Einzigartiges Fresko im Ostchor
05.02.2012 | 16:19 Uhr 2012-02-05T16:19:00+0100
Brechten.Die St.-Johann-Baptist-Kirche in Brechten ist einzigartig. Zumindest, was das Fresko im Ostchor betrifft: „Etwas Vergleichbares haben wir in Europa noch nicht gefunden“, erzählt Thomas Schilp von der Conrad-von-Soest-Gesellschaft und dem Stadtarchiv Dortmund im Rahmen seiner öffentlichen Buchpräsentation. Gemeinsam mit Barbara Welzel von der TU Dortmund hat er den Band „St. Johannes in Brechten als Erinnerungsort des Ruhrgebiets“ herausgebracht (wir berichteten).
Das Fresko, das Thomas Schilp so fasziniert, zeigt das Jüngste Gericht. Im 13. Jahrhundert, in dem das Kunstwerk entstand, wurde eine solche Szene eigentlich in den Westabschluss einer Kirche gemalt. Geht ein Besucher in die Kirche, befindet sich über ihm das Jüngste Gericht. „Er geht also quasi ins Paradies, indem er die Kirche betritt“, erklärt Schilp. Das ist in Brechten anders. „Es hängt mit einem Konzil aus dem Jahre 1215 zusammen“, glaubt er. Auf diesem Konzil wurden neue Sakramente für Laien eingeführt, zum Beispiel das Beichtsakrament. Schilp ist sicher: „In diesem Kontext ist das Fresko entstanden.“
Damals war die Beichte ein öffentlicher Akt, die Gemeinde konnte sehen, wer zur Beichte ging und wer nicht. Wenn sich der Beichtende erhob, sah er rechts und links neben dem Altar die Fresken von Maria als Himmelskönigin und Gottesmutter und vom Kirchenpatron Johannes Baptist. „Johannes ist noch mit einem Schriftband versehen, darauf steht ‚Leiste Buße‘. Das passt zur Beichte“, so Schilp.
Leiste Buße
Die Malerei vom Jüngsten Gericht an der Decke des Ostchores konnte die Gemeinde im Mittelalter von den Bänken aus immer nur ausschnitthaft sehen. „Dadurch blieb es geheimnisvoll.“ Schilp ist noch immer beeindruckt von der Szenerie: „Es ist ein Juwel über den Augenschmaus hinaus, ein Geschenk, weil es eine so weitreichende Bedeutung hat.“ Die Fresken im Ostchor der Kirche sind nicht die einzigen Besonderheiten der Johann-Baptist-Kirche. Auch der Taufstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. „Allerdings wurde er im 19. Jahrhundert überarbeitet. Das würden wir heute nicht mehr tun“, beschreibt Barbara Welzel. So stünde der Stein heute für zwei Jahrhunderte. Eine Rosette, die der Fensterrose von Notre Dame nachempfunden ist, hat es Thomas Schilp ebenfalls angetan. „Der Maler muss vorher das Original gesehen haben“, vermutet er. Die Teilnehmer des Symposions, die die Kirche im August 2010 genau untersuchten, haben außerdem die Bedeutung der Nischen in den Wänden herausgefunden. „Jesus wurde zum Beispiel an Himmelfahrt dort hinaufgezogen oder man hat Tauben von dort fliegen lassen“, erklärt Schilp.
Gelungene Begegnung
In seinem Grußwort freute sich Hanno Gerke, Pfarrer von St. Johannes, über die Ergebnisse: „Das ist ein Beispiel für die gelungene Begegnung zwischen Wissenschaft und dem Leben vor Ort.“ Immer wieder habe er gehört, dass sie gar nicht wussten, wie bedeutsam ihre Kirche sei. „Das hat uns das Symposion vor Augen geführt, dass unsere Kirche einzigartig ist, ein Erinnerungsort des Ruhrgebiets.“
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