Freifrau Erika und Dominikaner-Mönch Detlef im Interview

Es ist vielmehr als nur ein Verkleidungsspaß: Denn Freifrau Erika Wiedemann-Huß und Dominikaner-Mönch Detlef Huß sind Gründer und Macher des Mengeder Mittelalterlich Gaudiums. Eine Aufgabe, die viel Spaß macht und gleichzeitig viel Arbeit bedeutet. Im Interview erzählen sie über ihr aufregendes Ehrenamt.

Mengede.. Wie wird man eigentlich Dominikaner-Mönch und Freifrau?

Detlef Huß: Bei der Premiere 2008 musste alles ganz schnell gehen. Dass ich ein Dominikaner-Mönch wurde, war eher Zufall. Auf keinen Fall wollte ich allerdings ein Ritter werden.

Erika Wiedemann-Huß: Ich habe mich danach für die Freifrau entschieden. Niemandem zum Gehorsam verpflichtet sein. Das passt doch, denn die Frau eines Mönchs konnte ich ja nicht werden.

Wie viele Gewandungen haben Sie?

Detlef Huß: Ich bin ja bettelarm und laufe meistens barfuß, manchmal auch in einfachen Lederlatschen, die aber schon ziemlich mitgenommen sind. Wählen kann ich zwischen meiner Arbeiterkluft und meiner Kutte. Sechs Wochen vorher lasse ich mir einen Bart wachsen.

Erika Wiedemann-Huß: Ich habe mittlerweile sieben lange Kleider, die ich während des Gaudiums auch alle trage.

Sind Sie an allen vier Tagen vor Ort?

Detlef Huß: Für mich geht es immer schon montags los, wenn die ersten Händler und Handwerker anreisen. Dann sehe ich eine Woche mein Zuhause nicht. Deshalb haben wir ein Sachsenzelt angeschafft, in dem ich wohnen und schlafen kann. Beim Aufbau des Zelts helfen mir Freunde der Mittelalter-Gemeinde. Wir sind eine herzliche und unkomplizierte Gemeinschaft, jeder hilft jedem.

Erika Wiedemann-Huß: Ich bin immer ab mittwochs vor Ort und versorge die Mittelalter-Gemeinde jeden Morgen mit 650 frischen Brötchen.

Anders als andere Veranstaltungen verlangen Sie keinen Eintritt ...

Erika Wiedemann-Huß: Ja, dafür haben wir von Anfang an gekämpft, damit auch alle, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, kommen können. Das ist für uns das wichtigste Anliegen. Schließlich haben wir in unserem Stadtbezirk zwei soziale Aktionsräume. Deshalb sind wir unseren Sponsoren sehr dankbar.

Sie stemmen das Mammutfest mit einer kleinen Mannschaft - das bedeutet viel Arbeit. Haben Sie schon mal ans Aufhören gedacht?

Detlef Huß: Ich glaube, dann würden wir gesteinigt. Das Fest ist mittlerweile so beliebt, dass wir in jedem Jahr Wartelisten haben. Am letzten Festtag gehen wir in der Regel mit 110 Anmeldungen nach Hause. In diesem Jahr erwarten wir 800 Menschen der Mittelalter-Gemeinde aus Deutschland, der Schweiz, Holland und Dänemark. 17 Versorger, 22 Händler, 33 Lager und acht Musikgruppen gehören dazu.

Erika Wiedemann-Huß: Mittlerweile hat sich die Teilnehmerzahl verdreifacht. Beim ersten Gaudium 2008 hatten wir noch so viel Platz im Park, dass wir eine schottische Olympiade mit Baumstammweitwurf veranstalten konnten.

Was sind Ihre persönlichen Highlights?

Erika Wiedemann-Huß: Wir freuen uns jedes Jahr darauf, der Mittelalter-Gemeinde ein Feuerwerk zu spendieren. Und darauf, die Menschen wiederzutreffen. Im Laufe der Zeit haben sich viele Freundschaften entwickelt. Toll ist natürlich auch das kulinarische Angebot von der vegetarischen Schlupfnudel bis zum Wildgericht.

Detlef Huß: Und wir freuen uns, jedes Jahr drei Bürger, die sich für das Gaudium in besonderer Weise einsetzen, ein T-Shirt mit Stern zu überreichen.

Können Sie sagen, wie viel Zeit Sie in Organisation und Planung des Gaudiums stecken?

Detlef Huß:Bis auf die Monate August und September sind wir im Grunde das ganze Jahr über mit der Vorbereitung und Nachbereitung des Gaudiums beschäftigt. Im Okober beispielsweise schreibt meine Frau die Verträge. Wir pflegen unsere Homepage, unseren Facebook-Auftritt und bekommen beinahe täglich E-Mails, die wir beantworten müssen.

Was gefällt Ihnen besonders am Mittelalter?

Detlef Huß: Das Miteinander und die pure Lebensfreude.

Erika Wiedemann-Huß: Die Naturverbundenheit der Menschen.

Das achte Mengeder Mittelalterliche Gaudium als Angebot des Stadtbezirksmarketings findet vom 4. bis 7. Juni im Volksgarten Mengede, Eckei 96, statt.
Die Öffnungszeiten sind: Donnerstag 12 bis 23 Uhr, Freitag 16 bis 23 Uhr, Samstag 12 bis 24 Uhr und Sonntag 11 bis 19 Uhr.

http://www.mengeder-gaudium.de