Das passiert beim Vätertreff im Mütterzentrum

Dienstags ab 16 Uhr werden in der Turnhalle der Kita an der Humboldtstraße keine Medizinbälle gewälzt. Eher Probleme. Dann sitzen da zehn Väter auf den Matten und besprechen, was ihnen durch den Kopf geht und am Herzen liegt. Wir haben den Vätertreff im Mütterzentrum besucht.

Dorstfeld.. Im Schneidersitz oder an die Wand gelehnt lassen sie die Tupperdosen mit Apfelschnitzchen kreisen. Einer hat Clementinen dabei. Die Schuhe haben sie angelassen, denn nach ihnen kommt die Putzfrau. Sie reden über ihre Frauen, ihre Kinder, ihre Arbeit. Über all die Dinge, die auch Mütter untereinander besprechen.

Väter reden darüber offenbar lieber mit Vätern. Vor zwei Jahren hatte Björn Nienz im Mütterzentrum Dorstfeld gefragt, ob es dort auch einen Treff für Väter gebe. Nienz war 32, seine Tochter Luisa war acht Monate alt. Nein, gebe es nicht. Ob er zusammen mit seinem Freund Christof Birkendorf einen gründen könne? Gern, sagten sie im Mütterzentrum, machten einen Aushang, erzählten es weiter und brachten es in die Zeitung.

Einmal in der Woche für zwei Stunden

Daniel Nagler und Arne Freitag meldeten sich. Zu viert ging es los, zuerst im Mütterzentrum, Hospitalstraße 6. Einmal in der Woche für zwei Stunden, die vier Kinder waren immer dabei. Die Chemie stimmte und die Probleme waren neu und gewichtig: "Mit einem Kind ist alles plötzlich ganz anders", erinnert sich Nienz.

Vieles ist dann weniger: weniger Schlaf, weniger Zeit für die Beziehung, weniger Gelegenheit für Hobbys und Freunde. Dinge, die Väter anders erleben als Mütter, sagt Nienz. Beim Vätertreff haben sie darüber gesprochen, "wir haben die Hosen runtergelassen", sagt Nienz.
Einzelheiten erzählt er nicht. Die Gespräche sind und bleiben vertraulich. Sechs weitere Väter schlossen sich seitdem an. Die meisten sind Pädagogen. Seit Januar treffen die Väter sich in der Humboldtstraße, weil die ältesten Kinder nun fünf Jahre alt sind und toben wollen.

Der Raum im Mütterzentrum wurde zu klein. Das Familienbüro vermittelte dem Vätertreff den Bewegungsraum in der Kita Humboldtstraße. Die Gespräche sind keine Problemgespräche mehr. Was vor zwei Jahren ein Problem war, wurde gelöst oder akzeptiert.

Echte Freundschaften

Zwischen den Vätern sind Freundschaften gewachsen, zwischen den Kindern auch. "Manche Mütter trauen ihren Männern gar nicht zu, zwei Stunden am Stück allein mit ihren Kindern klarzukommen", sagt Björn Nienz. Seine Frau, Sabrina Weiss, hatte Tochter Luisa heute zum Vätertreff gebracht.

Und zwar gern: "Ist eine schöne Sache. Vor allem, als Luisa noch klein und ich in Elternzeit war, habe ich mich richtig gefreut darüber, dass ich jede Woche einen freien Nachmittag hatte. Und heute auch noch." Die Väter vom Vätertreff überlegen gerade, eine zweite Gruppe aufzumachen. Für junge Väter mit Babys.
Diese Geschichte hat ein Leser vorgeschlagen. In der eZeitung finden Sieinsgesamt mehr als ein DutzendLesergeschichten.