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Bäume voller Erinnerungen

11.11.2012 | 16:21 Uhr
Bäume voller Erinnerungen
An die Spaten, fertig, los! Im Mengeder Heimatwald wurde wieder gepflanzt. Foto:Ralf Rottmann

Mengede.   Am neblig-feuchten Samstagmorgen stehen 17 Familien voller freudiger Erwartung auf dem Gelände des Mengeder Heimatwalds seitlich des Volksgartenrestaurants.

Am neblig-feuchten Samstagmorgen stehen 17 Familien voller freudiger Erwartung auf dem Gelände des Mengeder Heimatwalds seitlich des Volksgartenrestaurants. Noch recht unschlüssig, ob sie es denn alleine mit ihrer Muskelkraft schaffen würden, ihren eigenen Baum in die Erde zu bringen – Alt und Jung, bewaffnet mit scharfem Spaten und bunten Arbeitshandschuhen. Einige haben sich zur Stärkung ein wenig Proviant mitgebracht, Baguette und Knabbereien. Andere wollen den aufgestellten Baum lieber mit einem Schluck Sekt aus stilechten weißen Plastikbechern begießen.

„Jetzt heißt es: Ran die Spaten und euren Bäumen wünsche ich ein langes Leben!“ Damit eröffnet Manfred Jockheck, Mengedes stellvertretender Bezirksbürgermeister, die diesjährige Pflanzung im Mengeder Heimatwald. Die Familien sind angetreten, um das erste Mal im Leben einen Baum zu pflanzen und damit ein ganz besonderes Erinnerungsstück an einen wichtigen Moment im Leben, wie zum Beispiel die eigene Hochzeit, festzuhalten. Die Idee: Die Paten sollen sich an ein bestimmtes Ereignis erinnern können, der Baum soll mit ihnen alt werden.

Landschaftsgärtner Dirk Lehmhaus leistete die Vorarbeiten

Nachdem Manfred Jockheck den Startschuss zum Buddeln gegeben hat, strömen die Familien über die weitläufige Wiese, die noch ganz feucht vom Morgentau ist, und suchen eifrig den richtigen Platz für ihren Baum. Der Landschaftsgärtner Dirk Lehmhaus hatte es ihnen jedoch leicht gemacht, denn er hatte die Löcher an den entsprechenden Plätzen schon vorgegraben.

Auch Familie Zimmermann aus Mengede hat sich vorgenommen, einen „Erinnerungsbaum“ zu pflanzen. Die sechsköpfige Gruppe besteht aus den Schwiegereltern, deren Söhnen und ihren Ehefrauen. Jedes Paar pflanzt einzeln für sich einen Baum. „Die Idee dazu kam von meiner Schwiegermutter. Sie hat uns allen diesen Tag zum letzten Weihnachten geschenkt. Ich finde das ist eine ganz tolle Sache. So originell!“, berichtet Corinna Zimmermann. Ihr fiel die zugegebenermaßen leichte Aufgabe zu, Fotos vom Ausheben des Loches zu machen, während ihr Ehegatte und dessen Vater den Erdboden mit gezielten Spatenstichen ausheben. Jede Familie konnte sich die Baumart, die sie pflanzen wollte, selbst aussuchen.

Auch die nächsten Generationen sollen etwas von der Aktion haben

Familie Zimmermann hat sich für einen Walnussbaum, eine Winterlinde und eine Vogelkirsche entschieden. Jedes Paar pflanzt einzeln für sich einen Baum. Anfangs herrscht jedoch Verwirrung darüber, welcher Baum nun eigentlich von welcher Familie eingegraben werden soll.

Doch dann gehen sie an die Arbeit, als hätten sie noch nie etwas anderes getan. Die Männer heben die Winterlinde, die den Schwiegereltern gehört, ins Loch und bedecken sie mit Erdboden. Die Linde wird an einem Pfahl mit Band fixiert, damit sie richtig anwachsen kann und nicht vom Wind umgeknickt wird. Mit Erde an den Schuhen und Händen, aber stolz auf das Resultat, wird vor dem Baum für ein Foto posiert und angestoßen.

„Mutti“ wie die Schwiegermutter mit dem breiten Lächeln und der aufgeweckten Stimme von allen Familienmitgliedern liebevoll genannt wird, hofft, „dass auch noch zukünftige Generationen etwas von diesen Bäumen haben und wir damit etwas hinterlassen.“ Überhaupt ist dieser Wunsch der Ursprung für das alte Sprichwort, ein Mann solle in seinem Leben ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und eben einen Baum pflanzen. Alle drei Dinge sind Symbole für Beständigkeit und Fortbestehen. Der Mann, oder in diesem Fall die Familie, besteht gewissermaßen mit dem Baum fort. Und wer weiß, vielleicht ritzen ja in hundert Jahren Nachkommen der Familie Zimmermann ihren Namen in die Familien-Winterlinde, so wie es Tradition ist. Ein Gedanke, der auch Manfred Jockheck freut.

Timm Giesbers



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