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Blick ins Flüchtlingslager

Fotoausstellung in Brackel zeigt Schicksale aus Bosnien-Herzegowina

24.02.2013 | 15:15 Uhr
Viele Besucher vertieften sich am Freitag in die Lektüre zur Ausstellung "Die Mädchen von Jezevac"
Viele Besucher vertieften sich am Freitag in die Lektüre zur Ausstellung "Die Mädchen von Jezevac"Foto: Schaper

Brackel.  Obwohl der Bosnien-Krieg seit 1995 als offiziell beendet gilt, haben viele Menschen noch mit seelischen Folgen zu kämpfen. Die Fotografin Cornelia Suhan fotografierte Flüchtlinge und eröffnete in der evangelischen Kirche die Fotoausstellung "Die Mädchen von Jezevac". Gezeigt werden sieben Schicksale.

Diese Ausstellung öffnet ein Fenster in ein bosnisches Flüchtlingslager. In ein Provisorium für die Menschen, die übrig geblieben und traumatisiert sind. Viele können nicht in ihre Heimat zurück. Andere wollen es auch nicht. Cornelia Suhan fliegt bereits seit Jahren nach Bosnien Herzegowina und fotografiert die Menschen, die ihr begegnen.

Kontinuität ist wichtig

Seit Freitag können nun auch die Gemeindemitglieder und Besucher der evangelischen Kirche die Geschichten der Flüchtlinge lesen und betrachten. Mit ihrer Freundin Mechthild Müser eröffnete Cornelia Suhan ihre Fotoausstellung und lud Menschen ein, um sie über die Zustände in Jezevac aufzuklären. "Kontinuität ist eben wichtig bei diesem Thema. Anders gerät es schnell in Vergessenheit", sagte die 56-Jährige und sah sich noch einmal in der Kirche um.

Insgesamt werden auf verschiedenen Bildern sieben Mädchen aus dem Flüchtlingsort Jezevac vorgestellt. Perspektivlosigkeit und Ängste prägen ihre Leben. Selbst Jahre nach der offiziellen Beendigung des Bosnien-Krieges sind sie von sexuellen Überfällen und Misshandlungen nicht sicher. Cornelia Suhan war sogar in der bosnischen Stadt Tusla unterwegs, als der Krieg noch wütete.

Sie wollte sich selbst ein Bild der Situation machen. "Man zerredet es nicht, man tut es einfach.", betonte sie. "Ich war im Notruf für vergewaltige Frauen tätig, dennoch habe ich mich nicht dazu bereit gefühlt, in solch ein Krisengebiet zu ziehen. Doch ich habe es getan. Seitdem fahre ich zwei Mal im Jahr dorthin. Es ist wie eine zweite Heimat."

Augen nicht verschließen

Unterstützung erhält Cornelia Suhan vom Verein "Vive Zene", der sich für vergewaltigte Frauen einsetzt. Auch die evangelische Kirche unterstützt die Arbeit von "Vive Zene" und trug somit zu den Erfolgen mit bei. Trotzdem wird immer noch um Hilfe gebeten. "Wir dürfen nicht die Augen verschließen. Daher ist jeder zu dieser Ausstellung willkommen."

Von Clara Meier

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