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Schlüsseldienst

Abzocke an der Haustür?

11.06.2012 | 20:00 Uhr
Abzocke an der Haustür?
Ausgesperrt – das kann schnell teuer werden. Foto: Horst Müller

Brackel.   Dieter Duwensee ist außer sich, immer wieder kommt das Wort „Abzocke“ über seine Lippen. Denn er sieht seine Nachbarin – blind und hilfsbedürftig – als Opfer eines dreisten Schlüsseldienstes.

Dieter Duwensee ist außer sich, immer wieder kommt das Wort „Abzocke“ über seine Lippen. Denn er sieht seine Nachbarin – blind und hilfsbedürftig – als Opfer eines dreisten Schlüsseldienstes. „Sie hat sich mittags ausgesperrt.“ In ihrer Not rief sie ihren Nachbarn an, bat um Hilfe. Und der zögerte nicht lange, suchte im Telefonbuch einen Schlüsseldienst aus Brackel. Dieser war „im Branchenverzeichnis als Meisterbetrieb deklariert und nach eigenen Angaben am Telefon versiert und seriös“, fasst der Brackeler zusammen. Alles gut, dachte er. Doch schneller als der Mitarbeiter vom Notdienst kamen die Zweifel.

45 Minuten dauerte es, bis tatsächlich jemand kam, erinnert sich Duwensee. Drei Minuten später war die Tür offen. Aber: „Vor der Arbeit verlangte er eine Unterschrift – der wiederholt angezeigten Blindheit zum Trotze“, ärgert sich Dieter Duwensee, der seine Nachbarin während der gesamten Aktion zur Seite stand. Schließlich las der Schlüsseldienst-Mitarbeiter eine „Bestätigung der originären Wohnbestätigung“ vor. Dieter Duwensee ging schließlich erleichtert nach Hause, dachte, die Sache hätte nun doch ein gutes Ende genommen – ein Trugschluss. „Zehn Minuten später stand meine Nachbarin weinend und verzweifelt vor meiner Tür. 177 Euro kostete der Akt von drei Minuten plus Anfahrtsweg von Brackel nach Brackel“, erinnert er sich. Viel Geld, zu viel Geld? Wurde hier eine blinde Frau in einer Notlage ausgenutzt? Die Verbraucherzentrale ist bei der Bewertung vorsichtig (siehe Kasten). Man müsse die einzelnen Rechnungsposten erst kennen.

Der betroffene Schlüsseldienst sieht sich dagegen im Recht. Teuer oder nicht sei auch eine Frage des persönlichen Empfindens, der Preis marktüblich, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Unternehmen versprach aber, eine Reklamation intensiv zu prüfen.

Die Verbraucherzentrale gibt dazu folgende Tipps:

„Man sollte mehrere Schlüsseldienste anrufen“, rät Beraterin Ilona Schwieger.

Erst dann bekomme man ein Gefühl für die marktüblichen Preise. Die liegen bei rund 100 Euro, wobei auch Materialkosten und Anfahrt ins Gewicht fallen. Und: „Schon am Telefon sollte man auf einen Festpreis bestehen.“

Bei Zweifeln könne der Kunde die Rechnung reklamieren.

Stichwort Rechtsanwalt: „Ist die Rechnung bereits bezahlt, sollte man es dabei belassen“, sagt Schwieger. Denn es gebe sehr viele unterschiedliche Urteile zum Thema.

Von Wolfgang Maas



Kommentare
12.06.2012
12:08
Abzocke an der Haustür?
von jmeller | #1

Das ganze mag zwar teuer wirken, aber von Abzocke kann da wohl keine Rede sein. Besonders dreist finde ich den Vorwurf man hätte mit Absicht eine blinde Frau ausgenutzt. Der Mann war doch nach seinen eigenen Angaben dabei. Man hat doch nicht der Frau heimlich eine zweite Rechnung unter geschoben.

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