Nach Fackelaufmarsch: Evinger bringen Flüchtlingen Blumen

Nach dem Fackelaufmarsch von Rechtsextremen vor einer Flüchtlingsunterkunft in Eving haben Anwohner den 127 Menschen dort Blumen als Willkommensgruß gebracht. "Wir mussten einfach etwas tun", so die Menschen, die sich per Internet organisiert hatten. Unter den Asylbewerbern hatten die Neonazis Angst und Schrecken verbreitet.

Eving.. Es war nicht die schlechteste Entscheidung, Blumen als Präsente mitzubringen. Blumen werden auch bei Sprachbarrieren als freundliche Geste verstanden. Am Freitag zuvor waren rund 20 Rechtsradikale vermummt vor der ehemaligen Hauptschule aufmarschiert, sie hatten Feuer in Form von Fackeln dabei. Mit Feuer vor der Heimstatt eines Menschen aufzutauchen, ist ebenfalls ein internationales Zeichen. Für maximale Bedrohung.

Monika Berg, Presbyterin der Segenskirchengemeinde Eving und seit 15 Jahren Mitglied der Bürgerinitiative "Gesicht zeigen gegen Rechts im Stadtbezirk Eving", hatte diese Begegnung am Montag initiiert. Der Gedanke dafür entstand am Samstag. "Wir haben uns spontan gesagt, da müssen wir was machen."

Hakenkreuz an der Säule

Die Bürgerinitiative, sagt Berg, sei nicht wirklich überrascht gewesen, als sie von den Vorkommnissen von Freitag erfahren habe. "Schauen Sie, da vorne an der Säule", sagt Monika Berg. NFE ist dort klein hineingemeißelt, daneben ein Quadrat mit einem Kreuz in der Mitte. Das war mal ein Hakenkreuz, das NFE stünde für "Nationale Front Eving".

Die Rechten hatten mit ihrem Auftritt Angst und Schrecken in dem Flüchtlingsheim verbreitet. So berichtete ein Mitarbeiter der Johanniter, die die Einrichtung seit dem 22. Januar betreiben, dass Kinder geweint hätten und ihnen, als sie an der Unterkunft ankamen, Menschen mit gepackten Koffern entgegenkamen. "Die wollten nur noch weg, wir konnten sie dann aber langsam wieder beruhigen."

Stellungnahme des Superintendenten

Monika Berg selber erfuhr von dem Aufmarsch der Rechtsradikalen am Samstag bei einer Kirchenveranstaltung. Medienvertreter hätten angerufen und nach eine Stellungnahme des Superintendenten gefragt.

Am Montag dann, gegen 16.30 Uhr, waren es gut 60 Menschen, die sich vor dem Haupteingang der Schule trafen. Sie gingen langsam auf den Eingang der Flüchtlingsunterkunft zu. Genauso langsam bewegten sich Flüchtlinge auf sie zu, dann trafen sie aufeinander. Blumen wurden übergeben, es wurde gelächelt, Hände schüttelten sich. Langsam mischten sich die Gruppen. "Nur wenn wir alle die Augen verschließen, dann ist der braune Mob stark", sagt eine der Frauen.