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Dortmunder wollen mehr Natur-Bestattungen in Hain- und Baumgräbern

31.10.2012 | 10:00 Uhr
Dortmunder wollen mehr Natur-Bestattungen in Hain- und Baumgräbern
Auf dem Bezirksfriedhof Scharnhorst gab es nun die ersten Bestattungen in Haingräbern.Foto: Jochen Linz/PiLi

Dortmund.   Begraben neben der Wurzel eines Baumes: Naturnahe Bestattungen nehmen auch in Dortmund immer mehr zu. Auf dem Bezirksfriedhof Scharnhorst und Hauptfriedhof bietet die Stadt Hain- und Baumgräber an. Nicht nur aus Kostengründen für viele interessant.

Premiere auf dem Bezirksfriedhof Scharnhorst: Auf der ellipsenförmigen Fläche in der Nähe des Trauerhallenausgangs gibt es die ersten beiden Haingräber. Auf 5200 Quadratmetern wurden nun in dem „kleinen Wäldchen“, wie es Dortmunds städtische Friedhofs-Betriebsleiterin Sigrid Müller nennt, erstmals Urnen nahe der Wurzeln eines Baumes vergraben. Kürzlich hatte die Bezirksvertretung zudem grünes Licht erhalten, am Bezirksfriedhof auch Baumgräber auf den 3500 qm der Wildwiese entlang der Leveringstraße einzurichten.

„Wir sind damit einem Wunsch aus der Bevölkerung nachgekommen“, erklärt Müller. „Außerdem lässt sich speziell bei jüngeren Leuten ein Trend feststellen, und zwar werden naturnahe Bestattungen der Urnen oder Asche immer stärker nachgefragt.“ Für SPD -Bezirksvertreter Heinz Pasterny, der den Wunsch aus einem Bürgerforum in Scharnhorst-Ost weitergetragen hatte, kommt noch ein anderer Aspekt hinzu: die Kosten. „Hain- und Baumgräber bieten eine würdige Fläche für Bestattungen. Und nach einmaliger Investition entfallen Ausgaben für die Grabpflege.“

Familien können sich bis zu vier Obstbaumgräber sichern

Ein Haingrab kostet 1700 Euro, maximal zwei Personen können etwa unter einer Kiefer oder Fichte beerdigt werden. Familien können sich bis zu vier Obstbaumgräber (zu je 2500 Euro) sichern, wie etwa auf der Wildwiese am Bezirksfriedhof Scharnhorst. Dort wurden nun im Herbst Apfel- und Birnenbäume gepflanzt, in entsprechendem Abstand zu den jungen Wurzeln können dort ebenfalls ab sofort Verstorbene in einer Keramikhülse bestattet werden. „Der Abstand einer Urne richtet sich nach der Bodenbeschaffenheit, das wird von Gärtnern festgelegt“, erklärt Müller.

Das Prinzip orientiert sich am Modell eines Friedwalds, den es etwa in der Nachbarstadt Hagen gibt. Auch in Dortmund nimmt diese Bestattungsart immer mehr zu, wenn auch in kleinerer Form und an viele Stellen. Naturgräber auf Friedhöfen gibt es seit längerem schon in Kemminghausen (unter Obstbäumen), Hombruch und Westerfilde (jeweils Haingräber). In Marten und seit zwei Monaten auch auf dem Hauptfriedhof in Wambel bietet die Stadt beide Modelle an. „Hier haben wir natürlich viel Platz“, so Müller. Zwei Haingräber gebe es hier auf dem etwa 3000 Quadratmeter großen Feld 116, unter einem Obstbaum auf dem 1800 qm großen Feld 113 gab es seit Ausweisung des Hauptfriedhofs bisher eine Bestattung. „Die Nachfrage wird weiter anwachsen, noch sind die Zahlen aber überschaubar“, meint Müller.

Erdwahlgräber ebenfalls neu

Auf dem Bezirksfriedhof Scharnhorst gibt es eine weitere Neuerung: Zusätzlich zu den Baumbestattungen wird demnächst eine Fläche für Erdwahlgräber angeboten. Das Bepflanzen und die Pflege des Grabes übernimmt die (jeweilige) Friedhofsleitung, somit bleibt es bei den einmaligen Kosten von 3500 Euro. „Es besteht dabei eine Auswahl, wo der Sarg in den Boden eingelassen wird“, erklärt Müller, die generell den Trend hin zu anonymer Bestattung bedauert. Sowohl diese Bestattungsart als auch die Naturgräber werden für 25 Jahre vergeben, wie bei vielen Grabarten üblich.

„Wir werden in diesem Jahr noch einmal einen neuen Flyer aufsetzen, um über die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten zu informieren“, kündigt Müller an. Aktuell gibt es 13 verschiedene Varianten. „So langsam ist das Spektrum ausgeschöpft. Ich glaube nicht, dass in nächster Zeit noch neue Modelle hinzukommen.“

Steffen Gerber

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