Mit Wundcreme nach St. Petersburg
03.05.2012 | 18:20 Uhr 2012-05-03T18:20:00+0200
Dortmund. Mit nur zwei Unterhosen im Gepäck radelte der Dortmunder Klemens Wittig von Brechten nach St. Petersburg
Von Brechten nach Sankt Petersburg: Der 74-jährige Klemens Wittig radelte 3.150 Kilometer quer über den Kontinent. In sechs Ländern machte er Station und fand mitten im Nirgendwo einen Dortmunder, der ihm den Weg zeigte.
„Bei den Vorbereitungen muss man an Vieles denken“, erzählt Klemens Wittig. Um Gepäck zu sparen hatte er Handtücher aus Mikrofaser dabei und nur zwei Unterhosen eingepackt. Nichts sollte seine Tour bremsen, auch keine Verletzungen. „Popocrème war auch dabei“, sagt er und lächelt. Die Wundsalbe sollte die vom Fahrradfahren gereizten Hautpartien pflegen.
Seit Jahren sportlich aktiv
Klemens Wittig ist seit Jahren sportlich sehr aktiv. In Wettkämpfen von 800 Meter-Sprints bis zur Marathon-Distanz liegt er in seiner Altersklasse ganz vorne. Er ist 25-maliger Deutscher Meister. Dennoch hatte er sich mit seinem Drahtesel ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Im August 2011 fuhr er los und er wollte einen Monat später in der zweitgrößten Stadt Russlands ankommen.
Mit elf Kilo Gepäck verließ er seine Garage in Brechten und legte im Schnitt etwa 140 Kilometer pro Tag zurück. Ähnlich wie die Fahrer bei der Tour de France, nur ohne Wasserträger, Pannenhilfe oder mentale Unterstützung. Schon am dritten Tag hatte er sich leicht verfahren und musste schlappe 190 Kilometer abreißen, damit er sein Tagesziel erreichen konnte. Von Brechten nach Hamm, Paderborn, zum Mittellandkanal bis nach Brandenburg und weiter Richtung polnische Grenze.
Bei Stettin verfuhr er sich erneut und traf im polnischen Niemandsland auf einen Autofahrer, den er nach dem Weg fragte. „Er war auch aus Dortmund, ein Hombrucher“, sagt Wittig. „Er holte sein Navi raus und zeigte mir, wo ich langfahren musste.“
So hatte er auch fast durchweg gutes Wetter, nur an einem Tag spülte ihn der Regen fast von der Straße. Im lettischen Ventspils. „Das war der einzige Tag, an dem ich kurz davor stand abzubrechen“, gesteht Wittig.
Eine Nacht im Holiday Inn
Als er nach genau einem Monat und 23 Tagen auf dem Rad in der ehemaligen Zarenstadt Sankt Petersburg ankommt, ist er erschöpft, nass geregnet und sucht nur noch nach einem Hotel. Da spielte das Geld keine Rolle mehr. Für eine Nacht residierte er im Holiday Inn, „die mit Abstand teuerste Übernachtung“. Nach fünf Tagen in der Metropole am Finnischen Meerbusen packte er die Speichen seines Fahrrads in Karton und flog zurück, mit der Erkenntnis: „Am letzten Tag tut der Popo genauso weh wie am ersten“.
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Vierl Erfolg!