Das aktuelle Wetter Dortmund 12°C
Dortmunder U

Noch staubt’s im „Leuchtturm“

22.08.2010 | 15:51 Uhr
Noch staubt’s im „Leuchtturm“
Auch wenn am 19.08.2010 drei Etagen des Dortmunder U für Besucher zugänglich sind, bleibt bei den meisten der Eindruck mehr eine Baustelle, als ein Museum besucht zu haben. Im Bild: Reinigungskräfte beim Treppenhausputzen

Dortmund. „U-Westend” heißt die Ausstellung auf Etage 1 des U-Turms. Schüler, Lehrer und Studenten haben hier ihrer künstlerischen Phantasie freien Lauf gelassen, prüfen, ob das Viertel rund ums U das Zeug zum lebendigen Stadtquartier hat. Phantasie benötigt auch, wer die alte Brauer-Brache betritt. Ist das hier wirklich einer der Leuchttürme der bereits in der zweiten Lebenshälfte befindlichen Kulturhauptstadt? Ein Rundgang zwischen Hoffen und Bangen.

Nein, zu übersehen ist das „U” wahrlich nicht. Nicht zuletzt wegen der elf Meter hohen Buchstaben auf dem Dach ist der Turm, der sich zum neuen Wahrzeichen der Stadt mausert, eine Bildikone des Ruhrgebiets geworden. Schaden nur, dass Dortmunds neuer Hotspot in einer der unwirtlichsten Gegenden der Innenstadt steht.

Zugig ist es auf dem Platz vor dem Eingang. Man schaut auf die wenig heimelige Rückseite der Königswall-Bebauung, sieht im Norden vor allem Bahngleise oder blickt auf die vielbefahrene Brinkhoffstraße hinunter. Gekommen sind wir von der Kampstraße, die sich den Titel Boulevard erst noch verdienen muss. Immerhin: Sicher hinter uns wissen wir die deutlich einladenderen Ausgehmeilen der City. Wer die Stadtbahn nimmt, gelangt schnell wieder dorthin. Der Bahnhof Westentor ist kaum zu übersehen. Monumental wie er ist, wirkt er wie ein viel zu groß geratener Anzug des öffentlichen Nahverkehrs. Innen wird man melancholisch. Die historischen Fotos an den Bahnsteig-Wänden zeigen, wie attraktiv und organisch gewachsen das U-Turm-Umfeld einmal ausgesehen hat. Ach, hätte das letzte Jahrhundert doch einen günstigeren Verlauf genommen...

Nun aber hinein ins Kreativzentrum, die Jahrmarktsbühne der „Ruhrhochdeutsch”-Comedians lassen wir draußen links liegen. Die üblichen Verdächtigen der bundesdeutschen Komödianten, die sich hier ankündigen, sind uns eindeutig zu wenig kreativ.

Wer das U betritt, betritt eine Baustelle. Bohrmaschinenlärm, von der Decke hängen Elektrokabel, ganz viel Staub. Und überall Warnhinweise: „Vorsicht Stufe”, „Betreten verboten” und jede Menge Absperrband rotweiß. Nicht einmal Adolf Winkelmanns elaborierte Videos dürfen das Unvollendete kompensieren. Ihren Bildschirmen ist der Saft abgedreht. Der Hartware Medienkunst-Verein bittet, „die widrigen Umstände” zu entschuldigen, nimmt für seine Ausstellung in der dritten Etage dann aber doch fünf Euro. Zwei Damen (eine aus Bonn, die andere Dortmunderin) finden auch das zu viel und drehen einfach ab.

Ja, es gibt sie schon, die Besucher dieses dreiviertelfertigen Gebäudes. Gut 1000 sollen es sein im Wochenschnitt. Uns begegnen an diesem Werktag vor allem zwei Typen: Die einen laufen suchend umher. Die anderen eilen forschen Schrittes und haben dabei eine Leiter unterm Arm. Das sind die Handwerker.

Nach der dritten Etage ist Schluss. Das Ostwallmuseum zieht erst im September auf seine Etagen vier und fünf. Wenn Museumsdirektor Kurt Wettengl vom U-Turm schwärmt, dann wird man sehr, sehr neugierig. Eröffnung ist am 24. September. Dann soll es richtig knallen im U. Das Museum als Kraftwerk. Bislang ist der Turm nur Torso

Michael Kohlstadt

Facebook
 
Kommentare
22.08.2010
21:29
Noch staubt’s im „Leuchtturm“
von Peter von Lustig | #1

Treffend - Das Dortmunder U ist ein Torso - allerdings ein teurer Torso.

Die Peinlichkeit der Öffentlichkeit das halbfertige Gebäude zugänglich zu machen und dabei weitere Mehrkosten in Kauf zu nehmen ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, daß die Verantwortlichen zur Kulturhaupstadt 2010 in Dortmund sich nicht in die größere Peinlichkeit einer Absage begeben wolten - und konnten. Ergo - Augen zu und durch. Nur sind die Menschen - gerade die von ausserhalb - aber nicht so dumm wie erhofft und sehen den Schwindel realistisch.

Das Museum am Ostwall wird mit seinen Kunstschätzen in das U einziehen und sie unter die geniale Sprinkleranlage stellen. Dann stellt sich die Frage: Wird die 80 Millionen Euro Kostenmarke - unter Einbeziehung aller Kosten - geknackt sein? Bleibt es bei den ohnehin schon horrenden 6,3 Millionen Euro jährlichen Betriebskosten oder muss noch draufgelegt werden?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3591153/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Zum Geburtstag ein Mammut
Naturkundemuseum
Sie wollen mit Dr. Dr. Elke Möllmann den 100. Geburtstag des Naturkundemuseums feiern? Kein Problem: Kommen Sie am nächsten Sonntag doch einfach vorbei – der Eintritt ist frei. Sie wollen ein Geschenk mitbringen? Dann besorgen Sie schon mal ein paar Meter Geschenkpapier.
Polizei Dortmund sucht Zeugen für Unfallflucht
Polizei
Ein bislang unbekannter Autofahrer hat am Samstagmorgen einen 23-jährigen Fußgänger aus Dortmund angefahren und flüchtete anschließend. Das Unfallopfer wurde zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.