Auf Gneisenau beginnt die Zukunft
11.08.2009 | 18:01 Uhr 2009-08-11T18:01:00+0200
Derne. Die „Zeche Zukunft” auf dem ehemaligen Gneisennau-Gelände in Derne startete am Dienstag (11. August) offiziell.
In der früheren Werksdirektion an der Derner Straße 540 finden rund 200 Menschen aus dem Stadtbezirk Scharnhorst Ausbildungs- und Beschäftigungsplätze. „Früher wurde hier Kohle gefördert, heute fördern wir Menschen”, sagte Heike Gutzmerow, Vorsitzende des Aufsichtsrates der Werkhof gGmbH, die die „Zeche Zukunft” betreibt.
Rund 3,7 Mio. Euro investierten Land, Stadt und Werkhof gGmbH in das dreistöckige Gebäude sowie in den Anbau von zwei Hallen. Das Bildungszentrum will zumeist jungen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Brücken in die Arbeitswelt bauen. Dazu stehen mehrere Werkstätten für die fünf Bereiche Holz, Metall, Kreatives, Hauswirtschaft und Textil zur Verfügung. Außerdem gibt's mehrere EDV-Räume und Besprechungszimmer.
Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer sagte vor mehreren Dutzend Gästen: Die 6 000 Arbeitsplätze von einst seien nicht zurückholbar; allerdings sei „das Geld gut angelegt”, um jungen Menschen aus schwierigen Verhältnissen Hilfe anzubieten. Langemeyer: „Wir lassen niemanden im Regen stehen.”
»Ich bin jetzt schlauer«
Der Oberbürgermeister könnte zum Beispiel Cindy gemeint haben. Die 16-Jährige drehte auf ihrer Hauptschule Ehrenrunden und schaffte dennoch den Abschluss nicht. „Schlechter Umgang”, sagt sie selbstkritisch und fügt hinzu: „Ich bin jetzt schlauer.” Zwar weiß Cindy noch nicht so recht, welchen Beruf sie später ausüben will. Dennoch holt sie in dem einjährigen Qualifizierungsangebot mit andere Jugendliche an zwei Tagen die Woche ihren Hauptschulabschluss (Klasse 9) nach und übt sich an weiteren drei Tagen die Woche als einziges Mädchen in der Metallwerkstatt an Werkstücken.
Ähnlich geht's Dennis. Der 16-Jährige ging ebenfalls ohne Abschluss von der Hauptschule nach Klasse 8 ab. Er will Maler und Lackierer werden, setzt auf den Hauptschulabschluss als Absprungbrett in eine Lehrstelle und feilt wie Cindy an seinem handwerklichen Geschick. „Falsche Kreise” hätten ihn auf schiefe Bahnen gelenkt”; inzwischen sei auch er „schlauer geworden”: „Ich will was lernen.”
Der „Werkhof” mit Hauptsitz in Unna baut jungen Menschen mehrere, unterschiedliche Brücken in Ausbildung und Arbeit. Das Spektrum reicht von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen über Bewerbungstrainings und -beratung bis hin zum Modellprojekt „Produktionsschule” für Jugendliche mit längerer Arbeitslosigkeit.
Vielen Menschen Perspektiven bieten
„Werkhof”-Geschäftsführer Herbert Dörmann sagte, er sehe in der „Zeche Zukunft” wichtige Impulse für den Stadtbezirk Scharnhorst. Vielen Jugendlichen, gerade in Scharnhorst-Ost, drohe die Ausgrenzung ohne einen Schulabschluss.
Dörmann und Gutzmerow wiesen darauf hin: Nachdem der „Werkhof” seine Arbeit über mehrere Standorte bis Körne verteilt hatte, kehre die Einrichtung jetzt (neben dem Ökolandbau) mit weiteren Bildungsangeboten nach Scharnhorst zurück. Mit der „Zeche Zukunft” wolle man ein Zeichen setzen: Das neue Haus wolle möglichst vielen Menschen neue Berufs- und Beschäftigungsperspektiven eröffnen. Übrigens: Auch der Umbau der einstigen Werksdirektion wurde zur Qualifizierung und Beschäftigung genutzt; zusammen mit örtlichen Unternehmen arbeiteten hier ehemals Arbeitslose.
Über diese Nutzung hinaus soll die „Zeche Zukunft” auch Bürgern und Vereinen offen stehen für diverse Aktivitäten, versprachen Dörmann und Gutzmerow.
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