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75-Jährige hat seit Monaten keinen Aufzug

12.02.2010 | 11:45 Uhr

Dortmund. Von ihrem Balkon im fünften Stock hat Waltraud Zimmermann einen grandiosen Blick auf Wambel - doch den kann die 75-Jährige derzeit kaum genießen: Seit zwei Monaten ist der Aufzug defekt. Treppensteigen kann die Seniorin kaum. Aber die Wohnungsgesellschaft hält ihre Mieter hin.

Als Waltraud Zimmermann vor acht Jahren ihre Wohnung im fünten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses in der Geleitstraße 12 bezog, da lagen die Vorzüge auf der Hand. „Von hier oben habe ich eine wunderschöne Aussicht auf Dortmund”, schwärmt die 75-Jährige.

Treppensteigen ist Gift wegen der Arthrose

Im Moment würde die Seniorin aber gerne auf ihren Panorama-Ausblick verzichten und viel lieber im Parterre wohnen. Grund: Der Fahrstuhl, der Waltraud Zimmermann mehrmals am Tag von unten nach oben und umgekehrt befördert, ist seit dem 8. Dezember 2009 außer Betrieb. „Technischer Schaden”, heißt es lapidar von der Eigentümergesellschaft, Häusser-Bau mit Sitz in Bochum.

Gehen statt Fahren ist jetzt bei den Mietern angesagt. Was für die einen unter die Rubrik „Sportliche Ertüchtigung” fällt, bereitet der alten Dame große Schwierigkeiten: „Treppensteigen ist Gift bei meiner Arthrose”, klagt sie. Eine Wahl hat sie trotzdem nicht: Hund „Jacko” braucht seine drei täglichen Gassi-Gänge. Außerdem stehen Einkäufe, Arztbesuche und die wöchentliche Lymphdrainage an.

Notbetrieb ist "nicht machbar"

„Ein Reparaturdienst ist bereits verständigt”, versucht Häusser-Pressesprecher Ralf Bettges, die Wogen zu glätten. Zu Verzögerungen sei es gekommen, weil ein entsprechendes Ersatzteil eigens angefertigt werden müsse. Einen Notbetrieb, wie ihn der Mieterverein fordert, kann der Pressesprecher allerdings ausschließen. „Das ist nicht machbar.”

Und so müssen die Mieter erneut starke Nerven beweisen: Der Aufzug, ein Schätzchen aus den Sechzigern, streikte bereits vor zwei Jahren. „Vier Wochen haben wir damals gewartet”, erinnert sich Waltraud Zimmermann. Dann wurde das Ersatzteil endlich ausgetauscht. „Dieser Zustand ist weder erklärbar, noch den Mietern zumutbar”, erzürnt sich Rechtsanwalt Holger Gautzsch vom Dortmunder Mieterverein über den aktuellen Ausfall. Er rät: Falls durch den defekten Fahrstuhl Kosten entstehen – etwa durch die Inanspruchnahme von bestimmten Dienstleistungen – könne hierfür Schadenersatz beim Eigentümer geltend gemacht werden.

Nachbarn helfen sich gegenseitig

Waltraud Zimmermann setzt derweil auf die gute Nachbarschaft in ihrem Haus. Zusammenrücken und sich gegenseitig helfen, ist vermutlich auch das einzig sinnvolle in diesen Tagen. Häusser-Bau kündigte jetzt an, dass man die Reparaturarbeiten in der zehnten Kalenderwoche abschließen wolle.

Mirja Zipfel

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