Brief sorgte für Ärger an Bismarcks Geburtstag

Ehrenamtsmann Heinrich Westermann aus Lütgendortmund war, so würde man es heute ausdrücken, ein glühender Fan des Fürsten Otto von Bismarck. Zum 80. Geburtstag des eisernen Kanzlers ließ er eine Eiche pflanzen und organisierte eine Feier. Doch die Freude blieb nicht ungetrübt.

Lütgendortmund.. 120 Jahre ist es her: Am 1. April 1895 wurde Bismarck 80 Jahre alt. Einen Tag vor dem Geburtstag, setzte sich deshalb ein Festzug um 15.30 Uhr am Amtshaus Lütgendortmund in Bewegung, um über die Limbecker Straße, Theresenstraße und Westricher Straße bis zur Grenze der Gemeinde Dellwig zu ziehen, um dort die Eiche aus dem Wald zu holen.

Eiche geweiht

Nachdem ein vaterländisches Lied gesungen war, wurde die Eiche vor Heinrich Westermanns Haus gepflanzt. Nach Weihe und Festrede beschloss das "Bismarcklied" die öffentlichen Feierlichkeiten. Im Saal des Gastwirts Wilhelm Specht feierten die Honoratioren des Ortes und die Vertreter der bürgerlichen Vereine mit einem großen Festprogramm die Ehrung ihres Idols.

"Ein absoluter Eklat"

Doch nicht alle Lütgendortmunder waren in Feierlaune. Zum Entsetzen Westermanns traf am nächsten Tag ein anonymer Brief im Amtshaus ein. In diesem Schreiben beschimpfte der Verfasser Bismarck. Was in Zeiten anonymer Internetbeleidigungen lächerlich harmlos klingt, war für Westermann ein absoluter Eklat.

Eiserner Kanzler als Gottheit

Denn dem Brief war auch noch eine Karikatur aus der Satirezeitung "Wahrer Jacob" beigefügt, die Bismarck als vielarmige asiatische Gottheit verspottete. Trotz aller Anstrengungen von Polizei und Verwaltung konnte der Verursacher dieses Angriffs auf den Jubilar damals nicht gefasst werden.