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Das Leben eines Edelweißpiraten

04.10.2012 | 17:07 Uhr
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Das Leben eines Edelweißpiraten
Inge Nieswand schilderte das Leben ihres Bruders Walter Gebhardt als EdelweißpiratFoto: Helmut Matzanke

Dortmund.  In der Reihe Zeitzeugen erzählt die Dortmunderin Inge Nieswand aus dem Leben ihres Bruders, der sich in Kriegszeiten als Edelweißpirat gegen das NS-Regime gestemmt hat

Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule, eine von vielen Schulen im Lande, die zurecht den Titel „Schule ohne Rassismus“ trägt, ist bemüht, zwischen den Kulturen Vermittler zu sein. Viele Migranten-Kinder gehen hier zur Schule und können gewiss sein, als Gleichberechtigte, über alle Grenzen hinweg, im Miteinander eingegliedert zu sein. So gibt es an dieser Schule auch viele Projekte, die sich nicht nur mit den Migrationshintergründen von Schülern anderer Kulturkreise beschäftigen, sondern sich auch anderer Themen annehmen.

Der Zweite Weltkrieg und seine verheerenden Folgen

Da spielt zum Beispiel die Deutsche Vergangenheit, Aufstieg und Untergang des Deutschen Reiches zwischen den Jahren 1933 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit all seinen verheerenden Folgen, eine bedeutende Rolle. Anlass für die Schulleitung, sich mit diesem Thema - im Rahmen von Projektwochen - zu beschäftigen und mit den Schülern die damalige Zeit der Diktatur in Gesprächsrunden zu beleuchten. Geladene Gäste sind dann jeweils Menschen, die diese Zeit hautnah miterlebt haben und sie den Schülern als Zeitzeugen aus ihrer Sicht schildern. Eine solche Person ist Inge Nieswand Sie hat das Ende des Krieges als Sechsjährige miterlebt.

Später recherchierte sie und bezog sich dabei auf die Lebensgeschichte ihres Bruders Walter Gebhardt, geboren am 18. September 1926.

Den Schülern schilderte sie die Jugend ihres Bruders, der sich zu den Edelweißpiraten (freie Jugendgruppe) hingezogen fühlte. Gebhardt versuchte, sich als frei denkender Mensch der Hitler-Jugend zu entziehen. Damals im Volksmund bekannt als die sogenannten „Latscher“. Dieses „Nicht-Loslassen“ von der Gruppe kostete den Widerständler Walter Gebhardt beinahe sein Leben. Dem NS-Gesetz nicht folgend, verbüßte der erst 17-jährige Walter für ein paar Monate eine Haftstrafe auf der Dortmunder Steinwache. Dort wurde er auch gefoltert. Nach acht Monaten entließ man ihn aus dem Gewahrsam. Nach Absitzen seiner Strafe musste er sich freiwillig zum Militär melden und ging zur Kriegsmarine. Kurz nach Kriegsende starb Walter Gebhardt 19-jährig an den Folgen eines Arbeitsunfalls.

Inge Nieswand folgte der schulischen Einladung gern: „Die Schüler haben aufmerksam zugehört. Ich denke, meine Geschichte hat sie sehr berührt.“

Von Helmut Matzanke

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