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Asylunterkunft Derne

Anlaufstelle nur eine Notlösung

13.09.2012 | 19:23 Uhr
Anlaufstelle nur eine Notlösung
Anwohnerversammlung zur Nutzung der ex Derner Hauptschule als FlüchtlingsheimFoto: Jochen Linz/PiLi

Derne.   Knapp eine Wocheist es her, dass die leer stehende Hauptschule an der Altenderner Straße kurzerhand zur Notunterkunft für Asylbewerber umfunktioniert worden ist. Seither sorgt die neue Situation bei den Anwohnern für Gesprächsstoff. Bei einer Bürgerversammlung im Lutherhaus haben sie sich über Möglichkeiten und Aussichten informiert.

Knapp eine Wocheist es her, dass die leer stehende Hauptschule an der Altenderner Straße kurzerhand zur Notunterkunft für Asylbewerber umfunktioniert worden ist. Am vergangenen Wochenende haben erste Flüchtlinge dort ihr Quartier bezogen. Seither sorgt die neue Situation bei den Anwohnern für Gesprächsstoff. Bei einer Bürgerversammlung im Lutherhaus haben sie sich am Mittwochabend im Dialog mit Vertretern der Stadtverwaltung über Möglichkeiten und Aussichten informiert.

Nur eine Notlösung

„Die Einrichtung einer Unterkunft für Asylbewerber in Derne ist eine Notlösung“, sagt Stadtrat Wilhelm Steitz. Und weiter: „Wir tragen damit ein Päckchen für das Land.“ Er verspricht, dass die Situation nur von vorübergehender Dauer sei – auch wenn die Flüchtlingszahlen weiter steigen sollten. „Das Land wird seine Kapazitäten ausbauen“, so Steitz. Die Entscheidung sei getroffen.

Neben den Zwischenunterkünften in Hemer und Schöppingen soll eine dritte Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) gebaut werden. Somit ist die Beherbergung der Flüchtlingsströme in der Derner Notunterkunft befristet. „Die Hauptschule dient bis zum Jahresende diesem Zweck. Danach findet die Verteilung der Flüchtlinge auf Zwischenunterkünfte außerhalb von Dortmund statt“, versichert Steitz und hofft auf das Verständnis der Anwohner

Dank an Homecare GmbH

.Zusammen mit Bezirksbürgermeister Rüdiger Schmidt, Ordnungsamtsleiter Ingo Moldenhauer, Vertretern der Polizei und weiteren Ansprechpartnern steht Stadtrat Steitz den Derner Bürgern auf der Vollversammlung Rede und Antwort.

„Wir waren alle überrascht, dass die Hauptschule reaktiviert werden sollte“, meint Bezirksbürgermeister Schmidt. Sein Dank gilt insbesondere der European Homecare GmbH, die in kurzer Zeit die vorübergehende Nutzung des alten Gebäudes als Notunterkunft möglich gemacht hat. „Es gab kein anderes Objekt, dass auch nur annähernd so geeignet war, wie die ehemalige Schule an der Altenderner Straße“, sagt Stadtrat Wilhelm Steitz.

Flüchtlingszahlen steigen

Als die Flüchtlingszahlen im Juni und Juli diesen Jahres gewachsen sind, sei dies zunächst kein Grund zur Besorgnis gewesen. Ein solches „saisonales Hoch“ gebe es in jedem Sommer. Dennoch habe man für eine schnellere Verteilung der Flüchtlinge nach Hemer und Schöppingen gesorgt. Nachdem jedoch die Entwicklung der Asylanträge in Dortmund im August auf 1756 gestiegen ist, sei die Suche nach einer Notunterkunft vor Ort die einzige Lösung gewesen. Denn: Die Zahlen nehmen bundesweit zu, sodass die Kapazitäten der Unterkünfte in Hemer und Schöppingen erschöpft sind. „Die Kosten, die bei der Flüchtlingsaufnahme entstehen, werden dem Land in Rechnung gestellt“, stellt Ordnungsamtsleiter Ingo Moldenhauer klar.

Wort gehört den Anwohnern

Nachdem Steitz den generellen Ablauf des Asylverfahrens geschildert hat, gehört das Wort den Anwohnern. Die Diskussionsrunde wird von Dr. Frank Claus moderiert. Das Hauptanliegen der Bewohner im direkten Umfeld der Notunterkunft ist die Lärmbelästigung. Renate Walkenhorst von der European Homecare GmbH reagiert prompt und schlägt vor, dass der Sicherheitsdienst der Unterkunft zusammen mit Sozialarbeitern ab sofort dafür Sorge tragen werde, den Lärmpegel zu senken.

Ab 22 Uhr sollen sich die Flüchtlinge zukünftig auf die abgewandte Seite der Schule begeben. „In einem Raum schlafen und leben bis zu 40 Menschen“, schildert Walkenhorst. An den noch milden Abenden in der vergangenen Woche habe man auf dem Außengelände der Schule Freiraum gesucht.

Einige der direkten Anwohner fordern einen Zaun, der das Schulgelände umgibt – sie fürchten um ihre Sicherheit. Steitz lehnt den Vorschlag ab: „Man glaubt uns nicht mehr, dass die Notunterkunft nur bis zum Ende des Jahres bleibt, wenn wir einen Zaun errichten.“

Asylbewerber, die sich die Beine vertreten wollen, bekommen beim Verlassen des Geländes vom Pförtner einen Passagierschein. „So wissen wir zu jeder Zeit, wer sich in der Unterkunft befindet“, erklärt Walkenhorst. Zum Thema Sicherheit äußert sich auch Wilfried Böhm von der Polizei Hörde. Seit Inbetriebnahme der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für Flüchtlinge in Hacheney im April 2011 ist er für Selbige zuständig. „Mehr als eine erhöhte Lärmentwicklung und Müll, der auf den Straßen liegt, hat es nicht gegeben“, sagt Böhm. Keine Gewaltverbrechen oder vermehrter Ladendiebstahl.

Er geht davon aus, dass Derne ein Spiegelbild von Hacheney sein werde.

Keine „Diskussionstouristen“

Immer wieder ergreifen Anwohner das Wort, die sich solidarisch mit den Maßnahmen der Stadt zeigen und die Notunterkunft in der Derner Schule unterstützen. „Wir müssen uns in die Lage der Flüchtlinge hineindenken“, heißt es. Stimmen von Rechts werden geschlossen übertönt. „Diskussionstouristen“ will man nicht. Zum Ende der Vollversammlung bedankt sich Renate Walkenhorst bei den vielen Bürgern, die schon jetzt den „provisorischen Zustand“ in der Notunterkunft durch Spenden verbessert haben.

Auch der Moderator und die Vertreter der Stadtverwaltung freuen sich über die Akzeptanz der Anwohner.

Hannah Biermann



Kommentare
13.09.2012
20:26
Anlaufstelle nur eine Notlösung
von xxyz | #1

Wenn das Land finanziert, sollte man die Übergangslösung so renovieren, dass sie später nutzbar ist und möglichst schnell durch eine richtige Lösung in einer anderen Stadt ersetzen.

Derne ist an vielen Stellen hässlich genug, da tun ein paar Euros vom Land ganz gut.

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