Kürbisfest auf Hof Mertin begeistert Besucher
11.10.2009 | 18:46 Uhr 2009-10-11T18:46:00+0200
Grevel. Leuchtendes Orange ist die dominierende Farbe auf dem Hof der Familie Mertin in Grevel. Vielfältig und abwechslungsreich - so präsentiert sich die Artenvielfalt beim Kürbis.
Rund 1000 verschiedene Züchtungen soll es nach Schätzungen weltweit geben, 45 Sorten wachsen davon auf den Feldern der Familie. Einige Kuriositäten - angefangen vom kleinsten Kürbis der Welt, ein „Dancing Gourd” in der Größe einer Walnuss, bis hin zur rot-weiß gemusterten „Bischofsmütze” - waren jetzt beim ersten Kürbisfest auf dem Bauernhof zu bewundern.
Grusel-Fugur und Delikatesse
Fast schon in Vergessenheit geraten, erlebt der Kürbis gegenwärtig ein Geschmacks-Comeback. „Ausgelöst durch den Halloween-Brauch, der vor einigen Jahren aus den USA zu uns herübergeschwappt ist”, weiß Landwirtin und Kürbisfachfrau Agnes Mertin. Natürlich - als beleuchtete Grusel-Figur lieben ihn die Kinder und als herbstlicher Dekoartikel verschönert er so manchen Hauseingang. Doch mittlerweile hat selbst die Sterneküche die einstige Arme-Leute-Frucht für sich entdeckt. Und auch Agnes Mertin bemüht sich, den Kürbis von seinem angestaubten Image zu befreien. „Entgegen vieler Annahmen handelt es sich dabei um kein Gemüse”, klärt sie den Unwissenden über einen der größten Irrtümer in Sachen Kürbisgewächs auf. „Botanisch gehört er zur Familie der Beeren.” Der Kürbis: die größte Beere der Welt. Kein Witz. Denn Beeren sind Früchte, deren Kerne frei im Fruchtfleisch liegen. Ein Kriterium, das der Kürbis erfüllt. Auch sonst herrschte Ungläubigkeit angesichts seiner mannigfaltigen Verwendung. In sämtlichen Variationen und Konsistenzen - als Suppe, Quiche oder Brot, sogar als Marmelade und Chutney - wurden die Kürbisspeisen auf dem Fest angeboten.
Skepis bei älteren Besuchern
Man probierte und staunte - doch nicht jeder Hofbesucher zeigte sich von der Frucht begeistert. Helga Plautz blieb skeptisch. Zu präsent waren noch die Erinnerungen. „In meinem Leben hab ich genug Kürbis gegessen”, sagte die Rentnerin und erklärte auch gleich warum. „Nach dem Krieg war der Kürbis so etwas wie ein Nationalgericht. Günstig, konnte im Schrebergarten angebaut werden.”
Zur Zier, so fügte sie schließlich versöhnlich hinzu, gefielen ihr die Kürbisse aber ganz gut.Reaktionen, die Agnes Mertin kennt und für die sie Verständnis hat. „Bei Kürbis denken ältere Menschen häufig noch an den gelben Zentner, der auf jedem Komposthaufen wächst”, sagt sie. Dass aber die Produktpalette seit den Fünfziger Jahren stetig zugenommen hat, versucht sie ihren Kunden zu vermitteln. Nicht nur durch Form und Farbe zu unterscheiden, sondern auch am Geschmack: „Moschuskürbisse haben ein nussiges Aroma, während das Fruchtfleisch von kleinen Gartenkürbissen eher süßlich schmeckt.”
Generell gelte aber, dass ein Kürbis wenig Eigengeschmack habe und erst durch Zutaten zur Delikatesse werde. Als wahres Allround-Talent habe sich der Kürbis bei ihr zuhause entwickelt. Egal ob Grillen, Braten, Pürieren, Dünsten - oder eben zur Dekoration. „Nichts, was man nicht mit ihm machen kann”, meint die Landwirtin begeistert.
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