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Auf grauen Schwingen unterwegs

02.08.2010 | 18:52 Uhr
Auf grauen Schwingen unterwegs
Taubenzüchter Herbert Torspecken. Foto: Marcus Simaitis

Marten. Es ist 17 Uhr, die 64 jungen Tauben drängen sich unter dem Dach am Gitter vor dem Fenster. „Die wollen raus“, erklärt Herbert Torspecken. Kaum ist die Luke geöffnet, schießen die Tauben blitzschnell nach draußen in den hellblauen Himmel. Nach kurzer Zeit bilden sie eine Formation. „Die fliegen jetzt so ‘ne Stunde. Die Faulen kommen auch schon früher wieder“, meint der Züchter.

Die bewegten Bilder der Tauben am U erinnern auch heute noch an das traditionelle Hobby der Bergmänner: die Taubenzucht. Obwohl vom Aussterben bedroht, wird es in einigen Stadtbezirken noch gehegt und gepflegt. So wie in Marten. Dort haben sich vor zehn Jahren insgesamt elf Vereine zur Brieftauben-Reisevereinigung Marten 2000 (RV Marten 2000) zusammengetan.

„Das ist ein sehr zeitintensives Hobby“, betont der 1. Vorsitzende Herbert Torspecken, der in der Oespeler Dorfstraße seinen Taubenschlag im ehemaligen Elternhaus unterhält. Vom Vater hat Torspecken den Schlag einst übernommen. Im Sommer verbringt er rund sieben Stunden, im Winter fast drei Mal soviel im Dachstuhl, wo insgesamt 140 Tauben um die Wette gurren. Der Geruch ist streng. Rund 25 Kilogramm Taubenmist fallen pro Woche an. „Den Mist holt sich ein Rentner für den Kompost ab“, so Torspecken.

Unterschiedlichste Formen der Taubenzucht gibt es. Zum Beispiel die Rasse-Züchter, die auf Messen unterwegs sind. Oder die Danziger-Höhenflieger-Züchter. Oder die Brieftaubenzüchter wie Herbert Torspecken: „Bei uns steht der Wettkampf per Distanzflug im Mittelpunkt“. Beim Preisflug am 17. Juli in Linz etwa, so Torspecken, seien die Tiere über 630 Kilometer weit geflogen. Die Schnellste war neun Stunden und 25 Minuten unterwegs. Torspecken wurde 15.

140 Tauben gurren im Dachstuhl um die Wette

Den Ablauf eines solchen Wettkampfes kennt der Dortmunder in- und auswendig: Eine Einsatzkommission sei nach Österreich gefahren. Mit im Gepäck hatten sie die Tauben, elektronische Ringe und Erfassungsgeräte. Vor dem Wettkampf würden den Tieren dann die Ringe angelegt. „Diese werden mit dem Erfassungsgerät scharfgemacht und mit einem Computer jedem Züchter zugeordnet“.

Der Ring gebe ein Signal ab, das von einem am heimischen Taubenschlag installierten Erfassungsgerät registriert werde und die Flugzeit bis auf die Sekunde genau ermittle.

Woran aber orientieren sich die Tauben bei so einem langen Flug? „Wenn ich das wüsste, dann säße ich heute nicht mehr hier“, antwortet der 63-Jährige schmunzelnd. Forscher vermuten , dass die Magnetfelder der Erde eine Rolle spielen. „An den Sternen orientieren sie sich jedenfalls nicht, denn nachts schlafen die Tiere“, sagt Torspecken.

Gegen 17.25 Uhr sitzt die Hälfte von Torspeckens Tauben schon wieder auf dem Dach vorm Fenster zum Martener Taubenschlag. „Die haben anscheinend keine Lust mehr“, sagt er lächelnd. Kein Problem - der nächste Wettkampf kommt bestimmt.

Thilo Kortmann

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