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Als Koch bei Olympia 1972 in München

05.08.2012 | 08:00 Uhr
Als Koch bei Olympia 1972 in München
Jürgen Elfe aus Scharnhorst ist jetzt nur noch Hobbykoch. Foto: Jochen Linz

Scharnhorst. Jürgen Elfe arbeitet heute als Monteur in Sachen Blitzschutz. In seinem ersten Leben war er Koch - gelernter Koch. In der Küche hat er viel erlebt. Nicht nur in bekannten Dortmunder Lokalen. Auch in München bei der Terror-Olympiade 1972.

Auf dem Sommerfest des Sozialverbandes SoVD Scharnhorst hat Jürgen Elfe das Kochen für die 200 Leute übernommen. Doch das macht dem Profi nichts. Der 58-Jährige erzählt nebenbei aus seinem bewegten Arbeitsleben in der Küche.

Den Anstoß, in die Gastronomie zu gehen, kam von seinen Eltern. Nachdem seine Familie 1956 aus der DDR nach Derne gekommen war, arbeitete sein Vater, gelernter Schlosser, zunächst auf Gneisenau. Allerdings sattelte er dann um und bewirtschaftete viele Jahre die Gaststätte „Drehscheibe“, in der insbesondere die Zechenarbeiter ihr Feierabendbier tranken und vielleicht noch ‘ne Frikadelle aßen.

Wertvolle Erfahrungen

Seine Lehre begann Elfe 1969 im „Alten Bierhaus Stade“, das seit 1778 die erste Adresse für Bierliebhaber war. Heute, nach dem Wiederaufbau 1950 und vielen Umbauarbeiten ist es vielen unter dem Namen „Bierhaus Stade Live“ bekannt. Direkt nach Abschluss seiner Lehre konnte Elfe wertvolle Erfahrungen bei den olympischen Spielen 1972 in München sammeln. Im „Römischen Kaiser“ arbeitete er für die Organisatoren des Caterings, was allerdings nicht viel mit Kochen zu tun hatte. „Das waren Zustände wie in einer Großküche, aber ich konnte Erfahrungen sammeln und 1400 DM netto waren viel Geld für einen gerade ausgelernten Koch“, berichtet Elfe. Besonders diese olympischen Spiele sind noch vielen sehr gut im Gedächtnis geblieben. Die Spiele 1972 hatten zwar die Rekordteilnehmerzahl von 122 Mannschaften - aber sie wurden am 5. September von der Geiselnahme und Ermordung der israelischen Athleten durch die palästinensische Terrororganisation „Schwarzer September“ überschattet. Das Drama dauerte 21 Stunden und endete blutig. Alle 11 Geiseln, 5 Terroristen und ein deutscher Polizist starben. Die Spiele liefen zunächst unbeirrt weiter. Elfe sagt: „Also, das mit dem Attentat haben wir erst gar nicht mitbekommen. Erst als das überall in der Presse war. Der Betrieb lief weiter wie gehabt.“ Nach vielfachen Protesten gab es dann eine eintägige Unterbrechung und eine Trauerfeier.

Nach einem furiosen Karrierestart folgten Anstellungen im „Corso“ auf dem Westenhellweg, in der „Krone am Markt“ und in der „Alten Post“ in Brackel. Auch eine Periode der Selbstständigkeit hat der Koch, der am liebsten gutbürgerliche Gerichte frisch zubereitet, vorzuweisen. 1995 übernahm er von seinem Vater bis 1999 den Gastronomiebetrieb „Haus Eger“ auf der Flughafenstraße in Scharnhorst. Elfe denkt gerne daran zurück: „Das waren schöne Zeiten! Besonders wenn ich meine Pferdefleisch-Rouladen oder -Steaks gemacht habe, war die Bude voll.“

Elfe ist seit 1992 mit seiner zweiten Frau Karin glücklich. Beide brachten jeweils zwei Kinder in die Ehe. Kennengelernt haben sie sich auf Mallorca bei einem Kegelausflug. Zuhause kocht Elfe selten für seine Frau, da sie Pasta seiner Leibspeise Fisch aller Art nur allzu gerne vorzieht. Das heißt: Jeder muss seine eigenen Gerichte kochen.

Auf Mallorca zweite Berufung

Auf Mallorca hat der Koch allerdings nicht nur seine Frau kennengelernt, sondern auch durch einen glücklichen Zufall seine zweite Berufung gefunden. Seit 22 Jahren ist der gelernte Koch als Blitzschutzmonteur beschäftigt. „Es waren einfach die Arbeitszeiten. Arbeiten wenn die Freunde feiern gehen, das war auf Dauer nicht so schön“, erklärt Elfe. So wurde das Kochen vom Beruf zum Hobby. Besonders der SoVD Scharnhorst, bei dem er seit etwa 20 Jahren Mitglied ist, profitiert von seinen Kochkünsten. Zuletzt beim jüngsten Sommerfest der Gruppe.

Ein langjähriger Vereinskumpan, Heinz Funke, 2. Vorsitzender, schwärmt von den Kohlrouladen, die Elfe bei dem alljährlichen Neujahrstreffen kredenzt. Da kommt es dann auch schon mal vor, dass bis zu 200 Personen satt werden müssen.

Ein besonderes Geschenk machte ihm der Scharnhorster Verein an seinem Geburtstag im vergangenen Jahr, als ihm ein Transparent vom „Haus Eger“ als Erinnerung für die schöne Zeit überreicht wurde.

Der ehemalige Koch ist immer noch sehr gefragt. Sogar zu Geburtstagen sponsert Elfe Kochtöpfe mit leckerem Essen.

Von Berit Leinwand



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