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Aus Kindern werden Leute

28.09.2009 | 16:56 Uhr
Aus Kindern werden Leute

Wambel. Ganz schön groß sind sie geworden, die Kleinen aus dem Kindergarten St. Meinolfus. Nun, überraschend war's nicht unbedingt, als am Wochenende zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung ehemalige Schützlinge eingeladen waren. Viele der rund 100 Gäste sind St. Meinolfus bis heute verbunden.

Eine von ihnen ist Cornelia Wiedemann. Wie bei kaum einer anderen ist Wiedemanns Leben mit dem Kindergarten verknüpft: zunächst als Kind, dann als Auszubildende, schließlich als Leiterin. Als die Einrichtung gerade ein Jahr alt war, wurde die kleine Cornelia drei. Damals, 1960, ging sie noch in die Gruppe 1, vor 15 Jahren wurden aus den Zahlen Tiere: Bären, Katzen und Marienkäfer statt Nummern. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Gruppen 1 und 2 nur durch eine herausnehmbare Wand getrennt waren”, so Wiedemann. Denn die zweigruppige Einrichtung erhielt schnell eine dritte hinzu.

Vor 50 Jahren nannten die Kinder die damalige Leiterin noch Tante Leni. Leni Stoppok war die erste Chefin, es folgten zwei weitere bis Cornelia Wiedemann vor 24 Jahren ihr zweites Kindergarten-Comeback feierte (das erste als Auszubildende wöchentlich am Praktischen Tag). So lange wie die 52-Jährige hielt es niemand auf dem Leitungs-Posten aus.

1500 Kinder besuchten die Einrichtung in 50 Jahren, über die Hälfte lernte die Wambelerin kennen. „Ganz viele unserer Kinder sind Wambel treu geblieben. Wenn ich unterwegs bin, treffe ich immer bekannte Gesichter.” Ausgerechnet ihr Sohn Benni verließ Wambel vor einigen Jahren. Weit kam der 22-Jährige nicht: „Ich wohne jetzt in Körne.” An seinen Kindergarten hat er nur gute Erinnerungen. An den Bauteppich zum Beispiel: „Wir wollten immer den höchsten Turm bauen, den es gibt. Das ging aber nur, wenn einer im Turm selbst war.” Verließ derjenige das Bauwerk, purzelten die Bauklötze natürlich herunter. Messdiener, Pfadfinder – Benni Wiedemann ist seiner Gemeinde treu geblieben. Und als der KiGa vor drei Jahren Geldsorgen hatte, „da war es selbstverständlich, dass wir einen Sponsorenlauf organisieren.” Ergebnis: 5000 €.

Die Arbeit im Kindergarten hat sich verändert im Laufe der Zeit. „Wir haben jetzt Elternsprechtage, beobachten die Kinder viel intensiver und führen Bildungsdokumentationen”, sagt Leiterin Wiedemann. Die größte Veränderung brachte allerdings das Kibiz vor etwas über einem Jahr. Die klassische geteilte Öffnungszeit wich dem langen Tag von 7 bis 16 Uhr. Mittags wird jetzt aufgetischt. 13 von 75 Kindern haben das Maximum von 45 Stunden gebucht – Tendenz steigend.

Bei aller Bürokratie und Schreibtischarbeit ist Cornelia Wiedemann eines noch immer besonders wichtig: „Die Kinder sollen sich wohlfühlen.” Das klappt offenbar, sonst wären kaum 100 Ehemalige zur Feier gekommen, die teils schon eigene Kinder in St. Meinolfus haben.

Andreas Graw

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