Flüchtlingsfamilie aus Pakistan wird abgeschoben

Seit einem halben Jahr besucht der achtjährige Agib Kashif die Freiligrath-Grundschule, hat sich eingelebt, ist ein guter Schüler. Doch werden er und seine Familie nächste Woche abgeschoben. Nach Belgien und dann nach Pakistan. Wir erklären die Hintergründe.

Bövinghausen.. Wie kam Familie Kashif nach Deutschland?

Im September 2011 war Ahmed Kashif mit seiner Frau und zwei Kindern aus Pakistan geflohen und in Belgien gelandet. Er stellte einen Asylantrag, der aber abgelehnt wurde. Kashif wollte die Abschiebung verhindern, und fuhr mit seiner Familie nach Deutschland. So kamen die Kashifs in die Erstaufnahmestelle im Grevendicks Feld in Dortmund.Dort ist am Donnerstag die Abschiebung eines jungen Mannes durch Blockaden verhindert worden.

Was passierte, als auch in Deutschland der Asylantrag abgelehnt wurde?

Kashif blieb nur der Versuch, nach Belgien zurückzureisen und und einen Folgeantrag zu stellen. Das ist möglich, wenn neue Gründe, neue Dokumente oder neue Beweise vorgelegt werden, die ein zweites Verfahren rechtfertigen. Kashif ergriff diese Möglichkeit und reiste mit seiner Familie zurück nach Belgien. Doch auch dieser Folgeantrag wurde abgelehnt.

Welche Folgen kann das haben?

Die Familienmitglieder verloren mit dieser zweiten Ablehnung in Belgien das Recht auf Unterstützung und ihre Bleibe. Sie lebten tagelang auf der Straße und reisten schließlich ein zweites Mal nach Deutschland, wo Ahmed Kashifs Frau ihr drittes Kind gebar. "Nicht alle Länder der EU betreuen abgewiesene Asylbewerber angemessen", sagt Antonia Kreul vom Flüchtlingsrat NRW. "Da kann es passieren, dass die Kashifs in Belgien nicht einmal eine Unterkunft haben."

Was sagt die Schule dazu?

"Der Gedanke an die Abschiebung ist fürchterlich", sagt Angela Büsse, Leiterin der Freiligrath-Grundschule."Wir können nicht das Asylverfahren bewerten. Aber wir glauben, dass das Wohl der Kinder in Gefahr ist, die gerade begonnen haben, sich hier einzuleben." Matthias Blaszczyk, Klassenlehrer von Agib, wünscht sich nichts mehr, sagt er, als dass die Rücküberstellung nach Belgien zumindest erst nach dem Winter erfolge.

Wann wird die Familie abgeschoben?

Das ist schon am nächsten Donnerstag der Fall. "Alle rechtlichen Mittel sind bereits ausgeschöpft", sagt Antonia Kreul. Zuerst muss die Familie zurück nach Belgien, dann nach Pakistan. Wie lange die Kashifs in Belgien - unter Umständen auf der Straße - bleiben müssen, ist unklar.