi-propaganda-id11680449.html
2016-03-26 12:01
Nord-West