Polizei kann bundesweit gesuchten Räuber nicht fassen

Da ist etwas schief gegangen: Die Ermittlungen gegen einen bundesweit gesuchten Dieb und Räuber verlaufen trotz detaillierter Zeugenhinweise im Sande. Doch keiner hat laut Polizei etwas falsch gemacht - die Zeugen nicht und die Polizei auch nicht. Wir erklären die Hintergründe.

Körne.. Es geht um einen Straftäter, der am 29. Dezember den Betriebs-Laptop aus einem An- und Verkauf-Geschäft in Körne gestohlen und am 2. Februar nach einem Raub Geld mit einer gestohlenen Bankkarte vom Automaten abgehoben haben soll.

Andreas Sinovzik, Inhaber des An- und Verkaufgeschäfts, hat der Polizei nach eigenen Recherchen und denen eines Freundes Fotos und Informationen wie ein Herner Autokennzeichen des mutmaßlichen Täters zukommen lassen. Kurze Zeit später stieß Sinovzik auf ein Fahndungsbild des Mannes in der Zeitung - wegen des späteren Raubs.

Zeuge fühlte sich "abgebügelt"

Zweieinhalb Wochen lang hatte Sinovzik zuvor versucht, bei der Polizei Informationen über die Ergebnisse seiner Zeugenhinweise zu bekommen, doch er konnte den zuständigen Beamten nicht erreichen. Der war im Urlaub, wie sich später herausstellte. Als Sinovzik die Polizei dann nach dem Fahndungsaufruf in der Zeitung telefonisch darauf hinwies, dass er bereits Informationen zu dem Gesuchten geliefert habe, fühlte er sich von den Beamten "abgebügelt" und wandte sich an die Presse.

Die Polizei hat daraufhin in den eigenen Reihen recherchiert. Das Ergebnis: "Niemand hat etwas falsch gemacht, der Zeuge nicht und die Polizei auch nicht", stellt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt fest. Auch wenn der zuständige Beamte für Sinovzik nicht erreichbar gewesen sei, habe es Ermittlungen gegeben.

Name des Verdächtigen ist polizeibekannt

Doch das Auto sei nicht auf den Verdächtigen zugelassen. Man kenne zwar den Namen des Verdächtigen, aber der habe keinen festen Wohnsitz. Und bei der Einbestellung des Autobesitzers gelte es, Fristen zu beachten. Weigandt: "Das geht nicht immer so schnell, wie ein Zeuge sich das vorstellt."

Auch der Abgleich von Informationen erfolge nicht so schnell wie nach Vorstellung des Zeugen, zumal wenn zwei verschiedene Kommissariate in zwei verschiedenen Polizeiinspektionen ermittelten und dann noch ein Sachbearbeiter krank, im Urlaub oder bei der Fortbildung sei.

Ärger "völlig nachvollziehbar"

Es sei "völlig nachvollziehbar", so Weigandt, dass Sinovzik darüber aufgebracht gewesen sei, doch die Polizei habe nach seinem Beschwerdeanruf versucht, ihm den Sachverhalt zu erklären.

Doch musste man ihn deshalb abbügeln, laut Sinovzik mit Worten wie "Wenn Sie sich hier nicht mehr sicher fühlen, können Sie ja auswandern?". Die Polizeisprecherin: "Bei allem Verständnis für den Beschwerdeführer - wie waren nicht dabei."