Derner Schule wird Flüchtlingsheim

Blitzaktion: Die Stadt lässt in aller Eile die ehemaligen Hauptschule Derne für Flüchtlinge herrichten.
Blitzaktion: Die Stadt lässt in aller Eile die ehemaligen Hauptschule Derne für Flüchtlinge herrichten.
Foto: Linz/PiLi

Derne..  Die ehemalige Hauptschule Derne wird überraschend zu einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien oder dem Iran. Vorübergehend, wie es heißt. Mit dieser Lösung wollen Stadt und Land den Engpass in Hacheney auflösen - und zwar schon an diesem Wochenende. Die Blitz-Aktion führt bereits zum ersten politischen Aufschrei.

Seit einigen Wochen nehmen die Flüchtlingsströme in der Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtung im Stadtteil Hacheney u. a. aus Mazedonien, Syrien, Serbien, Iran und dem Irak zu. Die Kapazitäten (300 Plätze, 50 Reserveplätze) seien mehr als erschöpft, so die Stadt gestern. Seine Not meldete Dortmund dem Land. Als Notlösung sagte Düsseldorf zu, die Verweildauer in den Landeseinrichtungen von zwölf auf zirka zwei Wochen zu verkürzen, um so eine raschere landesweite Unterbringung der Flüchtlinge zu gewährleisten.

Raum für 250 Menschen

Aber auch das wird das Problem nicht lösen. So musste die Stadt nach weiteren Unterbringungsobjekten suchen - und wurde mit der Ex-Hauptschule Derne fündig. „Die dortigen Räumlichkeiten sind zur vorübergehenden Aufnahme von rund 250 Personen geeignet“, teilte die Stadt gestern mit. Der Betreiber der EAE Hacheney, European Homecare (EHC), werde für die erforderliche Logistik vor Ort (Betten, Verpflegung etc.) sorgen und die städt. Immobilienwirtschaft für die Instandsetzung defekter Einrichtungsgegenstände sowie der Heizungsanlage.

„Dies ist für die Stadt Dortmund eine absolute Notlösung, die nicht auf Dauer eingerichtet bleiben wird. Auch gegenüber dem Land Nordrhein-Westfalen wird dies so kommuniziert“, so die Stadt weiter.

Die Not scheint groß: Bereits am kommenden Wochenende (8./9. September) werden erste Flüchtlinge in der alten Hauptschule Derne ihr vorübergehendes Quartier beziehen. Gestern waren bereits Kräfte von Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr und Handwerker an der Altenderner Straße, um die Immobilie und deren Umfeld zu sondieren. Generell leidet das Haus an starkem Substanzverlust; die Stadt hatte in der Vergangenheit wenig investiert. Die Bürger vor Ort werden aktuell mit Hauswurfsendungen informiert; nächsten Mittwoch soll eine Bürgerversammlung stattfinden (siehe Artikel unten).

Schmidt: Gebäude ist ungeeignet

Scharnhorsts Bezirksbürgermeister in spe äußerte sich bereits am Donnerstag (6. September) gegenüber unserer Zeitung. Rüdiger Schmidt begrüßte grundsätzlich, dass Deutschland Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten aufnehme. Diese Menschen hätten ein Recht auf Asyl. Die Frage sei aber, wie man sie unterbringe. Die Hauptschule sei bestenfalls eine Notlösung für wenige Wochen, nicht aber für Monate oder gar Jahre, wie sich andernorts gezeigt habe.

Schmidt: „Die Hauptschule Derne ist ein 100-jähriges Gebäude und verfügt m. E. nicht über die notwendige Infrastruktur wie Badezimmer, Duschen und Toiletten. um eine so große Zahl von Männern, Frauen und Kindern zu beherbergen.“

Schmidt erinnert daran, dass im vergangenen Winter die Wasser- und Heizungsrohre geplatzt waren. Die Reparatur sei eher notdürftig erfolgt, die Anlage sei eben marode.

Auch müssten die Menschen vor Übergriffen durch Rechte und vor Auseinandersetzungen untereinander geschützt werden. Dazu brauche es ständig Betreuer vor Ort. Das alles sei sehr unglücklich.