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Neue Denkanstöße durch die Kunst

30.12.2012 | 16:44 Uhr
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Neue Denkanstöße durch die Kunst
Öl, Acryl, Gouache: „Kunststücke“ scheut kein Material. Foto: Michael Printz

Im Nordosten.   Lange rote Fingernägel, lockiges Haar, elegante Hüte und ein verschmitztes Lächeln: typisch Frau, findet Ingeborg Braun. Mit Pinsel und Farbe hat sie ihre Vorstellung auf die Leinwand gebracht.

Lange rote Fingernägel, lockiges Haar, elegante Hüte und ein verschmitztes Lächeln: typisch Frau, findet Ingeborg Braun. Mit Pinsel und Farbe hat sie ihre Vorstellung auf die Leinwand gebracht. Das Ergebnis sind zwei Damen beim Kaffeeklatsch. „Die ziehen alle durch den Kakao“, beschreibt die Künstlerin ihr Bild – mit einem Augenzwinkern wohlgemerkt. Dass Kunst aber auch anders sein kann, ernst und aufwühlend, weiß Braun aus eigener Erfahrung. 2008 hat sie den gemeinnützigen Verein KunstStücke gegründet. Seither engagieren sich die Mitglieder für soziale Projekte, wollen Denkanstöße geben und Menschen mit ihrer Kunst helfen.

Emotionen künstlerisch darstellen

Eine von ihnen ist Renate Kowalewski. Angefangen als bloße Beschäftigung, empfindet sie die Malerei heute als Mittel, um Emotionen auszuleben und einschneidende Ereignisse zu verarbeiten, so etwa den Tod ihres Mannes. „Manchmal male ich bis zwei oder drei Uhr nachts“, sagt sie. Neben der Organisation von privaten Ausstellungen arbeitet die passionierte Künstlerin seit zwei Jahren als Pressereferentin für den Verein KunstStücke. Je nach Thema und Projekt schwingt Kowalewski als kunstschaffendes Mitglied auch selbst den Pinsel und lässt sich von spontanen Stimmungen leiten. So zum Beispiel für eine kürzlich präsentierte Ausstellung zum Thema Demenz. Dabei ging es um Gefühle, um Angst, Verzweiflung und Verluste – und darum, wie man überwältigende Emotionen künstlerisch darstellen kann.

Die Motive und Ausführungen der Malerinnen variieren. „Ich male vorwiegend im naturalistischen Stil, verwende aber verschiedene Farben, wie Öl, Acryl oder Gouache“, erklärt Kowalewski. Kleine Aktzeichnungen fertigt sie in Encaustik an. Dabei werden mit einem speziellen Maleisen Wachsmalfarben auf den jeweiligen Untergrund aufgetragen. Das erfordert künstlerisches Geschick. Ingeborg Braun sucht nicht nach dem perfekten Abbild. Jedes ihrer Werke erzählt eine eigene Geschichte, zeigt starke Typen und Charaktere, ist menschennah. Das kommt nicht von ungefähr. Als ehemalige Rektorin einer Grundschule liegt Braun die emotionale Seite der Kunst am Herzen: „In meinem Job war ich immer für Menschen da.“

Mit dem Ende ihres Berufslebens hat Braun das Projekt KunstStücke gestartet und ihr Arbeitszimmer kurzerhand in ein Atelier umgeräumt. Als Gründerin und Vorsitzende des Vereins schafft sie mithilfe der Kunst einen Dialog. Die aktuellsten Arbeiten drehten sich zur Ausstellung „Freude im Alter“. um das Stichwort Generationenvertrag: „Es ist nicht nur alles schön, was jung ist. Auch Falten sind in Ordnung, wenn man fröhlich ist“, findet Braun. Die Bilder zum Thema sollen Konflikte abbauen und ein Miteinander zwischen den Menschen verschiedenster Jahrgänge fördern.

Auch Falten können schön sein

Rund 150 Bilder hat Renate Kowalewski eigenen Angaben zufolge in den letzten Jahren gemalt. Eines ihrer Lieblingswerke ist erst vor zwei Monaten entstanden und zeigt einen bunten Mahatma Gandhi. „Das Porträt ist Teil einer Serie, für die ich Persönlichkeiten auf die Leinwand bringe“, so Kowalewski. Anders als ihre bisherigen Bilder soll die Serie bewusst farbenfroh gehalten sein: „Ich male sonst immer naturalistisch, sprich sehr genau – das möchte ich dieses Mal abmildern.“ Neben Abbildungen wie von namhaften Politikern und Nobelpreisträgern sind zum Beispiel auch Abbildungen von Tänzern in Planung, man darf gespannt sein.

Von Hannah Biermann

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