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Kokerei Hansa

Eine Bahnfahrt durch die Pott-Vergangenheit

12.11.2012 | 16:48 Uhr
Eine Bahnfahrt durch die Pott-Vergangenheit
Miniatur-Eisenbahnen faszinierten große und kleine Kinder in der Kokerei Hansa.Foto: Ralf Rottmann

Huckarde.   Bereits vor der Eingangstür der Kokerei Hansa hört man das mechanische Rattern und keuchende Tuten der Lok. Ein langer Güterzug fährt langsam durch die Landschaft aus Gras, kleinen Büschen und kahlen Bäumen.

Bereits vor der Eingangstür hört man das mechanische Rattern und keuchende Tuten der Lok. Ein langer Güterzug fährt langsam durch die Landschaft aus Gras, kleinen Büschen und kahlen Bäumen. Links und rechts der eisernen Schienen stehen alte Backsteinhäuser, verrottete Stahlgerüste und ausrangierte Waggons. Die grau-rote Lok setzt ihre Fahrt fort, überquert Brücken und klappert durch die Industrielandschaft. „Guck mal Papa, wenn man ganz nah dran geht, dann wirkt die total echt!“, freut sich ein kleiner Junge im roten Ringelpullover und Cappy. Er steht vor einer raumfüllenden Anlage mit Zügen und Fabriken, die eine Miniaturausgabe des Ruhrpotts darstellt.

Die Anlage ist Teil der Ausstellung „Eisenbahn meets Industriekultur“ in der Kokerei Hansa. Diese wurde vom Verein „Spur 0“ aus Hagen vorbereitet und aufgebaut. Dafür hatten die Vereinsmitglieder zwei Tage vor Eröffnung angefangen, die großen Module zusammenzustellen und alle Loks funktionsbereit zu machen.

Die Ausstellung zeigt vor allem Landschaften, die der Region des Ruhrgebiets entlehnt sind. Die Holzkonstruktionen mit all ihren Industriebauten fügen sich nahtlos in den Ausstellungsraum in der seit 20 Jahren leerstehenden Kokerei ein. An den Wänden alte Kacheln, der Boden grauer, brüchiger Beton und über den Köpfen Lampen aus Stahl. Man hört fast noch die Rufe der Arbeiter aus vergangener Zeit, als in der Kokerei Hansa noch über 1000 Arbeiter malochten.

Eine eigene kleine Fantasiewelt

Matthias Heß hat die Ausstellung zusammen mit den anderen Vereinsmitgliedern vorbereitet. Er bastelt seit neun Jahren an den Spur-0-Eisenbahnen. „Zwar habe ich vorher bereits mit kleineren Maßstäben gearbeitet, aber die Möglichkeiten, die man bei der Detailgebung mit diesem größeren Maßstab hat, finde ich faszinierend. Der Maßstab richtet sich ja nach der Breite der Schienen und die Spur-0 ist 32 Millimeter breit. Danach wird alles so angepasst, dass es zu dieser Spurbreite passt.“

Auch einen Schrottplatz zeigten die Modellbauer.Foto: Ralf Rottmann

Der Ingenieur im grauen Vereins-Poloshirt hat sich ganz seinem Hobby verschrieben und zur Ausstellung nach vielen Stunden Arbeit im heimischen Keller ein großes Stück beigetragen. Er schafft sich mit den Modellbauten seine „eigene kleine Fantasiewelt“. Sie sei trotzdem angelehnt an die Wirklichkeit. „Die Landschaft muss in der Realität immer so ausgesehen haben können“, erzählt er stolz.

Der Bau der Miniaturwelten ist stundenlange Sisyphusarbeit. Jedes Einzelteil muss, wenn es denn nicht von vornherein selbst hergestellt wird, bearbeitet und am vorgesehenen Platz verklebt werden. Alleine für die Aufbereitung eines einzigen Waggons gehen häufig „bis zu 30 Stunden ins Land. Diese Fummelei ist für mich der ideale Ausgleich von einem stressigen Tag auf der Arbeit. Wenn ich einmal die Woche im Keller verschwinde, ist das ein fast meditativer Prozess. Man nimmt sich ein klares Ziel, von dem, was man an dem Abend schaffen will. Wenn man es erreicht, lösen sich die inneren Spannungen viel leichter.“

Neben dem Erschaffen einer möglichst detailgetreuen Landschaft, findet der junge Familienvater auch Gefallen daran, sich mit der Geschichte des Ruhrgebiets zu beschäftigen. „Vor allem während der Vorbildrecherche für die Landschaften lernt man viel dazu. Ich selbst habe ja schließlich nicht selbst die 50er und 60er Jahre miterlebt, als das Ruhrgebiet in voller Blüte stand.“ Nach den vielen Stunden, die für die Vorbereitung der Industrielandschaft draufgegangen sind, muss er „jetzt zum Wohle des Familienfriedens erstmal Abstand vom Keller halten“.

Von Timm Giesbers



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