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Entschädigungen für Hausbesitzer

Bergschäden für die Ewigkeit

03.01.2013 | 15:26 Uhr
Bergschäden für die Ewigkeit
Techniker Michael Müller baut das analoge Nivelliergerät auf.Foto: Jochen Linz/PiLi

Im Nordosten.   Sie reihten sich früher wie eine Perlenkette aneinander, die großen Zechen im Dortmunder Nordosten: Gneisenau in Derne, Minister Stein in Eving, Fürst Hardenberg in Lindenhorst. Die Zechen sind schon lange stillgelegt, doch ihre Abbauflöze sind noch da. Unsichtbar und gefährlich.

Sie reihten sich früher wie eine Perlenkette aneinander, die großen Zechen im Dortmunder Nordosten: Gneisenau in Derne, Minister Stein in Eving, Fürst Hardenberg in Lindenhorst. Die Zechen sind schon lange stillgelegt, doch ihre Abbauflöze sind noch da. Unsichtbar und gefährlich. Bergschäden, Schieflagen und Tagesbrüche sind auch in Dortmund nicht selten.

Besonders im Süden der Stadt konnte das schwarze Gold oberflächennah gefördert werden. Dort gibt es Flöze in einigen Metern Tiefe, die in keiner Bergbaukarte verzeichnet sind. Tagesbrüche sorgen hier häufig für Ärger.

Nur Schächte werden zugeschüttet

Dagegen liegen die Flöze im Nordosten der Hansestadt hunderte von Metern tief. Dort sackt der Boden sehr langsam ab. Wie in den Stadtteilen Eving, Lindenhorst, Brechten und Kirchderne, in der viele ältere Häuser nicht mehr gerade stehen.

Die Summen, die die Ruhrkohle AG (RAG) Eigenheimbesitzern für die Reparatur ihrer schiefen Häuser auszahlen muss, sind immens. Aber die Kosten für eine Verfüllung der Flöze wären wesentlich höher. Daher werden nach einer Stilllegung der Bergwerke nur die großen Schächte zugeschüttet – die kleinen brechen irgendwann von selbst zusammen. Doch die RAG zahlt nicht unendlich lange für Bergschäden. „30 Jahre nach der Zechenschließung ist in der Regel Schluss“, sagt Magnus von Bormann, Leiter der Bergschadensabteilung des Bochumer Ingenieur- und Vermessungsbüros Altegoer.

Die 30-jährige Verjährungsfrist beginnt aber erst zehn Jahre nach Abbauende. Da manche Schächte jedoch nach der Zechenschließung von benachbarten Bergwerken weitergenutzt werden, bleibt eigentlich viel Zeit für Menschen, die im Einzugsbereich liegen, ihre Schäden zu melden. Doch die Kohle-Subventionen vom Bund laufen im Jahr 2018 aus. „Dann wird es extrem schwierig, noch Schäden anzumelden“, vermutet von Bormann.

Bautoleranz bis zwei Millimeter

Im Stadtteil Eving, im Einzugsbereich der ehemaligen Zeche Minister Stein (Abbau bis 1988) sind derzeit in der Märchensiedlung mehrere Häuser in „aktiver Bearbeitung“. Entschädigt werden die Eigentümer ab einem Mittelwert von zwei Millimetern Schieflage pro laufendem Hausmeter. Alles was darunter liegt, gilt als „Bautoleranz“.

Michael Müller und Matthias Klenner vom Ingenierbüro Altegoer sind von montags bis freitags in ganz NRW unterwegs und suchen nach Schieflagen in und an Gebäuden. Im Gepäck haben sie unter anderem eine Messlatte und ein analoges Nivelliergerät. Damit fixieren sie spezielle Messpunkte an den Hausmauern. Kleine Bolzen, die die Eigentümer einst von der Ruhrkohle anbringen ließen, als die Zechen noch aktiv waren. Diese Bolzen dokumentieren die Schieflage jedoch nur an älteren Häusern, die in ihrer Ursprungsform noch vorhanden sind. Bei Um- und Anbauten wurden die Messpunkte oft entfernt oder unter Putz gelegt. Dann kommt die Schlauchwaage zum Einsatz. Die Techniker suchen in den Räumen nach „alten Ebenen“ – das heißt, Decken und Böden, die im Original noch vorhanden sind. Dort wird ein Schlauch von einer Ecke zur nächsten gelegt und mittels einer elektronischen Waage die Schieflage ausgelotet.

Die Techniker werden fast immer fündig. Wie an der Deusener Straße, wo ein Hausbesitzer kürzlich mit 15 000 Euro entschädigt wurde. „Dazu kommen dann noch die Sanierungskosten. Die werden extra gezahlt“, weiß Michael Müller.

Messungen sind kostenlos

Nicht nur in Eving oder Brechten gibt es starke Bergsenkungen. Auch in Lanstrop, dem Einzugsbereich der Zeche Haus Aden/Monopol (Bergkamen) wo noch bis 1998 aus Flözen das schwarze Gold gefördert wurde, stehen viele Häuser schief. Dort sind die Vermesser ständig im Einsatz. Nur auf die Auswertung, da müssen die Betroffenen oft lange warten. Manchmal sogar Jahre. Denn die RAG-Mühlen mahlen langsam. „Die gucken sich jeden Fall genau an, bevor sie zahlen“, erklärt von Bormann.

Die Messungen selbst sind für die Hausbesitzer übrigens kostenlos. Auch wenn die Schieflage einmal unerheblich sein sollte, brauchen die Betroffenen nicht zu zahlen. Zur Kasse gebeten wird nur die Ruhrkohle.

Von Susanne Meyer



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