Schlechte Karten für Spätzünder
17.10.2011 | 17:15 Uhr 2011-10-17T17:15:00+0200Brackel.An Universitäten und Fachhochschulen ist er längst das Maß aller Dinge, an Schulen war der Numerus Clausus (NC) bislang ein seltener Gast.
Geändert hat das die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. Weil sich dort seit vielen Jahren deutlich mehr Schüler bewerben als die Schule Plätze anbietet, ist Schulleiter Klaus Zielonka dazu übergegangen, die Bewerber nach bestimmten Kriterien auszuwählen. Anders als die meisten Gesamtschulen setzt Geschwister-Scholl nicht auf die Drittelung (was eine Aufnahme von Schülern mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiums-Empfehlung zu gleichen Teilen meint), sondern hat die Schulnoten der Grundschüler weiter in den Mittelpunkt der Bewertung gerückt.
Braucht Dortmund mehr Gesamtschulen?
50 Prozent der begehrten Plätze werden demnach an die notenbesten Schüler vergeben. Der interne NC lag in diesem Jahr bei 2,14.
Weitere 30 Prozent gehen an Geschwisterkinder. Jeder sechste Platz wird unter den Bewerbern verlost. Trotzdem will Zielonka nichts von einer „Elite-Schule“ wissen. Man habe das Angebot der Schule verändert – viele sagen: verbessert – und bräuchte dafür nun auch bessere Schüler. Er räumt ein: „Schlechtere Schüler haben bei uns somit auch schlechtere Karten.“ Ein Zustand, den Monika Landgraf von den Dortmunder Stadteltern kritisch beobachtet: „Sollte eine solche Auswahl zur Methode werden, wäre das eine Katastrophe.“ Alle Schüler sollten die Chance haben, das Abitur zu machen, auch die „Spätzünder“, sagt Landgraf, die „Chancengleichheit“ einfordert.
Die von einer Gesamtschule erwartete „Heterogenität der Schülerschaft“ sieht Schulleiter Klaus Zielonka an der Geschwister-Scholl dennoch verwirklicht: „Wir fördern die Schüler individuell, die starken und die schwächeren.“ Den Vorwurf, die Platzvergabe nach Bestnoten grenze die Schwachen bewusst aus, kennt Zielonka, kontert aber: „Wir sind eine Schule für alle.“
Trotzdem scheint der Kampf um die besten Schüler eröffnet. In Dortmund haben nahezu alle Gesamtschulen mehr Bewerber als Plätze. Bildungsexpertin Monika Rößler (SPD) glaubt, dass nur eine neue sechszügige Gesamtschule die Nachfrage befriedigen könnte.
Arnsberg sieht Spiel- räume für die Schulen
Sie sei aber „total gegen die Einführung eines NC“. Doch dürfen Schulen überhaupt so auswählen? Bei der Bezirksregierung in Arnsberg spricht man vom „Idealzustand der Drittelung“, aber auch von einer Verordnung, die den Schulen große Spielräume bei der Schülerauswahl lassen. Diese würden offenbar immer stärker genutzt.
08:56
Jetzt erwarte ich aber vom derwesten-Zensor, dass die ad hominem-Attacke in #1 gelöscht wird, wie regelmäßig auch weit harmlosere Kommentare einfach gelöscht werden.
22:27
Herr Brinkmann, Sie scheinen Einiges nicht verstanden zu haben.
Die Gesamtschulen können sich in der Regel aussuchen, welche Schüler sie aufnehmen, wie Sie auch selber schreiben. Einen Kampf um Schüler sehe ich überhaupt nicht. Auch ist die Forderung nach einer weiteren Gesamtschule totaler Stuss. Das habe ich auch ganz sicher nicht gesagt. Vielmehr ist meine Position, dass die Sekundarschule eine gute Möglichkeit wäre, diese Schüler aufzufangen auf Grund der Flexibilität der Sekundarschule, ggf. fürs Abitur vorzubereiten und der Gesamtschule als ein dazugehöriges Oberstufenzentrum später zuzuführen. Sie sollten Ihre eigene Zeitung lesen, dann wüssten Sie, was meine Meinung ist. Wenn Sie damit überfordert sind, hätte es schon gereicht, einfach zuzuhören. Aber das ist ja noch schwieriger.
Gruß, Monika Rößler (die oben falsch Zitierte)
Vorsitzende der SPD Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB)