Ein politisches Wechselbad der Gefühle
14.09.2012 | 19:34 Uhr 2012-09-14T19:34:00+0200
Eving. Er wollte als Bezirksbürgermeister in Eving nach der Wiederholungswahl für die SPD kandidieren, fand jedoch nur einen Tag vor der konstituierenden Sitzung in seiner Fraktion keine Mehrheit mehr. Helmut Adden, der die Evinger Fahne als Bezirksbürgermeister fast zehn Jahre lang hochgehalten hat, spricht von „innerparteilichen Intrigen“, die drei Wochen lang gegen ihn gelaufen seien.
Er wollte als Bezirksbürgermeister in Eving nach der Wiederholungswahl für die SPD kandidieren, fand jedoch nur einen Tag vor der konstituierenden Sitzung in seiner Fraktion keine Mehrheit mehr. Helmut Adden, der die Evinger Fahne als Bezirksbürgermeister fast zehn Jahre lang hochgehalten hat, spricht von „innerparteilichen Intrigen“, die drei Wochen lang gegen ihn gelaufen seien.
Der „Alte“
Die Wunden sind tief, die die eigene Partei ihm geschlagen hat. So tief, dass Adden nun aus der SPD austreten wird, der er 34 Jahre lang die Treue gehalten hat. „Ein Wechselbad der Gefühle“ hat er hinter sich. „Doch letztendlich war das die einzige Lösung für mich“, erklärt der 67-Jährige. Im Jahr 1979 wurde er in die Bezirksvertretung gewählt, 20 Jahre war er Fraktionsvorsitzender, acht Jahre Bezirksbürgermeister. Noch ein Jahr lang wollte er dieses Amt ausfüllen, dann sollte ein Jüngerer die Nachfolge antreten – vor der Kommunalwahl, „damit die Wähler den Neuen schon vorher kennenlernen“. So sei es mit der Fraktion abgesprochen gewesen.
Doch die wollte den Neuen jetzt schon. Am Mittwochabend, noch nicht einmal 24 Stunden vor der konstituierenden BV-Sitzung war klar, dass Adden beim zweiten Wahlgang in der Fraktionssitzung scheitern würde. Zuerst stand es 5:5, dann 8:1 für Oliver Stens mit einer Enthaltung. Und mit Addens Parteiaustritt am nächsten Tag ist die SPD, die im Stadtbezirk Eving bei der Wiederholungswahl traumhafte 56 Prozent geholt hat, nun auch ihre Mehrheit in der Bezirksvertretung wieder los.
Addens Herz schlägt aber weiterhin für den Stadtbezirk Eving, und die Ziele seiner Ex-Partei sind in der Regel auch die seinen: „Ich werde keinen Rachefeldzug gegen die SPD starten, aber jetzt bin ich frei.“
Der „Neue“
Dafür will sich „der Neue“ jetzt mächtig ins Zeug legen, denn er wäre so oder so der Nachfolger von Adden geworden. Oliver Stens ist in Eving geboren, 44 Jahre jung, in drei Tagen 21 Jahre verheiratet und hat zwei Töchter. Als echter Evinger Junge hat er natürlich im Bergbau gelernt, ist als Sprengbeauftragter auf Minister Stein eingefahren. Stens, der nach der Zechenstilllegung als Haustechniker arbeitet, ist zwar erst seit acht Jahren Mitglied der SPD, hat die Vereinsarbeit jedoch schon in jungen Jahren kennengelernt. Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten trat er dem Vorläufer der Interessengemeinschaft Evinger Vereine bei, deren Vorsitzender er heute ist. Als Bezirksbürgermeister will er sich „über alle Parteigrenzen hinweg“ mit allen Kräften für das Wohl des Stadtbezirks stark machen. Und auch die Arbeit seines Vorgängers wird er fortsetzten, „denn die war gut“. Er sei sehr erschrocken gewesen, als Adden am vergangenen Donnerstag seinen Parteiaustritt erklärt habe – von Intrigen wüsste er nichts.
Der Platzhalter
Ins gleiche Horn stößt der in der BV Eving wiedergewählte SPD-Fraktionssprecher Hans-Jürgen Unterkötter: „Davon weiß ich nichts.“ Vielmehr hätten die Mitglieder der Fraktion nur einen Beschluss umgesetzt, der vor drei Jahren während einer Klausurtagung im Sauerland beschlossen worden sei: „Wir wollten bei den nächsten Kommunalwahlen einen Generationswechsel in der Bezirksvertretung in die Wege leiten.“ Dass dieser Fall nun früher eingetreten sei, damit müsse der Ex-Bezirksbürgermeister nun eben leben. „Ich habe kein Verständnis dafür, wie Helmut Adden reagiert hat.“ Und die Fraktionssitzung sei nur deshalb so kurz vor der konstituierenden Sitzung einberaumt worden, weil er selbst erst an diesem Tag aus der Kur zurück gekommen sei.
Unterkötter will 2014 nicht mehr antreten. Dass er jetzt wiedergewählt worden sei, habe einen ganz einfachen Grund: „Einer muss doch noch hier sitzen, der Erfahrung hat.“
Aber auch Adden kennt sich aus in der Politik.
22:39
Wie soll da Vertrauen aufgebaut werden?
Was fuer eine Provinzposse