Seitenverkehrt operieren am Monitor
28.02.2010 | 15:22 Uhr 2010-02-28T15:22:00+0100Brackel. „Das ist ja so, als ob man seitenverkehrte Hände hätte mit denen man ein Uhrwerk zusammensetzen soll”, vergleicht Mark Boudewijns, Medizinstudentin im 12. Semester, die Herausforderungen beim „minimal invasiven Operieren”.
Eine andere Studentin übt das Hantieren mit kleinen Scheren, Zangen und Skalpellen an einem Konferenztisch, denn insgesamt 19 Medizinstudentinnen und -studenten lud das Knappschaftskrankenhaus in Brackel zu einem OP-Trockenkurs ein. Die zukünftigen Mediziner sollten dabei die modernsten Operationstechniken kennenlernen.
Kleine Schnitte
verheilen schneller
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich diese grundlegend verändert. Selbst große Operationen am Unterbauch, beispielsweise bei Darmkrebs, oder urologische Eingriffe können erfolgen, ohne dass der Körper dazu mit langen Schnitten geöffnet werden muss. „Minimal invasiv” heißen dabei die Zauberworte, die immer mehr Patienten die Angst vor der Operation nehmen, denn drei Schnitte verheilen besser, schneller und hinterlassen kleinere Narben als ein Schnitt über den halben Bauch.
Der Vorteil der Patienten, schneller wieder das Krankenbett verlassen zu können, stellt auf der anderen Seite hohe Anforderungen an den Chirurgen: Er kann bei der Operation nicht mehr direkt sehen und fühlen, was er macht. Er beobachtet seinen Eingriff über einen Bildschirm. Seine Hilfsmittel – Skalpell, Nadel, Faden, Klemmen, Licht und Kamera – stecken an langen Stäben, die durch wenige Millimeter lange Schnitte zu der zu behandelnden Stelle geführt werden.
Der Erfolg der modernen Operationstechnik ist jedoch wesentlich von der Ausstattung des Krankenhauses sowie der Ausbildung und Übung des Operateurs abhängig. „Mit dem Workshop für Medizinstudenten möchte ich dazu beitragen, dass die für die Patienten sehr schonende Operationstechnik optimal weitergegeben und trainiert wird”, sagt Privatdozent Dr. Karl-Heinz Bauer, Ärztlicher Direktor des Knappschaftskrankenhauses und anerkannter Spezialist der minimal invasiven Chirurgie (MIC). Realitätsnah übten deshalb 19 Studenten die Chirurgie der kleinen Schnitte. Im Rahmen ihres praktischen Jahres am Knappschaftskrankenhaus, das seit einiger Zeit akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum ist, probten die Studenten an Simulationskästen erstmals die so genannte „Schlüssellochchirurgie” und sahen zum ersten Mal die Bewegung der von ihnen bedienten Werkzeuge auf dem Bildschirm.
Orientierung nur
per Bildschirm
In drei Simulationsboxen befanden sich Organe von Schweinen, die von Theaterblut durchströmt wurden. An den Organen übten die Studenten Operationsabläufe an Leber und Galle, Magen und Darm. Geprobt wurde auch eine Verklebung der Milz mit Vlies, um diese nach einer angenommenen Verletzung, zum Beispiel durch einen Verkehrsunfall, erhalten zu können. Die Herausforderung für die meisten Workshop-Teilnehmer bestand zunächst darin, sich aufgrund des Monitorbildes im „Operationsbereich” zurecht zu finden, um das Operationsinstrumentarium sicher zu führen. „Deshalb hat die Chirurgische Klinik am Knappschaftskrankenhaus den Workshop veranstaltet, bei dem die Übungen im Gegensatz zum Tierversuch beliebig oft wiederholt werden konnten”, erklärt Dr. Andreas Ludwig, leitender Oberarzt am Knappschaftskrankenhaus.
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