Amputation nach Unfall - Polizei sucht flüchtigen Fahrer

Hassan Turan in der Unfallklinik: Der 37-jährige Gerüstbauer überlebte den schweren Unfall am 30. November 2014. Dennoch veränderte das Geschehen sein Leben. Er verlor seinen rechten Unterschenkel und damit seinen Arbeitsplatz.
Hassan Turan in der Unfallklinik: Der 37-jährige Gerüstbauer überlebte den schweren Unfall am 30. November 2014. Dennoch veränderte das Geschehen sein Leben. Er verlor seinen rechten Unterschenkel und damit seinen Arbeitsplatz.
Foto: Peter Bandermann
Was wir bereits wissen
Hassan Turan wurde von einem Auto überfahren und überlebte mit Glück. Doch er verlor einen Unterschenkel. Der Fahrer raste mit Vollgas davon.

Dortmund.. Als ein Autofahrer am 30. November 2014 in Dortmund-Derne einen Fußgänger überfuhr, hätte der 37-jährige Passant sterben können. Hassan Turan überlebte - sein rechter Unterschenkel musste aber amputiert werden. Jetzt sucht er den Audi-Fahrer, der nach dem Unfall mit Vollgas davongefahren ist.

An jenem Sonntagmorgen wechselte Hassan Turan kurz vor 6.30 Uhr als Fußgänger auf der Walter-Kohlmann-Straßedie Straßenseite, um entgegenkommende Fahrzeuge besser erkennen zu können. Das wurde dem Lüner aus dem Stadtteil Gahmen zum Verhängnis.

Mit dem Außenspiegel erfasste ein in Richtung Dortmund fahrender PKW den 37-Jährigen, der mit dem linken Bein einknickte und mit dem rechten Bein unter ein Hinterrad geriet. "Dann hörte ich am Auspuffgeräusch, dass der Fahrer Vollgas gegeben hat", erinnert sich der Lüner an die letzten Sekunden, bevor er auf seinem Weg nach Haus in Gahmen das Bewusstsein verlor.

Ärzte mussten Unterschenkel amputieren

Drei Tage später öffnete Hassan Turan wieder die Augen. Schwer verletzt lag er auf der Intensivstation des Klinikums Nord. Die Ärzte diagnostizierten mehrere Brüche und konnten die bevorstehende Operation, die Hassans Leben verändern sollte, nicht verhindern: Sie mussten seinen rechten Unterschenkel amputieren. "Das zu verkraften, war nicht einfach. Es war wie ein böser Traum", sagt der 37-Jährige über sein "zweites Leben".

Polizei ermittelt wegen Unfallflucht Während die Wunden verheilen und Hassan Turan auf eine Rehabilitation und eine Prothese wartet, sucht die Polizei seit dem 30. November 2014 intensiv nach Zeugen, die Hinweise auf den geflüchteten Fahrer geben können. Am Unfallort entdeckte die Polizei das Außengehäuse eines Spiegels, der zu mehreren Audi-Typen mit den Farben Schwarz oder Anthrazit passen soll.

Ermittlungen liefen ins Leere

"Diese Außengehäuse wurden bis 2010 für die Typen A3, A4 und A6 produziert", sagt Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. Sämtliche Recherchen der Unfall-Ermittler liefen ins Leere. Bisher konnten keine Werkstätten, Teilelieferanten oder Schrotthändler bei der Suche nach dem Fahrer helfen.Sie waren die ersten Ansprechpartner auf der Suche nach dem geflüchteten Unbekannten, der ein Ersatzteil bestellt haben muss oder den Schaden reparieren lassen wollte.

Ebenfalls überprüfte die Polizei auch den Liefer- und Berufsverkehr im Raum Derne. Deshalb der Appell der Polizei und des Unfallopfers an mögliche Zeugen - und an den Fahrer des Unfallautos selbst. "Er muss sich fragen, ob er damit leben will, einen Fußgänger so schwer verletzt zu haben", sagt die Polizeisprecherin.

Info Zeugen gesucht

Hassan Turan: "Er soll sich einfach nur melden. Dann ist es doch gut." Als Zeugen in Frage kommen auch Nachbarn des Fahrers, denen ein PKW mit fehlendem oder defektem rechten Außenspiegel aufgefallen ist. In Frage kommen auch Arbeitskollegen, die den beschädigten PKW auf dem Firmenparklatz gesehen haben. Weiter bittet die Polizei auch PKW-Werkstätten, Zubehörlieferanten und Schrotthändler um Hinweise.

Gerüstbauer mit Leib und Seele

Der durchtrainierte Hassan Turan war Gerüstbauer mit Leib und Seele. Er sorgt sich um seine Zukunft und hat Zweifel daran, dass er in Zukunft optimal versorgt wird: "Was zahlt die Krankenkasse - und was ist gut?", fragt er mit Blick auf die Anpassung einer Prothese.

Die Versicherung des Autofahrers müsste die Kosten für Reha und die Verdienstausfälle übernehmen, falls ein Gericht die Schuld des Fahrers feststellt. So belastend die Situation auch ist: Hassan, ein Musiker, lässt sich nicht gehen: "Ich könnte tot sein oder gelähmt im Bett liegen. Aber ich will selbstständig leben."