Zeuge fühlt sich "abgebügelt"

Andreas Sinovzik (51) staunte nicht schlecht, als er am Donnerstag den Fahndungsaufruf der Polizei nach einem Räuber las - mit Foto. Ein Bekannter hatte genau zu diesem Mann der Polizei bereits Wochen vorher Informationen zukommen lassen, wie Fotos und ein Autokennzeichen. Als Andreas Sinovzik die Polizei darauf hinwies, erntete er nicht etwa Dank, sondern er fühlte sich "abgebügelt". Wir erklären, was genau passiert ist.

Körne.. So lautet Andreas Sinovziks Version:

Am 29. Dezember letzten Jahres wurde mir das Betriebs-Laptop aus meinem An- und Verkauf-Geschäft in der Klönnestraße in Körne gestohlen. Da das Geschäft videoüberwacht ist, hatte ich alles auf Film. Den habe ich einem Kollegen aus der Branche gezeigt, der sein Geschäft in der Nordstadt hat. Der hat gesagt: "Den habe ich doch schon öfter auf der Straße und im Internet-Cafe gesehen." Er wolle sich mal umhören.

Ich habe Fotos des Diebes in mein Schaufenster gehängt und eine Belohnung von bis zu 1000 Euro ausgelobt für die Ergreifung des Täters und die Wiederbeschaffung des Laptops. Mein Kollege hat sich am 20. Februar unter einem Vorwand mit dem Täter getroffen, hat ihn heimlich mit dem Handy fotografiert und sein Herner Autokennzeichen notiert.

Mein Kollege hat alle seine Beobachtungen der Polizei weitergegeben. Das war fast so gut, als hätten wir den Täter selbst abgeliefert. Ich habe dann lange nichts gehört und zweieinhalb Wochen lang versucht, den zuständigen Kriminalbeamten telefonisch zu erreichen. Es gab keine Antwort und keine Rückmeldung.

Am Donnerstag kam dann ein Kunde in den Laden und sagte: "Der bei euch da draußen im Fenster hängt, ist derselbe, der heute in der Zeitung ist."

Der Fahndungsaufruf:

Es handelte sich um den Fahndungsaufruf der Polizei. Das Foto zeigte den mutmaßlichen Täter, als er nach einem Raub mit einer gestohlenen Bankkarte Geld an einem Automaten an der Mallinckrodtstraße abhob.

Empört rief Sinovzik bei der Telefonnummer an, die unter dem Fahndungsaufruf angegeben war.

"Sie haben doch alle Daten", habe ich gesagt, "der Mann muss doch zu fassen sein." Doch der Polizist hat mich geradezu abgebügelt und gefragt, ob ich jetzt die Arbeit der Polizei übernehmen wolle. "Das habe ich doch längst getan", habe ich gesagt. Ob ich "nichts Besseres" für sie habe, hat er dann gemeint, neue konkrete Hinweise, zum Beispiel, wo der Mann sich jetzt aufhalte. Die Polizei hilft mir nicht.

Das hat die Polizei am Freitag dazu gesagt:

Die Polizei wird den Sachverhalt in Ruhe prüfen, um ihn aufzuklären, erklärte Pressesprecher Gunnar Wortmann. Alle Beteiligten müssen dazu befragt werden. Unabhängig davon hat jeder Bürger die Möglichkeit, sich direkt an das Beschwerdemanagement der Polizei zu wenden, persönlich, telefonisch oder per E-Mail.

In eigener Sache: Zwischenzeitlich stand hier fälschlicherweise eine Aktualisierung. Diese haben wir wieder entfernt.

Das Geschäft von Andreas Sinovzik: