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Pflege von Demenz-Erkrankten „ist Stress pur“

02.08.2012 | 05:00 Uhr
Pflege von Demenz-Erkrankten „ist Stress pur“

Der Alltag eines Familienangehörigen, der jemanden mit Demenz pfelgt, ist Stress pur. Einen Austausch unter Leidensgenossen bietet das Wickeder Café „1xICH!DU?“ an. Eine Rentnerin berichtet, wie anstrengend die Pflege ihrer kranken Mutter ist.

Wie das ist, einen an Demenz erkrankten Angehörigen zu pflegen? „Stressig!“, ruft Elisabeth Meyer (Name geändert) spontan. Die Frau im Rentenalter besucht das Angehörigen-Café „1xICH!DU?“ (siehe unten). Seit vier Jahren pflegt sie ihre an Demenz erkrankte, hoch betagte Mutter. Für unsere Zeitung beschreibt sie ihren Tagesablauf – und ringt dabei immer wieder um Fassung.

Nachts. „Dann muss sich fünf bis sechs Mal raus“, sagt Elisabeth Meyer. Sie lebt ständig in der Angst, dass ihre Mutter hinfällt. Deshalb war sie bereits im Krankenhaus. Aber „der Tag-Nacht-Rhythmus funktioniert nicht mehr“. Am Bett hängt deshalb eine Glocke, für den Notfall. „An die erinnert sich meine Mutter.“ Zum Glück - und eine kleine Beruhigung für die Angehörigen.

Tag beginnt mit Routine

8.30 Uhr. „Meine Mutter schläft länger. Spätestens um 9 Uhr wecke ich sie.“ Was dann folgt, ist Routine – Tag für Tag für Tag. Zur Toilette gehen, beim Zähneputzen helfen, die betagte Dame waschen – für Elisabeth Meyer ist der immer gleiche Ablauf Alltag, sie betet ihn fast schon herunter. Danach folgt das Frühstück, „oft im Bett“. Wer nachts aktiv ist, muss den Schlaf irgendwann nachholen.

Ans Trinken erinnern

Vormittag. Die Zeit des Tages, während der sich die Demenzkranke schlapp fühlt und ausruht. Zeit für den Haushalt, fürs Kochen. Wichtig: „Ich muss meine Mutter ans Trinken erinnern.“ Auch das vergisst sie. Das Mittagsessen nehmen dann alle gemeinsam am Tisch ein – wenn die Seniorin nicht wieder zu erschöpft ist. Aber: „Danach geht es ihr besser.“ Ein Hoffnungsschimmer im Pflegealltag.

Weitere unruhige Nacht

Nachmittag. Zeit für eine kleine Runde ums Haus. 20 Minuten dauert das Frische-Luft-Schnappen in der Regel. „Wir gehen vielleicht 300 Meter.“ Zur Demenz kommt noch dazu, dass Meyers Mutter sehr schlecht sieht – noch ein Unsicherheitsfaktor mehr. Danach liebt sie es, am Fenster zu sitzen.

20 Uhr. Der Tag ist gelaufen, die Mutter fertig fürs Bett. Abendbrot, umziehen, Körperpflege – auch hier greift die Routine, eine weitere unruhige Nacht beginnt.

Kleine Fluchten. Einen freien Nachmittag in der Woche gönnt sich Elisabeth Meyer, geht ihren Hobbys nach, aber nicht Zuhause. „Das brauche ich.“ In der Zeit übernimmt ihr Mann die Pflege. Auch das Angehörigen-Café tue ihr gut, sagt sie. „Ich fühle mich gerade sehr stark.“

Jetzt will sie ihre Mutter einmal pro Woche in der AWo-Tagespflege an der Meylantstraße versorgen lassen. „Wir versuchen es“, sagt sie etwas zaghaft. Doch ihre Mutter in ein Heim geben, das sei keine Option. „Solange es geht, werden wir sie bei und behalten.“ Auch, wenn die Nerven oft blank liegen.

Infos zum Cáfé

Das Angehörigen-Café „1xICH!+DU?“ ist hervorgegangen aus zwei Schulungen mit dem Titel „Demenz verstehen“. „Den Namen haben sich die Teilnehmer selbst gegeben“, erklärt Thomas Brandt vom Seniorenbüro Brackel. Weiterer Veranstalter ist die AWo.

Neben der zeitintensiven Pflege sollen sich Angehörigen austauschen und Abstand vom Alltag gewinnen. Hinter dem „ICH“ steht deshalb ein Ausrufezeichen.

„Bei dem ersten Treffen kamen 20 Besucher“, berichtet Thomas Brandt. Auch die zweite Auflage war gut besucht. Dabei stellte ein privater Menüservice sein Angebot vor.

Das Café ist immer an jedem letzten Montag im Monat ab 16 Uhr in den Räumen der AWo-Tagespflege, Meylantstraße 85, in Wickede geöffnet. Die Angehörigen werden betreut. Anmeldungen dazu nimmt die AWo-Tagespflege unter 2 17 82 09 entgegen oder auch das Seniorenbüro Brackel unter 50 29 640.

Von Wolfgang Maas



Kommentare
02.08.2012
18:04
Pflege von Demenz-Erkrankten „ist Stress pur“
von xxyz | #1

Eine sehr sinnvolle Einrichtung. Es ist schade, dass solche Einrichtungen wahrscheinlich aus finanzieller Not nicht mehr lange finanziert werden können, da die Hilfe heute schon für viele Menschen von 10-90 erforderlich sein soll.

Wenn ich an die vielen sinnlosen Projekte im angeblich sozialen Bereich bspw. in der Nordstadt denke, ärgert es mich, dass es so wenig Aufmerksamkeit für unsere Senioren gibt.

Es es gut, dass über diese Einrichtung berichtet wird. Denn die Angehörigen brauchen Unterstützung, damit sie nicht selber geschädigt werden.

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