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Lebenswege aus den Scherben der Träume in die Wirklichkeit

19.08.2008 | 17:59 Uhr

Brackel. Sie kennen sich fast 30 Jahre - die Claudia und der Martin. Als alternative Revoluzzer hauten sie drauf auf Staat, Gesellschaft, Establishment. Heute sind sie gesetzt. Der Martin macht das Programm im Kulturzentrum "balou". ...

Mit der "Ton Steine Scherben Family" macht Martin ("Mein Name ist Mensch") Werner heute noch Musik - und das erfolgreich.

... Und die Claudia ist bei den Grünen - Bundesvorsitzende. Am Samstag (23.) treffen sie sich bei der Theaternacht "40 Jahre `1968`" im balou. Martin Werner und Claudia Roth - zwei Lebenswege, die sich an den Verstärkern der deutschen Kultband "Ton Steine Scherben" kreuzen. Die Geschichte beginnt Ende der 70er Jahre in Unna. Martin Werner schlägt sich als Musiker durch. Bei einem Straßentheaterfest soll eine Musikrevue stattfinden. Doch der Kapelle geht die Orgel kaputt. Martin Werner frickelt ein Instrument zusammen, das nach Orgel klingt. Das gefällt dem Revue-Chef so gut, dass er Martin anruft und fragt: "Hast Du Lust, mit mir Musik zu machen?" Der Anrufer heißt Rio Reiser, Sänger der Band "Ton Steine Scherben", der spätere "König von Deutschand". Martin packt seine Sachen und fährt nach Fresenhagen. In dem nordfriesischen Kaff leben "Die Scherben" in einer Musikkommune auf dem Bauernhof.

Ihre Songs heißen "Macht kaputt, was euch kaputt macht", "Ich will nicht werden, was mein Alter ist" und "Der Kampf geht weiter" - Texte, so hart und kantig wie Pflastersteine. Sie rufen zu Hausbesetzungen und Schwarzfahren auf, protegieren die Schwulenbewegung und pinkeln aufs Bürgertum. So druckvoll und emotional wie die Musik, so klar die Botschaft: Wir sind das Volk. Und ihr, die Herrschenden, seid unsere Gegner.

Doch Klassenkampf und klingende Münze sind zweierlei. Als Claudia Roth 1982 zu "Ton Steine Scherben" stößt, ist das Geld schon knapp. Die Theatermacherin wechselt die Bühne und managt die Gruppe. Dass sich die Gruppe drei Jahre später auflöst, sei nicht ihre Schuld gewesen, sagt Martin Werner. "Da gab es viel Misswirtschaft und Schulden." Zwei Lebenswege trennen sich. Aus Martin Werner wird ein Kulturschaffender, aus Claudia Roth ein Polit-Star und Talkshow-Stammgast.

Die Bande bleibt. "Sie ist `ne gute Freundin von mir. Wir sehen uns öfter", sagt der 'balou'-Programmgestalter. Auch am Samstag, bei der Theaternacht. Dann liest die grüne Frontfrau aus ihrer Biografie "Das Politische ist privat". Das Buch offenbare eine andere Frau als die öffentlich wahrgenommene. "Jemanden, der mit den Folgen dieser Zeit groß geworden ist", beschreibt Werner. "In der Zeitung steht sie ja oft als jemand, der seine Ideale verrät und Kriege unterstütz, schlimmstenfalls auch als Heulsuse. Das ist ein Medienspiel." 'balou'-Besucher träfen "eine widersprüchliche Person, die unser aller Zerrissenheit repräsentiert - zwischen Träumen von Gerechtigkeit und der Realität".

Welche Visionen es in die Wirklichkeit geschafft haben, darüber können die Besucher nach der Lesung mit Claudia Roth sprechen. Dazu gibt es Multimediaclips, Filme, Bilder, Texte und Musik - Musik der "Scherben". Marius del Mestre, der seit dem Band-Comeback das Gesangserbe von Rio Reiser verwaltet, ist am Samstag ebenso dabei wie TSS-Flötist Jörg Schlotterer.

Termin: Samstag (23.), 19 Uhr; Eintritt: 15E. Karten über presse-service-balou@arcor.de oder direkt im balou, Oberdorfstr. 23, Tel: 20 18 66.

Von Klaus Brandt

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Kommentare
20.08.2008
16:31
Lebenswege aus den Scherben der Träume in die Wirklichkeit
von jcm | #1

Rio Reiser würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, wie die Roth unterwegens ist !!
Und der gesetzte Programm-Macher, was soll das heissen? Ich bin der Martin, ne... - oder was?!

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