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Bergbau

60 neue Arbeitsplätze bei Deilmann

21.09.2012 | 21:00 Uhr
60 neue Arbeitsplätze bei Deilmann
In einer Fertigungshalle montieren die Mitarbeiter die Winden, die in Russland gebraucht werden.Foto: Jochen Linz/PiLi

Kurl.   Tiefes Durchatmen war im Januar 2012 angesagt, als Deilmann-Haniel Shaft Sinking an der Haustenbecke 1 in Kurl den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land, besser aus der Tiefe der Taiga zog: 215 Millionen Euro für das Absenken von zwei Schächten für das Bergwerk Ust-Jaiwa des russischen Kaliproduzenten Uralkali.

Tiefes Durchatmen war im Januar 2012 angesagt, als Deilmann-Haniel Shaft Sinking an der Haustenbecke 1 in Kurl den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land, besser aus der Tiefe der Taiga zog: 215 Millionen Euro für das Absenken von zwei Schächten für das Bergwerk Ust-Jaiwa des russischen Kaliproduzenten Uralkali.

Eine außergewöhnliche organisatorische und logistische Leistung setzt das voraus, und wenn man mit Geschäftsführer Jochen Greinacher darüber spricht, hört man raus: Genau diesen Stress wollte er haben: „Der Auftrag war fünf Jahre unser Ziel.“ Es ist der Stress, der in Kurl bereits für 60 neue Arbeitsplätze gesorgt hat - auf jetzt 260. Und in Berezniki in der Nähe von Perm für weitere 100.

Zwei Löcher, 420 und 520 Meter tief

Zwei im Durchmesser 9,5 Meter große, allerdings 420 und 520 Meter tiefe Löcher in der Erde können einem durchaus schon mal Probleme bereiten. Nicht unbedingt die Technik. „Aber die russischen Gepflogenheiten sind schon anders - der Papierkram ist unglaublich.“ Zehn Tage ist ein Lkw bis ins 3500 km entfernte Berezniki unterwegs, und es hört sich so an, als dauerten die Formalitäten dafür mindestens doppelt so lange. „Das Thema Finanzierung hat uns auch in Atem gehalten“, meint Greinacher. Der Auftraggeber sorgte zwar für eine Anzahlung in Höhe von 30 Millionen Euro, wollte aber Bürgschaften dafür. Die gab’s von oben: „Die Bundesregierung ist über eine Hermes-Bürgschaft daran beteiligt.“

Zu den zu regelnden Problemen gehört auch, dass nicht jeder Mitarbeiter vor Freude aufjault, weil er die nächsten Jahre zum Arbeiten an den Ural fahren darf. Fünf Ingenieure sind derzeit auf der Baustelle mit Bauleiteraufgaben befasst: sechs Wochen Berezniki, zwei Wochen zu Hause - sechs-zwei-sechs-zwei . . . Da kann man die Dauerkarte für den BVB schon mal zurückgeben.

In Kurl musste man sich ferner um das Einstellen von russisch sprechenden Ingenieuren kümmern, um Konstrukteure für Schachtbau. Dafür ist Deutschland mit seinem siechen Bergbau auch keine gute Adresse mehr. Und, und, und. „Der deutsche Markt geht zurück“, so der Geschäftsführer, „wir müssen unsere Arbeit im Ausland suchen.“ In Deutschland gebe es keine „Volumenprojekte“ mehr, „wir nehmen hier noch mit, was noch da ist – und das ist Endlagerbergbau.“ Stichworte hier: Gorleben, Asse, Schacht Konrad bei Salzgitter – allesamt politisch umstrittene Orte für atomare Abfälle.

Innerhalb der weltweit agierenden Unternehmensgruppe Deilmann-Haniel International sind die Kurler für den Schachtbau in Europa und Russland zuständig. Derzeit arbeite man an zehn Baustellen. Wirtschaftlich ist der Auftrag für das Unternehmen ein Segen. Greinacher schätzt, dass der Umsatz in diesem Jahr auf etwa 60 Millionen Euro ansteigt - eine glatte Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Shaft Sinking hat eigens zur Abarbeitung des Auftrags eine Tochterfirma in Berezniki gegründet — die Deilmann-Haniel Schachtostroj. Sie wird der Brückenkopf für das Geschäft im östlichen Russland. „Auf Basis dieses Auftrags wollen wir dort neue Aufträge generieren“, so Greinacher, „man kann Interessenten besser überzeugen, wenn man Leute, wenn man Baustellen vor Ort hat. Denn der Markt ist da.“

Eigene Ausbildungsstätte

Mitarbeiter zu finden ist eines der größten Probleme. „Es tragen nicht nur Ingenieure zum Unternehmenserfolg bei“, meint er, „wir suchen auch Steiger und Schachthauer.“ Für sie gebe es keine Ausbildungsstätte mehr im Ruhrgebiet. Deilmann-Haniel hat daher mit anderen Unternehmen zusammen eine eigene gegründet – in Sondershausen in Thüringen. 12 Auszubildende werden von Dortmund aus dorthin geschickt. Damit an der Haustenbecke in Kurl der Gruß „Glück auf“ nicht stirbt.

Dirk Berger


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