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Für junges Paar wird ein Lebenstraum wahr

31.08.2012 | 18:11 Uhr
Für junges Paar wird ein Lebenstraum wahr
Blick ins Maschinenhaus - hier entsteht ein Büro.Foto: Foto: Jochen Linz

Lindenhorst. Es war Liebe auf den ersten Blick. Vor einem Jahr schlenderten Tanja De Pascalis und Philipp Himmelmann-Ungerer beim Tag der Offenen Tür durch den Malakoffturm der Zeche Hardenberg. Oben im Turm fragte sich das Paar: „Ob man das hier wohl kaufen kann?“ Die Antwort lautete: Ja. Ihr Traum von den etwas anderen vier Wänden wurde wahr: Am Freitag (31. August) ging das Gebäudeensemble in den Besitz der beiden Dortmunder Privatleute über.

„Eine Erfolgsgeschichte“ nannte Ursula Mehrfeld ihren Rückblick auf die jüngste Vergangenheit des Industriedenkmals. Die Geschäftsführerin der „Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur“ erinnerte daran, dass es sich gelohnt habe, Turm und Maschinenhaus 1997 vor dem drohenden Abriss durch die RAG zu retten. 2006 und 2007 habe man die Gebäude an Dach und Fach saniert. Gut eine Million Euro seien investiert worden, um die Substanz vor nachhaltigen Schäden zu bewahren. Doch einen Käufer für das Ensemble zu finden - das erwies sich als schwierig. Bis Tanja De Pascalis und ihr Lebensgefährte Philipp Himmelmann-Ungerer 2011 zum 1. Tag der Offenen Tür kamen.

Der Besuch der beiden Ruhrgebietsfans entpuppte sich als Glücksfall für beide Seiten. Gestern unterschrieben Stiftung und Privatleute den Kaufvertrag. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Nach und nach wollen sie das Ensemble behutsam herrichten und mit modernem Leben erfüllen. Diese Summe dürfte wohl die zweite Hälfte ausmachen, schätzten die beiden neuen Eigentümer.

Arbeiten und vielleicht wohnen

Das Nutzungskonzept für das Ensemble beschrieb das Paar gestern so: In einem ersten Schritt wollen sie das Maschinenhaus als Büro herrichten. Denn Tanja De Pascalis ist Architektin und Wirtschaftsingenieurin von Beruf. Als öffentlich bestelle Sachverständige der Architektenkammer NRW müsse sie sich durch Aktenberge kämpfen; die knapp 200 Quadratmeter könne sie deshalb gut gebrauchen. Vielleicht schon Mitte nächsten Jahres möchte sie ihr neues Domizil beziehen.

Philipp Himmelmann-Ungerer wuchs in der Nachbarschaft der Zeche auf, ist Jurist von Beruf und wünscht sich, eines Tages mit seiner Lebensgefährtin in dem Anbau des Malakoffturms wohnen zu können - die erforderlichen Genehmigungen vorausgesetzt. Dort stünden 60 bis 70 Quadratmeter zur Verfügung. Über dem Turm selbst schwebt noch ein kleines Fragezeichen. Das Paar möchte ihn behutsam renovieren, mit wechselnden Objekten (der Industriekultur) bestücken und ihn so als Ausstellungsort etablieren. Der Jurist versprach: „Wir werden uns in Zukunft am Tag der Offenen Tür beteiligen.“ Hin und wieder könne die interessierte Öffentlichkeit also einen Blick den Turm werfen. Außerdem wolle man den Draht zur Stiftung halten, um Ideen oder Erfahrungen auszutauschen.

Vielleicht gerade weil die neuen Besitzer vom Fach sind, stürzten sie sich nicht Hals über Kopf in ihren Lebenstraum. „Es gab eine Phase der Aufs und Abs“, sagte Philipp Himmelmann-Ungerer gestern im Gespräch mit der Redaktion.

Entscheidung reifte über Monate

Immer wieder habe man vor der Frage gestanden, welche Ergebnisse die eine oder andere Untersuchung zur Gebäudesubstanz wohl zu Tage fördern würde. Auf der langen Liste stand beispielsweise, wie der Feuerschutz auszusehen habe, welche Heizung installiert werden könne und ob das ehemalige Bergbaugelände tatsächlich problemlos, also giftfrei sei. Erst vor zwei oder drei Monaten reifte dann der Entschluss, das Ensemble tatsächlich zu kaufen.

Das junge Paar hat ein Faible für die Region mit seiner industrielle Kulturlandschaft. „Die Zeche bezahlen“ - das solle ein Lebenswerk werden. „Andere fliegen auf die Malediven - wir investieren unser Geld in dieses Projekt“, so der Jurist.

Nach dem Pressetermin gab’s Graupensuppe, Frikadelle und Mettwurst für die Geschäftspartner- wie zu Bergbauzeiten.

Stilecht soll’s eben sein.

Von Alexander Ebert



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