Mit Rosen in den unruhigen Ruhestand
27.01.2012 | 17:33 Uhr 2012-01-27T17:33:00+0100
Eving.Das Heisenberg-Gymnasium verliert seine Galionsfigur: Anne Smerdka geht nach über 30 Jahren an der Schule in den Ruhestand. In ihrer Zeit als Schulleiterin bewegte sie immer neue Projekte und hat nicht vor, jetzt damit aufzuhören.
Als Anne Smerdka das letzte Mal auf der Bühne des Heisenberg-Gymnasiums steht und die letzten Worte gesprochen hat, stehen Schüler, Lehrer, Ehemalige und Eltern auf. Standing Ovations von fast 200 Gästen für die Frau, die seit 17 Jahren an der Spitze der Schule stand. Nun hat Anne Smerdka andere Pläne.
„Ich bin sehr bewegt und zutiefst stolz“, sagt die 61-jährige Oberstudiendirektorin am Freitag (27. Januar). In zweieinhalb Stunden hatten Kollegen und Weggefährten zuvor ein Loblied auf die Schulleiterin gesungen. „Sie hat sich eine hohe Wertschätzung erarbeitet“, sagt Michael Planken, Vize-Schulleiter.
„Eine Ära geht zu Ende“
Ähnlich spricht auch Peter Kurtenbach, von der Schulaufsicht der Bezirksregierung, von Smerdka: „Heute geht eine Ära zu Ende. Anne Smerdka hat den Schulgeist am Heisenberg-Gymnasium geprägt.“
Dabei sah es anfangs anders aus: Durch ihr politisches Engagement in Gewerkschaften, wurde sie vor ihrer Einstellung am Heisenberg-Gymnasium 1977 genauestens unter die Lupe genommen. „Dann bekam ich ein Zertifikat, dass ich auf demokratischem Boden stand“, erinnert sich Smerdka .
Zwar ging sie Anfang der 90er Jahre fort, doch kam sie schon nach vier Jahren zurück. „Ursprünglich hatte sie zu ihrem jetzigen Mann gewollt“, erzählt Planken. Zwei Tage vor dem Mauerfall hatte sie einen Versetzungsantrag nach Berlin gestellt, doch dann blieb sie zumindest in der Gegend. Für vier Jahre unterrichtete sie wenig später am Leibniz-Gymnasium, bevor sie zurückkehrte - als Schulleiterin. „Die Aufgabe hat mich gefunden, nicht andersherum“, sagt Smerdka.
Selbst die Schüler sind von den Projekten, die Anne Smerdka vorangetrieben hat, begeistert. Leon Fülber, Schülersprecher: „Wer hätte schon gedacht, dass ausgerechnet ich eines Tages eine Dankesrede auf Frau Smerdka halte?“ Sie habe immer gewusst, dass aus Leon etwas werde, entgegnet Anne Smerdka dem Schüler mit einem Augenzwinkern. „Besonders die tolle Schülerschaft hat mich ja wieder zurückgelockt“, sagt sie.
Mit all ihren Engagements nahm sie nicht nur sich, sondern auch die Lehrer und Projektpartner in die Pflicht. Thomas Lohmeier erzählt in seiner Laudatio von den vielen Terminen, Arbeitsgruppen und Meetings. Es seien mehr gewesen als an jeder anderen Schule. Projekte wie das Mentoring-Programm, bilinguale Kurse, Musikklassen und eine Partnerschule in China, beschreibt Schulamtsleiterin Renate Tölle Schmerdkas Handschrift.
„Unnötiger Zeitdruck“
Smerdka war Personalrätin, Lehrerratsvorsitzende, Sprecherin der Dortmunder Gymnasien und in der Schulkoordinierungskonferenz vertreten. In der Bildungskommission der Stadt will Smerdka weiterhin Weichen für die Zukunft stellen.
In ihrer Abschiedsrede weist sie auch auf Probleme der Schule von heute hin: „Durch die Verkürzung der Schulzeit wird unnötigerweise Zeitdruck in die Schulen gebracht.“ Anne Smerdka zeigt, sie bleibt am Ball. „Anne Smerdka gehört nicht zu denjenigen, die sich ein Sofakissen nehmen, ans Fenster setzen und beobachten, was draußen passiert“, sagt Bezirksbürgermeister Helmut Adden.
Smerdka bezeichnet sich selbst als katholisches Arbeitermädchen vom Land. „Damit hatte ich als Kind wenig Chancen auf Bildung. Bildungsferne Schicht nannte man das.“
Und genau für solche Gruppen hat sie gekämpft und will es weiterhin tun.
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