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Igel finden Zuhause auf dem Hauptfriedhof Dortmund

24.07.2012 | 06:00 Uhr
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Igel finden Zuhause auf dem Hauptfriedhof Dortmund
Hier fühlt sich nicht nur der Igel wohl: Julia und Doris Steinke, Sigrid Müller und Rosemarie Adam (v. li.) stellen die neuen Behausungen auf dem Hauptfriedhof vor. Foto: Franz Luthe

Wambel.   Die Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund hat neue Tafeln zum Thema Igelschutz aufgestellt: Damit sollen die bedrohten Tiere ein Zuhause auf dem Hauptfriedhof finden. In neuen Behausungen sollen sich die Stachler wohl fühlen, was auch die Friedhofsleitung unterstützt.

Rosemarie Adam bückt sich tief, greift mit ihrem Arm in ein Loch. „Igel lieben Wurzeln. Da gibt es solche natürlichen Hohlräume“, erklärt die Expertin vom Verein Arbeitsgruppe Igelschutz Dortmund. Über der Wurzel haben die Tierschützer Äste und Tannenzapfen aufgetürmt, rechts daneben wartet ein unscheinbarer Blätterhaufen auf seine stacheligen Bewohner – Reihenhaus und Villa für Familie Igel.

Dass diese Behausungen mitten auf einem Friedhof liegen – es stört niemanden. Sigrid Müller, Betriebsleiterin Friedhöfe bei der Stadt Dortmund, schon gar nicht. „Wir fühlen uns dem Naturschutz verbunden. Es gibt ja auch einen Naturlehrpfad hier“, erklärt Müller.

Etwas abseits von den Gräberreihen mit Blick auf die Talwiese gibt es jetzt nicht nur die Igelwohnungen. Mit einer Tafel wollen die Tierschützer auch informieren, denn: „Die Tiere sind gefährdet“, betont Rosemarie Adam. „In England gibt es eine Studie mit dem Ergebnis, dass es in 15 Jahren keine Igel mehr gibt.“ Eine alarmierende Prognose, die Tierschützer wollen deshalb für die Lebensweise ihrer Schützlinge sensibilisieren. Und zwar dort, wo viele Menschen in der Natur unterwegs sind. Nach dem Rombergpark ist dies nun der Hauptfriedhof Am Gottesacker, eine Tafel im Westfalenpark soll ebenfalls kommen.

Großer Appetit auf Schnecken

Zwar hat sich das Image der Einzelgänger inzwischen verbessert. „Früher wurden sie gejagt weil sie angeblich an die Euter der Kühe gehen und Hühnereier fressen“, weiß Adam. Doch „das sind Ammenmärchen“. Alleine schon wegen ihrer Anatomie seien die Tiere zu so etwas gar nicht in der Lage. Heute schätzen vor allem Kleingärtner die Tiere als natürliche Schneckenfeinde. „Wir vermitteln allerdings keine Igel, da es in Schrebergärten Zäune gibt. Igel klettern nicht gerne.“

Zurück zum Gottesacker. Hier finden die stacheligen Gesellen alles, was sie brauchen. Die neu angelegten Höhlen sind so konzipiert, dass sie sofort angenommen werden. „Sie dürfen nicht zu hoch sein, da Igel sonst zu viel Wärme abgeben“, weiß die Expertin. Altbau mit hohen Decken – für die Tiere ein Graus. Was noch zu beachten ist, kann man auf der Infotafel nachlesen. Trocken sollte der Platz sein, Laub und alte Äste reichen als Schutz völlig aus. „Die Tiere bauen sie selbst aus.“ Wichtig: Der Eingang sollte weg von der Wetterseite zeigen.

Zu sehen bekommen Friedhofsbesucher die Tiere übrigens nicht, sie sind nachtaktiv und scheu. Und die Mitglieder der Arbeitsgruppe warnen ausdrücklich davor, die Behausungen nach Tieren zu durchwühlen. „Sie sind das ganze Jahr über gesetzlich geschützt und brauchen Ruhe.“

Von Wolfgang Maas

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