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Kein Freibrief für Grevler Solarkraftwerk

23.02.2012 | 11:45 Uhr
Kein Freibrief für Grevler Solarkraftwerk
Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote warb für das Solarkraftwerk in Grevel. Foto: Jochen Linz

Grevel.Würde ein Solarkraftwerk auf der Altdeponie in Grevel das Naherholungsgebiet verschandeln und ein Stück Naturraum zerstören? Unterschiedliche Antworten auf diese Fragen nahmen am Mittwoch Abend (22. Februar) etwa 100 Bürger mit nach Hause, die sich während einer Info-Veranstaltung das Pro und Contra zur geplanten Anlage angehört hatten.

Einen Persilschein für das Kraftwerk, das auf einer Fläche von 2,8 ha eingezäunt würde, wollten die Bürger weder den Investoren noch der Stadt ausstellen. Zwar widersprach niemand Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote, der für den Energie-Umstieg auf Sonne, Wind und Erdwärme warb. Die Bürger hatten jedoch einige Fragen und Bedenken mitgebracht. Hier die wichtigsten Auszüge.

 Würde das Projekt die Naherholung einschränken? Wanderwege, Reitweg und Aussichtspunkte würden nicht berührt. Das versicherte Stefan Schlepütz für seine Firma Solarplus GmbH (Dortmund), die mit Sun Energy Europe (Hamburg) in Grevel 1,3 Megawatt Strom aus Sonne gewinnen will. „Damit ließen sich fast 300 Haushalte versorgen und knapp 900 Tonnen Kohlendioxid einsparen.“

 Würden die aufgeständerten Module die Aussicht behindern? Nein, meinte Investor Schlepütz. Nur beim Fußweg aufs Deponiedach seien die Solarflächen sichtbar. Umweltamtsleiter Dr. Grote meinte: Auf dem Weg hinauf könnte man Schulklassen und anderen Besuchern den ökologischen Wert der Anlage erklären.

 Würde das Solarkraftwerk Tiere und Pflanzen vertreiben? Vermutlich nicht, meinte der Investor. Zwar müsse aus Sicherheitsgründen ein Zaun um die Anlage gezogen werden. Vögel würde das nicht stören. Im Gegenteil. Sie erhielten im Inneren neue, ungestörte Rückzugsgebiete. Auch könnte sich das Artenspektrum der Pflanzen erhöhen, da unter den aufgeständerten Glasflächen neue Lebensräume entstünden (lichter Schatten, trockene Flächen). Dr. Grote ergänzte: Vor dem Bau der Anlage würde geprüft, ob besonders schützenswerte Arten berücksichtigt werden müssten.

 Landschaftswächter Manfred Mertins und andere Bürger regten an, Rücksicht auf den gewachsenen Naturraum und die Aussichtsadresse zu nehmen und besser einen anderen Standort zu wählen. Es gebe keine geeigneten Flächenalternativen, so die Antwort von EDG und Stadtverwaltung.

 Landschaftswächter Mertins machte darauf aufmerksam, dass insbesondere ältere und preiswerte Anlagen aus China Giftstoffe wie Blei, Cadmium und Quecksilber freisetzen könnten. Deshalb müssten weniger problematische Siliziumzellen verwendet werden. Schlepütz bestätigte, dass die Anlagen wohl aus China kämen. Sie seien aber später ohne Probleme recycelbar. „Die Anlagen aus China sind konkurrenzlos günstiger. Das ist nun einmal so. Jeder Zweite von Ihnen fährt ja auch eine ausländische Automarke …“.

Großen Raum nahm die Frage ein, ob für das Solarkraftwerk unbedingt Freiraum geopfert werden müsse. Manche Bürger meinten: Es stehe genug versiegelte Fläche zur Verfügung. Dem widersprachen Dr. Grote (Umweltamt) und Stefan Schlepütz (Solarplus GmbH). Leider seien viele Privatbesitzer nicht bereit, ihre Dächer zu bestücken. Die Stadt werbe deshalb „täglich“ dafür, so Dr. Grote. Schlepütz an die Adresse einer Bürgerin: „Nennen Sie mir Hausbesitzer, deren Dächer wir nutzen können.“

Bevor das Solarkraftwerk auf der Deponie gebaut werden darf, muss der Regierungspräsident in Arnsberg grünes Licht geben.

Dort liegen neben dem Antrag auf Genehmigung auch schriftliche Bedenken gegen diesen Standort vor.

Alexander Ebert

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