Ein Stein für Hannelore, die verschwand
12.02.2008 | 16:49 Uhr 2008-02-12T16:49:25+0100Derne. Einen Stein für Hannelore lässt Karl Augustiniak in die Plexiglassäule auf Bahnsteig 31 herab. Er kannte das Mädchen, das aus Haltern kam und bei Verwandten namens Hayum in Kirchlinde wohnte. Jeden Tag sah er sie Milch holen. ...
... Und dann eines Tages nicht mehr. Jetzt erinnert er sich wieder. Der Stein für Hannelore ist einer von 350, die die durchsichtige Säule füllen, die Kerstin Edler und Manfred Brückner vor dem "Zug der Erinnerungen" aufgestellt haben. Die Namen der 102 Kinder aus Dortmund, die von den Nazis mit der Reichsbahn in die Vernichtungslager deportiert wurden, stehen darauf.
Kerstin Edler ist stellvertretende Leiterin der AWO-Jugendfreizeitstätte Derne. Manfred Brückner ist ein Künstler aus Ahlen, der seit dem vergangenen Sommer in Derne mit Kinder und Jugendlichen arbeitet: Friedenskünstler heißt die Reihe der Veranstaltungen. Die "Säule der Erinnerung" ist der dritte Teil des Projekts.
Bis 20 Uhr auf Bahnsteig 31
Am Montagabend war die 2,50 Meter große Säule gut drei Viertel mit Steinen gefüllt. "Jetzt schreiben nicht mehr alle Jugendlichen aus einer Klasse jeweils einen Stein, jetzt können nur noch zwei, drei Steine pro Klasse beschrieben werden", sieht der Künstler es praktisch. Seit Montag steht er von 9 bis 20 Uhr vor dem Zug, heute Abend erst kann er einpacken.
Die erste Klasse am Dienstagmorgen auf dem Bahnsteig war die 7 c des Heisenberggymnasiums. Nach dem Gang durch den "Zug der Erinnerung" beschreiben die Schüler und Schülerinnen einige Steine mit Namen der ermordeten Kinder. Das Herablassen in die Säule passiert mit viel Sorgfalt von einer Leiter aus und mit Hilfe eines langen Schals. "Man kann die Steine ja nicht einfach hineinwerfen", meint Brückner. Die Namen, die die Jugendlichen auf die Steine schreiben können, hat Brückner in einer Liste am Stand ausliegen. Bis heute Abend steht die Säule auf dem Bahnsteig 31, dann wird sie abgebaut und findet einen neuen Standort vermutlich in der Steinwache, sagt Edler.
Für die AWO ist das Kapitel der Beteiligung der Bahn an der Deportation der später ermordetenen Menschen nicht zuende. Wie Kerstin Edler ankündigt, unternimmt der Unterbezirk Dortmund eine Gedenkstättenfahrt vom 7. bis zum 9. Mai. Die Fahrt endet in Auschwitz, dort, wo auch der "Zug der Erinnerung" seine letzte Station hat.
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