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Auf dem Stahlseil durch die Bäume

28.07.2010 | 18:46 Uhr
Auf dem Stahlseil durch die Bäume
WR-Volontärin Rebecca Müller probierte den Hochseilgarten im Revierpark Wischlingen aus.

Dorstfeld.Alles wackelt und schwankt, der Boden ist weit entfernt. Verzweifelt klammern sich die Hände an den rauen, dünnen Stahlseilen fest, die zittrigen Füße schieben sich Schritt für Schritt vor. Langsam, immer mit der Ruhe, beschwört man sich selbst. Denn bei nur einem falschen Schritt droht der Absturz.

Nervenstark müssen sie sein, die Kletterer im Hochseilgarten im Revierpark Wischlingen. Bis zu zwölf Meter geht es hoch in die Baumkronen. Wer Höhenangst hat, steckt schnell fest. „Diese Leute machen uns schöne Druckstellen in die Bäume, so sehr klammern sie sich an den Baumstämmen fest“, sagt der 38-jährige Betriebsleiter Oliver Grawinkel verschmitzt und lacht.

Was auf dem sicheren Erdboden witzig klingt, wird hier oben im Reich der Vögel auf einmal nachvollziehbar. Gut nur, dass niemand auf einer der zahllosen Plattformen sitzen gelassen wird. „Unsere Mitarbeiter seilen die Gäste ab, die sich nicht weitertrauen“, sagt Oliver Grawinkel.

Im Hochseilgarten muss man immer schön das Gleichgewicht behalten.

Von nicht weitertrauen ist der zwölfjährige Pascal Nagel meilenweit entfernt. Flink wie ein Wiesel klettert er über einen Baumstamm nach dem nächsten und überwindet jedes noch so schwankende Stahlseil. „Ich mache den Parcours heute zum zweiten Mal“, sagt er stolz und hakt seinen Karabiner mit einem leisen Klicken in das Sicherungsseil des nächsten Kletterelements ein. Nach wenigen Augenblicken ist er außer Sichtweite.

Noch voller Bewunderung für die Leichtigkeit, mit der sich Pascal vorwärts arbeitet, nimmt man seinen Mut zusammen und das nächste Hindernis in Angriff. Zwei Stahlseile sind hier gespannt, kreuzen sich in der Mitte. Mit klopfendem Herzen setzt man einen Fuß vor den anderen und klammert sich am Sicherungsseil über dem Kopf fest, wenn das Gleichgewicht zu schwinden droht.

Lebensversicherung
sind zwei Karabiner

Der Blick in die Tiefe zeigt ein Brennnesselfeld, das sich scheinbar harmlos in der leichten Brise wiegt. Spätestens jetzt ist jeder dankbar für die beiden Sicherungs-Karabiner, die Lebensversicherung des Kletterers. Bei der Einweisung erklärt Oliver Grawinkel den Umgang mit den Haken. „Du musst immer darauf achten, dass mindestens ein Karabiner an der Sicherungsleine befestigt ist.“ Sollte jemand abrutschen, fangen sie nämlich bis zu 2,2 Tonnen Gewicht auf und retten den Kletterer so aus seiner misslichen Lage.

Weiter geht’s auf den Stahlseilen, die langsam in die Sohlen der Turnschuhe schneiden. Noch ein großer Schritt und die sichere Plattform ist erreicht. Eine Welle der Erleichterung breitet sich im Körper aus, in der auch jede Menge Stolz mitschwingt.

Wackelnde Holzbalken, ein grünes Netz und einen wagemutigen Sprung über den Abgrund später sind die 16 Elemente im Parcours eins gepackt. Runter geht es in einer rasanten Fahrt mit der Seilrutsche. Während der Wind um die Ohren pfeift, Blätter im Vorbeiflug ganz zart das Gesicht streifen und der Boden immer näher kommt, steht eins fest: Auch wenn es Überwindung kostet – wie ein Affe in den Baumwipfeln zu klettern ist ein Riesenspaß. Und beschert ausgiebigen Muskelkater in Armen und Schultern.

Rebecca Müller

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